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Diäten der Stars:Zum Frühstück? Rohes Ei in Milch, bitte

Marilyn Monroe im Jahr 1955

Marilyn Monroe schwor auf Ei: "Ich bezweifle, dass Ärzte einem arbeitenden Mädchen in Eile ein nahrhafteres Frühstück empfehlen würden."

(Foto: dpa)

US-Kolumnistin Rebecca Harrington hat die Diäten von Superstars getestet - von Marilyn Monroe über Karl Lagerfeld bis Beyoncé. Manches war lecker, vieles einfach nur grauenvoll.

Fans wollen ihren Idolen möglichst nah sein, wollen sich kleiden wie die Stars, riechen wie sie, essen wie sie - ein Milliardenmarkt. Besonders in den USA verkaufen Prominente neben ihrem eigentlichen Job auch noch Parfums, Kleidung, Kosmetik und Schmuck oder schreiben Bücher. Auf den Bestsellerlisten landen vor allem Diät-und Ernährungstipps - mit teils abstrusen Ratschlägen. Darüber, was am effektivsten ist, debattieren Dutzende Ernährungsblogs, die Stars schwören heute auf Paleo, also Essen wie Steinzeitmenschen, und essen morgen ausschließlich Eiweiß, trinken nur noch grüne Säfte oder verbannen sämtliche Kohlenhydrate. Die Methoden sind zahllos. Je verrückter die Ratschläge, desto spannender für Rebecca Harrington. Die Kolumnistin des New York Magazines testet die Diäten der Stars zehn Tage lang im Selbstversuch und hält Leiden, Wundern und Wutanfälle im Tagebuch fest.

Abnehmen müsste die zierliche 28-Jährige eigentlich nicht. Dass sie sich trotzdem manchmal ein paar Pfunde weniger wünscht, sei heute leider der Druck der Gesellschaft, sagt Harrington. Dass sie auch mal Grenzen streift, ist ihr bewusst. Mit Beyoncé Knowles Abnehm-Methode verlor Harrington in zehn Tagen fünf Kilo, das empfand sie als "durchaus beängstigend". Die Sängerin hatte sich damit nach der Geburt ihrer Tochter 30 Kilo von den Rippen gehungert.

Elizabeth, Beyoncé, Marilyn

Dramatische Diven-Diäten

Herausfordernder als diese Diät waren andere, teils abstruse Speisepläne. Karl Lagerfeld zum Beispiel trinkt täglich zehn Flaschen Cola Light. "Das war furchtbar, ich war schon mal wahnsinnig aufgedreht wegen des Koffeins, dann trinkt er Protein-Shakes mit Wasser und isst Joghurt. Mehr nicht." Doch selbst der exzentrische Modezar war nicht Rebecca Harringtons größte Herausforderung. Das sind die großen Diven der Vierziger-, Fünfziger- und Sechzigerjahre.

Greta Garbo sei die größte Spinnerin von allen, sagt die New Yorker Autorin. Die Schauspielerin folgte in den Vierzigerjahren dem Konzept des selbsternannten Ernährungsexperten Gayelord Hauser. "Er empfahl die ekligsten Rezepte, die ich jemals ausprobiert habe. Und sie lebte jeden Tag exakt nach seinen Regeln", sagt Harrington. Garbo aß zum Beispiel rohe Eier in Orangensaft, frische Hefe oder Kuchen aus rohem Sellerie, Milch und Brotkrümeln. Dagegen sind die Diätpläne der heutigen Prominenten ein Spaziergang.

Der Druck einem Ideal zu ähneln war immer hoch

Bei ihren Recherchen hat sie die "größte Lüge aller Zeiten aufgedeckt", auch wenn vor allem wohlmeinende Tanten oder Großmütter den Magerwahn der Gegenwart verteufeln und stets das Gegenteil behaupten: Auch die Stars der Vergangenheit hielten eisern Diät, der Druck, einem Idealbild zu entsprechen sei genauso hart gewesen wie heute. "Das war schon bei den alten Griechen so", sagt Harrington, die Diäten waren viel strenger als heute und man durfte viel weniger essen. Die Speisepläne von Gwyneth Paltrow oder Jackie Kennedy seien dagegen sehr gut - auch wenn sich wohl kein Normalverdiener dauerhaft so ernähren kann.

In die Selbstkasteiung wird Harrington vor allem durch Neugier getrieben, denn vom Essverhalten der Stars verspricht sie sich einen Einblick in die Psyche der Person. Außerdem sei es sehr faszinierend, dass Promis sich sogar über ihre Schrullen und Essgewohnheiten vermarkten - und die Konsumenten dann für Tipps oder Produkte mit dem Gesicht der Stars tatsächlich Geld ausgeben. Vor zwei Jahren war Harrington vom Ernährungsplan des fettesten Präsidenten der USA, William Howard Taft, so fasziniert, dass sie den unbedingt testen wollte. Er war von 1909 bis 1913 im Weißen Haus. "Er aß Tauben und merkwürdige klebrige Kekse, es war widerlich. Ich wollte die Geschichte dem New York Magazine verkaufen, aber die haben dankend abgelehnt", sagt Harrington.

Man hat sich dann auf Elizabeth Taylors Diät geeinigt. Die erste von vielen. Etwa 15 Diäten hat Harrington bis heute getestet, weitere werden folgen: "Jetzt konzentriere ich mich auf Großbritannien. Vielleicht probiere ich als Nächstes Kylie Minogues Diät aus. Mal sehen, wie das so läuft." Anfang 2015 kommt ihr neues Buch "I'll have what she's having" heraus.

Ein Interview mit Rebecca Harrington lesen Sie in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung, auf dem iPad und Windows 8.