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Damien Hirst in Venedig:Wenig Kopf, viel Schwindel

Damien Hirst: Treasures from the Wreck of the Unknown

Damien Hirst: "The Severed Head of Medusa".

(Foto: Photographed by Prudence Cuming Associates © Damien Hirst and Science Ltd. All rights reserved, DACS 2017/VG Bild-Kunst Bonn, 2017)

Damien Hirst hat für sein Comeback Mythen in den Mixer geworfen, herausgekommen ist "Treasures from the Wreck of the Unbelievable".

"Es war einmal ..." Mit diesem Satz fangen Märchen an. So auch dieses: Es war einmal ein Sklave, der kam zu großem Reichtum und verlud seine Habseligkeiten auf ein Schiff. Das kenterte vor der Küste Ostafrikas, und so schlummerten all die Bronzen, Marmorskulpturen und Edelsteinköpfe über 2000 Jahre auf dem Meeresboden - bis Damien Hirst kam und den ganzen Kram nach Venedig brachte.

Ein Märchen? Oder gab es den Sklaven wirklich? Einige Besucher stehen etwas ratlos in den Museen Palazzo Grassi und Punta della Dogana. Bis sie unter den korallenverkrusteten Objekten auch Mickey Mouse, Rihanna und Roboter entdecken. Der Skandal-Hirst, er ist nach zehn Jahren Pause wieder da. Und noch immer spielt er am liebsten mit Wahrheit und Lüge.

Trotz aller Einwände in Sachen Originalität, Faktentreue und Geschmack, was der Brite hier zeigt, ist der reine Wahnsinn: über hundert Exponate, mal ein 18 Meter großer Bronze-Torso, saalhohe Bären, Kämpferinnen, mehrköpfige Schlangen, aber auch winzige Goldmünzen oder ein Medusakopf aus Malachit. Er hat sämtliche Mythen in den Mixer geworfen, herausgekommen ist die Ausstellung "Treasures from the Wreck of the Unbelievable".

Der aufmerksamkeitsfreudige Multimillionär aus Bristol (halbe Kühe in Formaldehyd, diamantenüberzogener Schädel) hat es aber vor allem geschafft, diese Ausstellung finanziell und organisatorisch zu stemmen. Zehn Jahre lang haben er und unzählige andere an dem Mammutprojekt gearbeitet, der Transport nach Italien hat mehrere Monate gedauert, und wie viel Geld er allein ins Material investiert hat, möchte man lieber nicht wissen. Geliebt oder gehasst: Allein das ist schon ein Kunststück. Die Ausstellung ist noch bis zum 3. Dezember 2017 in Venedig zu sehen.