"Curvy is Sexy"-Messe:Die schönsten Models

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"Unsere Kundinnen wollen ganz normale Mode tragen. Das, was sie auch in den Katalogen und überall sehen. Nur eben in größer", erklärt Chantal Smits von Yoek aus Amsterdam. Weshalb die niederländische Designerin ihre Entwürfe mit den aktuellen Trends ziert. Das sind vor allem viele Pailletten - und knallig bunte Farben. Femininität, Fröhlichkeit und Lebensfreude soll die Yoek-Mode ausmachen, in den Niederlanden scheint das Unternehmen mit mittlerweile 100 Läden einen Nerv zu treffen. Dicke wollen sich nicht länger verstecken.

Models wait backstage to go out onto the catwalk for a show at at the 'Curvy Is Sexy' fashion fair during the Berlin Fashion Week Autumn/Winter 2014 in Berlin

Gute Laune, sonst in diesem Business eher selten: "Plus-Size"-Models backstage vor der Modenschau. Die Messe erreicht an drei Tagen etwa 3000 Fachbesucher. Sie fand im Sommer 2013 erstmals in Berlin statt.

(Foto: REUTERS)

Viele der anderen Anbieter auf der Messe setzen nicht so stark darauf, dass die Trägerinnen ihrer Mode sich wirklich wohl in ihrer Haut fühlen. Da gibt es noch viele gedeckte Farben, viel Schwarz, die klassische Dicken-Mode ist eher zum Verdecken als zum Herzeigen gedacht. Viele Kundinnen sind schon froh, wenn sie überhaupt genügend Auswahl in ihrer Größe finden.

Ilse Nemec von Ulla Popken weiß genau, worauf es ankommt bei der Mode für Mollige: Ulla Popken war die erste Modemarke in Deutschland, die sich gezielt und ausschließlich an dieses Publikum gerichtet hat - ohne Scham und mit Selbstbewusstsein. Und auch das war eher Zufall: "Eigentlich ging es um Mutter- und Babymode", so Nemec, Shop-in-Shop-Leiterin. Doch dann kam es den Betreibern komisch vor, dass so viele angeblich Schwangere gleich acht Hosen bestellten - und es wurde klar: Hier bestellen Frauen, die nicht schwanger, sondern einfach füllig sind. Das Unternehmen stellte den Bedarf auf die Kundinnen um. Und ist inzwischen mit etwa 600 Filialen in mehr als 30 Ländern weltweit schwer im Geschäft.

Eher verdecken als herzeigen

Mehr Stretch, längere Ärmel, die Röcke nicht ganz so kurz, die Betonung liegt weniger auf einer schmalen Taille als auf einem schmucken Dekolleté - das sind die Unterschiede zur normalen Mode. Ansonsten fände die fülligere Frau in den Läden und zunehmend auch im Netz gerne genau das vor, was ihre schlankeren Geschlechtsgenossinnen auch tragen können. Aber funktioniert das überhaupt?

Nicht ganz, sagt Nemec, die an ihrem Stand Prosecco aus der Dose und bunte Kalorienbomben verteilt: "Viele denken, es reicht, wenn man die kleinen Größen einfach in große umsetzt. Aber das reicht eben nicht. Das ist ein ganz anderer Markt." Einfach nur dasselbe Modell von einer zarten Größe 34 in eine stämmige 58 umzuschneidern, funktioniert nicht. Es sieht nicht gut aus.

Weshalb die meisten der auf der Messe vertretenen 54 Anbieter für "Plus Size"-Größen, so der aktuelle Fachausdruck, sich eben doch an dem orientieren, was dicke Frauen schon in den vergangenen Jahrzehnten getragen haben: streckendes Schwarz, Capes zum Verstecken allzu üppiger Rundungen, lange Blusen ohne allzu auffällige Musterungen, einfarbige Hosen mit hohem Bund.

Doch es wird - langsam und gemächlich - bunter und auffälliger - und es wird vor allem mehr. S. Oliver hat eine eigene Linie namens Triangle für fülligere Kundinnen entwickelt, Anja Gockel nennt ihre Extra-Linie "Woman I am". Sallie Sahne etwa produziert ausschließlich in den Größen 40 bis 54.

Frenetischer Applaus

Auch wenn die Zeitschrift Brigitte wieder zu herkömmlichen Models zurück gekehrt ist, nachdem sie den Trend, ganz normale Frauen auf dem Cover und in den Modestrecken zu zeigen, angestoßen hatte: "Brigitte Models", Agentur für "Plus Size"-Models, ist hier ebenfalls vertreten. Sie schart eine Meute fröhlicher junger Damen um sich, die allesamt nicht dem Idealmaß der Modeindustrie entsprechen.

Sie sind ein paar Stunden zuvor bei einer Modenschau übers Parkett gelaufen und dabei von den Gästen frenetischer beklatscht worden als jedes Size-Zero-Model im Fashion-Week-Zelt nebenan. Denn hier geht es auch ein bisschen darum, mitten aus der Szene heraus der Modeindustrie ein Schnippchen zu schlagen. Und zu zeigen: Ich passe nicht in eure Mode - und ich bin trotzdem genau richtig. So wie ich bin.

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