Dauerbrenner im Kleiderschrank:"Ich bin 501-Träger aus verschmähter Liebe"

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Chelsea Boots

Ich bin faul. Zum Beispiel zu faul, um mir die Schuhe zu binden. In meiner Jugend trug ich deshalb Sneakers, die so ausgelatscht waren, dass ich in sie wie in Pantoffeln gleiten konnte. Durch Zufall entdeckte ich damals Chelsea Boots. Ich war sofort überzeugt, gestaltete sich der Einstieg doch fast so einfach wie bei den bewährten Turnschuhen. Schnell wurden sie zu meinem ständigen Begleiter. Das lag nicht nur an meiner Bequemlichkeit. Da die Stiefel den Fuß locker umschließen, sind sie relativ luftig. Zugleich aber scheut man sich nicht, damit durchs Gelände zu marschieren. Und als ich erfuhr, dass Chelsea Boots auch einst die Füße der jungen, verwegenen Beatles schmückten, war ich ihnen vollkommen erlegen. Ich habe schon fünf Paar aufgetragen (das geht relativ schnell, da ich sie ja so gut wie jeden Tag anhabe). Vor einem Jahr dann fand ich ein rahmengenähtes Modell, das hoffentlich für die Ewigkeit ist. Mit leichtem Argwohn beobachte ich natürlich den augenblicklichen Chelsea-Trend. Aber der geht vorüber. Meine Liebe bleibt. Paul-Philipp Hanske

Das hellblaue Hemd

Für eine so große Liebe fing sie eher unspektakulär an. Meine Mitbewohnerin zog nach Schweden, ihr Koffer war voll und es blieb dieses Hemd zurück: hellblau, mit Nadelstreifen, aus feinem Stoff. Im Kragen stand der Name eines Herrendesigners. Von wem aber stammte dieses Hemd? Dem Schuft, den sie endlich vergessen wollte? Während ich mir die Geschichte dazu ausmalte, fing ich an, das Hemd selbst zu tragen. Es war leicht, bequem und saß so, wie kein Hemd aus der Damenabteilung zuvor: lässig. Und - eine völlig neue Erfahrung! - nicht die üblichen fünf Zentimeter zu kurz. Auch interessant, was man damit alles anstellen konnte. Die Ärmel aufkrempeln, wenn mal angepackt werden musste. Den steifen Kragen hochschlagen, wenn man in Ruhe gelassen werden wollte. Manchmal habe ich mir das Hemd zu einem Rock gewickelt - warum auch nicht? Irgendwann wusste ich nicht mehr, wie ich jemals ohne es ausgekommen war. Immer in Blau, denn das passte zu allem in meinem Kleiderschrank. Die wirklich guten Hemden sind so schlicht, dass man ihnen schludriges Design nicht verzeihen würde. Der Traum ist ein maßgeschneidertes Hemd von Charvet in Paris. Bis es so weit ist, genügt das gute Dutzend im Schrank. Und an Tagen, an denen ich nichts anzuziehen habe, trage ich eins von meinem Mann. Er hat nichts dagegen. Muss wohl Liebe sein. Marlene Sørensen

Die 501

Es war im dritten Grundschuljahr. Die Angehimmelte und ich saßen auf der Schaukel im Garten. Sie trug eine hautenge weiße Wrangler-Jeans und ich meine ollen Jingler von C&A, denn etwas anderes war bei uns zu Hause nicht drin. Jeans ist Jeans, sagte die Mutter, und damals glaubte ich das. Auf der Schaukel aber wurde ich eines Besseren belehrt. Denn als ich das Mädchen meiner Träume fragte, ob sie mit mir gehen wolle, sprang sie von der Schaukel und kam auf mich zu. Doch anstatt mir einen heißen Kuss auf die Lippen zu drücken, der unsere ewige Liebe besiegelt hätte, lupfte sie mit Daumen und Zeigefinger angewidert den schlabbrigen Hosenstoff an meinem Oberschenkel und sagte: "Igitt, da ist ja Luft zwischen. Wie uncool!" Seit diesem traumatischen Erlebnis wollte ich nie wieder die falsche Jeans tragen und sparte auf das, was laut Werbung schließlich das Original war: die 501 von Levi's. Bei ihr bin ich bis heute geblieben. Seinerzeit kaufte man sie "nicht vorgewaschen" oder ließ sich das Teil aus den USA mitbringen. Eine amerikanische 501 war die Steigerung der 501, sozusagen das Original-Original. Man legte sich in die heiße Badewanne, wo der brettharte Stoff um zwanzig Prozent schrumpfte und die Baumwolle pelzartig aufflockte. Fühlte sich an wie ein Fell. Der Schnitt hat sich im Laufe der Jahre immer wieder gewandelt, und mit der Strapazierfähigkeit ist es heute nicht mehr weit her. Trotzdem sind wir uns treu geblieben. Denn im Grunde bin ich 501-Träger aus verschmähter Liebe. Christopher Schmidt

Das Breton-Shirt

Ich bewundere Menschen, die ihre Garderobe nach Jahreszeiten, Designern oder Farben sortieren. In meinem Schrank herrscht Chaos. Nur auf einen Stapel bin ich stolz - den mit den gebügelten Streifenshirts. Wenn ich in Eile bin, mein Kleiderschrank mich frustriert, greife ich zu einem Ringelshirt. Das Design ist minimalistisch, das Teil niemals irrelevant. Noch dazu verleiht ein gestreiftes Shirt jeder Frau etwas Französisches - mais oui! Schließlich hat es Coco Chanel bei einem Ausflug an bretonischen Fischern entdeckt, und später zu schwarzen Stoffhosen und üppiger Goldkette getragen. Natürlich nehme ich mir nie vor, noch eins zu kaufen. Weil ich genug davon habe und andere Sachen brauche. Eine praktische Übergangsjacke oder ein Kleid, das mich nicht spießiger aussehen lässt, als ich bin. Und dann entdecke ich doch ein Ringelshirt, bei dem die Knopfleiste, das Dekolleté oder die Ärmellänge etwas anders ist, und ich kann nicht widerstehen. Inzwischen bin ich Expertin: Blauweiß oder Schwarz funktioniert immer. Rot selten. Schmale Ringel? Immer besser als breite. Niemals einen blauen Blazer mit Goldknöpfen darüber, sonst wirkt es zu maritim. Der Klassiker, den auch Coco Chanel trug: das Breton-Shirt von Armor Lux. Meine Lieblingsringel hat die Französin Isabel Marant entworfen. Das Shirt trägt auch Charlotte Gainsbourg. Antje Wewer

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