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"Cosmopolitan"-Chefin und Feministin:Helen Gurley Brown ist tot

Sie riet den Frauen schon 1962 zum Sex vor der Ehe und zu finanzieller Unabhängigkeit. Helen Gurley Brown sorgte stets für Schlagzeilen - 32 Jahre lang auch als Chefredakteurin der US-Modezeitschrift "Cosmopolitan". Im Alter von 90 Jahren ist sie in New York gestorben.

In den sechziger Jahren sorgte Helen Gurley Brown für einen Eklat und zwar mit ihrem Buch "Sex and the Single Girl". Darin riet sie jungen Frauen zur finanziellen Unabhängigkeit - und zum Sex vor der Ehe. 32 Jahre lang prägte die aus Green Forest, Arkansas stammende Feministin als Chefredakteurin die amerikanische Cosmopolitan mit glamourösen wie gewagten Schlagzeilen und Artikeln. Jetzt ist die Modejournalistin im Alter von 90 Jahren nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus in New York gestorben.

Helen Gurley Brown

"Ich habe nie irgendwo gearbeitet, ohne nicht mit jemandem im Büro eine Affäre gehabt zu haben", sagte Helen Gurley Brown einmal in einem Interview. 32 Jahre lang lenkte sie die Geschicke der amerikanischen Cosmopolitan.

(Foto: AP)

Bis zuletzt ging die hochbetagte Brown täglich in ihr pinkes Eckbüro im Wolkenkratzer des Medienkonzerns Hearst, zu dem die Modezeitschrift Cosmopolitan gehört. Deren Geschäftsführer Frank Bennack Jr. würdigte sie als "Legende". Brown gilt als Inspiration und geistige Vordenkerin des weltweiten Cosmopolitan-Imperiums, 1965 wurde sie als Chefredakteurin des damals schwächelnden und noch sehr konservativen Magazins angeheuert. Mittlerweile gibt es 64 Ausgaben der Modezeitschrift in 100 Ländern, übersetzt in 35 Sprachen. Brown war stets an diesem Erfolg beteiligt und wurde bis zuletzt im Impressum als Herausgeberin geführt.

In ihrem Leben drehte sich vieles um das weibliche Verhältnis zum Sex. So war es ihr erklärtes Ziel, den weiblichen Lesern zu vermitteln, "wie sie alles aus ihrem Leben herausholen können - Geld, Anerkennung, Erfolg, Männer, Prestige, Autorität, Würde". Doch innerhalb der Frauenbewegung war Brown umstritten. Ihre einzige Botschaft sei es, den Chef zu verführen und dann zu heiraten, kritisierten Akivistinnen.

Selbst hatte die elegante Journalistin ein sehr offenes Verhältnis zum Sex: "Ich habe nie irgendwo gearbeitet, ohne nicht mit jemandem im Büro eine Affäre gehabt zu haben", sagte sie 1982 in einem Interview. Mit 37 Jahren heiratete sie David Brown, einen ehemaligen Cosmopolitan-Mitarbeiter, das Paar blieb kinderlos.

Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg würdigte Brown als "vollkommene New Yorkerin". Sie habe stets "offen ihre Meinung gesagt und immer einen Rat parat gehabt", sagte er.

© Süddeutsche.de/dapd/AFP/jst/leja

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