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"Casa do Polvo" in Santa Luzia:Oktopus-Institution in Portugal: Ungeheuer gut

Casa do Polvo

Im Restaurant „Casa do Polvo – Tasquinha“, gelegen an der Hafenmole von Santa Luzia an der Ostalgarve, zeigt sich, dass die Möglichkeiten der Zubereitung von Tintenfisch so gut wie grenzenlos sind.

(Foto: Casa do Polvo)

In der "Casa do Polvo" an der Algarve dreht sich alles um den Oktopus: Ob mit Aprikosen und Mandeln, als Curry oder Burger, pro Monat werden hier zwei Tonnen "Polvo" serviert.

Achtarmige Kraken sind nicht nur Ungeheuer aus Seefahrergeschichten, sondern in der Tat ein wenig unheimliche Tiere. Die Spannweite ihrer Tentakeln kann bis zu sieben Meter betragen, in ihrem wirbellosen Körper schlagen gleich drei Herzen, und sie verfügen über außergewöhnliche Fähigkeiten: Hautfarbe und Musterung können sie in Sekundenbruchteilen der Umgebung anpassen. Mit ihren Saugnäpfen schaffen sie es sogar, Schraubverschlüsse zu öffnen - für ein Weichtier eine unglaubliche kognitive Leistung. Doch eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft wird dem Tier dann zum Verhängnis: Es schmeckt ungeheuer lecker.

Besonders köstliche Oktopusse fangen die Fischer aus dem kleinen Küstenort Santa de Luzia an der Ostalgarve in Portugal. "Capital do Polvo", Hauptstadt des Oktopusses, steht auf dem Ortsschild geschrieben. Das kleine Dorf liegt nahe der Stadt Tavira, im Naturpark Ria Formosa.

Naturpark Formosa: das ideale Habitat für Kraken

Sotavento, wie die Ostalgarve auf Portugiesisch heißt, bietet anders als die Felsalgarve im Westen kilometerlange Sandstrände. Der Naturpark Ria Formosa, der sich von Faro bis Tavira erstreckt, besteht aus unzähligen Sandbänken, Sumpfgebieten und Inseln. Delfine tauchen vor den Stränden, und Flamingos staken durch das seichte Gewässer.

In dieser Umgebung fühlen sich die Oktopusse besonders wohl. Die Kopffüßler, die zur Klasse der Tintenfische gehören, ernähren sich hauptsächlich von Garnelen und kleinen Krebsen. Dass es von Letzteren jede Menge rund um Santa Luzia gibt, kann jeder beobachten, der bei Ebbe an der Hafenpromenade entlangspaziert. Dann krabbeln die Krebse hier zu Hunderten auf dem schlickigen Meeresboden.

Kochquartett "Pulpo Dog" - Oktopus in der Semmel
Das Rezept
Köstlicher Snack

"Pulpo Dog" - Oktopus in der Semmel

Statt in ein Würstchen beißt man bei diesem Pulpo Dog in einen saftigen Oktopusarm.

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Tintenfisch ist vor allem in der klassischen Variante bekannt – vom Grill.

(Foto: Imago Images / Westend61)

Die traditionelle, nachhaltige Fangmethode

Die Fischer des Ortes sind mit ihren bunten Kuttern seit Jahrzehnten ganz auf den Fang von Oktopus spezialisiert. Hunderte an Seilen miteinander verbundene Metallfallen mit Ködern versenken sie im Atlantik, nur wenige Seemeilen vom Land entfernt. Manche nutzen auch Plastikbehälter, in denen sich die Tiere verstecken. Die traditionelle und nachhaltigere Methode ist aber, den Polvo mit Tonkrügen zu fangen. In den Alcatruzes, ähnlich Amphoren, suchen die Tiere Schutz. Die Fischer müssen nur warten und die Behälter nach ein paar Wochen wieder an Bord ziehen.

Es ist ein heißer Julitag, und in der Lota, der Fischauktionshalle am Hafen von Santa Luzia, begutachtet Eduardo Mangas den Fang des Tages. Der Mann mit den Flip-Flops und dem weißen Schnurrbart plant einen Großeinkauf - wie fast jeden Tag. Gemeinsam mit seiner Frau Nicole betreibt er nur wenige Hundert Meter entfernt das wohl bekannteste Oktopus-Lokal Portugals. Vor der "Casa do Polvo - Tasquinha" warten Gäste stets geduldig in langen Schlangen, um einen der 90 Sitzplätze zu ergattern. Unglaubliche 23 Tonnen Oktopus landen pro Jahr im "Haus des Oktopusses" auf den Tellern.

Ganz professionell: die Oktopus-Auktion

Die Auktion beginnt pünktlich um 11.30 Uhr mit einer Sirene. Danach wird es still. Eduardo und weitere drei Käufer haben sich vor den fast 60 Kisten mit Oktopus positioniert. Jeder Mann hält eine kleine Fernbedienung in der Hand und lässt den Monitor in der Mitte der Halle nicht mehr aus den Augen.

Der Auktionator sagt kurz an, welche Art von Oktopus verkauft wird. Man unterscheidet nach Größe und Gewicht. Ein "T1-Oktopus" wiegt drei Kilogramm und mehr, "T2" und "T3" unter drei beziehungsweise zwei Kilogramm und ein "T4" nur bis ein Kilogramm. Tiere, die weniger als 750 Gramm wiegen, dürfen nicht gefangen und verkauft werden. Zumindest nicht offiziell. Wenn einer der acht Arme fehlt oder angeknabbert ist, hallt ein kurzes "Ratado", also "angefressen", durch die Halle, und ein Mitarbeiter hält das Tier in die Höhe. Auch der Name des Fischerbootes, das die jeweiligen Oktopusse gefangen hat, wird auf dem Bildschirm angezeigt.

Eduardo und Nicole Mangas.

(Foto: privat)