Ladies & GentlemenBunt kickt gut

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Das Musikfestival Coachella ist längst zum Schaulauf der schönen Ich-Performer mutiert. Die auftretenden Künstler müssen sich modisch anstrengen, um mit dem Publikum mithalten zu können.

Von Julia Werner und Max Scharnigg

Für sie: Latino-Liebe

Alle reden über Bad Bunny. Dabei war gerade auch eine Latina eine Headlinerin auf dem Coachella-Festival, dem größten Lifestyle-Marketing-Event der Vereinigten Staaten. Auf diesem Musikfest wird von den Besuchern getragen und gegessen, was Jeans- oder Tequila-Firmen vorgeben. Auf den Bühnen hingegen dürfen nur die ganz Großen mitmischen, Dior zum Beispiel.

Das französische Modehaus stattete den Popstar Sabrina Carpenter mit Old-Hollywood-Looks aus und die Indie-Sängerin Ethel Cain mit einem Bikerboots-Latzhosen-Look. Dior kann eben alle Richtungen abdecken. Im Gegensatz zur italienischen Konkurrenz, dem Edel-Hippie-Label Etro. Das stattete den hier zu sehenden Superstar Karol G aus Medellín, Kolumbien aus, und wie!

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Mit einem blauen Spitzen-Zweiteiler mit bunten Paisley-Pailletten, kombiniert mit Korsett aus Duchesse-Seide und kristallbesetzter Jacke sowie einem Seidenminirock mit perlenbesetzten Quasten, die natürlich bei jeder Bewegung oberlustig mithüpften, so wie die Federn auf dem Kopf. Ganz schön viel los? Ja, und das ist auch gut so! Karol G singt, wie ihr männlicher Kollege aus Puerto Rico, auf Spanisch und erobert die Welt im Sturm, ganz ohne Iglesias-mäßig ein paar englische Hits einzustreuen.

Latino-Stolz, verbunden mit Texten übers einfache Leben daheim, das kommt weltweit an, auch bei denen, die kein Wort verstehen. Und so ist das jetzt wohl die hüpfend tanzende, laut spanisch schreiende Rebellion gegen saubere, amerikanische Popkultur. Und ja, irgendwie auch gegen besonders edel zerrissene Latzhosen von Luxuskonglomeraten.

Für ihn: Lifestyle-Kommunist

T-Shirts der New Yorker Rockband The Strokes sind auch über die eigentliche Blütezeit der Band hinaus ein beliebtes Stil-Accessoire geblieben. Bei Amazon lassen sich heute immerhin noch rund ein Dutzend Variationen offizieller Strokes-T-Shirts bestellen.

Der Sänger der Band, Julian Casablancas, trug jetzt bei seinem Auftritt auf dem Coachella-Festival auch ein T-Shirt, das allerdings etwas anderes zeigte: Das Amazon-Prime-Logo war darauf zu „Crime“ umgedeutet. Das war im ansonsten zwar sehr empowerten, aber doch einigermaßen unpolitischen Geschehen des Festivals schon ein Hingucker.

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Und es rührte umgehend in den Netzforen Fragen an: Worauf bezieht sich die Anklage? Auf die Ausbeutung der Amazon-Angestellten? Auf jüngste Verfehlungen von Jeff Bezos? Oder handelt es sich nur um ein wohlfeiles „Eat The Rich“-Statement? Letzteres wäre doch ein wenig weit gezielt von einem Mann, der selbst auf dem Milliardärsinternat Le Rosey in der Schweiz war und dessen Band von Beginn an Millionen verdient hat. Andererseits unterstützte Casablancas zuletzt auch die amerikanische Linke um Bernie Sanders.

Nicht bewahrheitet hat sich leider das Gerücht, dass es dieses Crime-Shirt auch bei Amazon zu kaufen gäbe. Stattdessen kommt ein winziges New Yorker Label – Villainous New York – damit jetzt zu kurzem Ruhm. Dort haben sie neben diversen „Crime“- Kleidungsstücken auch „Fuck Ice“ und „United Stealthcare“-Merchandise im Programm. Und das erinnerte einen doch daran, dass es höchste Zeit ist, die ollen Band-Shirts auszuziehen und dem Protestshirt zu einem Comeback zu verhelfen. Thematische Auswahl gibt die „Tagesschau“ jeden Abend genug.

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