Designermode für Billigmarke Uniqlo Ungewöhnliche Fast Fashion

Hinter der Kollektion "Uniqlo and Lemaire" stehen Christophe Lemaire und seine Partnerin Sarah-Linh Tran, der man einen großen Einfluss auf die Entwürfe nachsagt.

(Foto: Uniqlo with Lemaire)

Der französische Luxusdesigner Christophe Lemaire hat für die japanische Billig-Kette Uniqlo eine Kollektion entworfen. Das Beste daran: Sie ist schlicht.

Von Tanja Rest

Treffen sich ein japanischer Textilriese und ein leiser französischer Luxusdesigner. Sagt der Textilriese: "Konnichiwa! Du und ich, wir sind einander ähnlich. Wir sollten uns zusammentun." Sagt der leise französische Luxusdesigner: "Avec plaisir. Lass es uns versuchen."

Ungefähr so, glaubt man Christophe Lemaire und den Verantwortlichen bei Uniqlo, ist der Deal vor einem Jahr eingefädelt worden, ein kurzes Kennenlernen, ein paar höfliche Gespräche, am Ende der Handschlag. Dann fünf oder sechs Flüge zwischen Paris und Tokio, die Verzahnung der Designteams, und neun Monate später hängt die Musterkollektion in einem von atmosphärischem Geklimper durchwehten Showroom im Pariser Marais.

Es ist der 7. Juli 2015, Couture-Woche. Wer zwischen zwei Terminen noch eine Viertelstunde übrig hat, drängt sich hier schwätzend, tweetend und grünen Tee schlürfend an zwei prall gefüllten Kleiderstangen vorbei. Eine für die Damen. Eine für die Herren. Hosen, Blusen, Röcke, Pullis, Jacken, Mäntel. Alles Basics in unkomplizierten Farben, wenig aufregend auf den ersten Blick, gut gemacht auf den zweiten, raffiniert auf den dritten. Auf den Etiketten steht: "Uniqlo and Lemaire".

Lemaires Kollektion ist erst auf den zweiten Blick raffiniert

Auf einer Couchgarnitur im Eck sitzt diskret lächelnd der Designer, 50, er trägt ein safarigrünes Hemd, eine ebensolche Hose und einen ins Rötliche changierenden Vollbart. In der freien Wildnis wäre Christophe Lemaire praktisch unsichtbar, und auch hier, inmitten des allgemeinen Geschnatters und der übersteigerten Wichtigkeit, fällt er praktisch nicht auf. Zweimal schiebt man das Aufnahmegerät näher ran, weil seine Worte auf ihrem Weg durch den Raum zu versickern drohen.

Was sagt einer, wenn er der dicke Fisch ist, den ein noch gewichtigerer Angler aus dem Wasser gezogen hat? Der in diesem Moment auch noch neben ihm sitzt in Gestalt von Yuki Katsuta, Head of Research & Design bei Uniqlo? Klar, er sagt all die richtigen Sätze. Dass es eine Ehre gewesen sei, mit einem Team aus Japan zu arbeiten, das so hingebungsvoll der Qualität verpflichtet sei. Dass man die Philosophie teile, die auf Tragbarkeit, Zeitlosigkeit, Hochwertigkeit beruhe. Dass man als Designer am Ende niemals ganz zufrieden sei, "aber das Konzept steht, und es ist gut". Lemaire nickt und lächelt. Herr Katsuta nickt und lächelt auch.

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Uniqlo ist ein hierzulande noch kaum bekannter (und im Deutschen auch etwas unglücklich klingender) Name, hinter dem ein Global Player steht: Fast Retailing, die hyperaktive Unternehmensgruppe von Tadashi Yanai, dem reichsten Mann Japans. Zu Fast Retailing gehören Marken wie Helmut Lang, Comptoir des Cotonniers und Theory, aber das wertvollste Pferd im Stall ist Uniqlo.

1984 wurde der erste Laden für Alltagskleidung unter dem Namen "Unique Clothing Warehouse" in Hiroshima eröffnet, heute betreibt das Unternehmen weltweit mehr als 1400 Filialen und beschäftigt 30 000 Mitarbeiter. An der Berliner Tauentzienstraße, vis-à-vis dem KaDeWe, ging vor einem Jahr der erste deutsche Store an den Start. Und so unerquicklich man sich den hiesigen Markt zwischen all den Zaras, Mangos und H&Ms auch vorstellen mag: Am Freitag eröffnet am Leipziger Platz bereits die zweite Dependance; weitere Filialen an anderen Standorten sind geplant.