Legalisierung von Cannabis Bloß nicht wie eine dubiose Kifferhöhle wirken

Nach der Suppe legen die Kellner unauffällig Joints neben das Besteck, als wären es Kuchengabeln. Darin steckt, der Abend beginnt schließlich gerade erst, Cannabis von der Sorte Sativa. Das macht gute Laune und gibt Energie. Nach der zweiten Vorspeise folgt ein reiner CBD-Joint, um die ganze Sache wieder ein bisschen einzubremsen. Und nach der Hauptspeise dann ein Joint mit viel THC von der Sorte Indica. Das ist das Zeug, das sehr körperlich wirkt, beruhigend und einlullend, ein bisschen das Gegenteil von Sativa.

All das wissen natürlich auch die Mitarbeiter in den "Dispensaries", lizenzierten Geschäften für alle möglichen Cannabis-Produkte. Ihre Aufgabe ist es, die Kunden durch diese schicke und manchmal verwirrende Welt zu führen: "Für einen Tag mit Freunden am Strand? Probieren Sie mal dieses freundliche Gras aus Mendocino!"

Die Dispensaries sehen mal aus wie eine coole Hotel-Lobby, in der man an der Theke bedient wird, mal wie ein Bio-Supermarkt, durch den man mit Einkaufskörbchen schlendert, oder wie ein englischer Club, in dem sich die Mitarbeiter mit iPad zum Kunden auf das Ledersofa setzen, um sie zu beraten. Zwei Gemeinsamkeiten haben alle Dispensaries: Sie tun alles, um nicht wie eine dubiose Kifferhöhle zu wirken. Und: Die Auswahl ist enorm.

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Natürlich gibt es noch das gute alte Gras, gerne auch in Bio-Qualität, Fairtrade oder aus von Frauen geführten Unternehmen. Wer zu faul ist zum Selberdrehen, findet große und kleine Joints in hübschen Packungen. Handgedreht, selbstverständlich, und deshalb nicht gerade billig: Sechs Stück kosten um die 50 Dollar.

Seit einiger Zeit sind Vaporisatoren stark im Kommen, kleine Stifte, die Cannabisöl verdampfen. In Kalifornien, wo kaum etwas so verpönt ist wie Rauchen, sind sie sehr praktisch. Viele tragen sie in der Jacke immer bei sich, auch in Bars sieht man immer wieder die kleinen Dioden an ihrem Ende aufleuchten.

Und weil viele Kunden sich nicht so genau auskennen mit den verschiedenen Sorten, nennen viele Hersteller ihre Stifte einfach nach der angeblichen Wirkung. Die Firma Dosist aus Santa Monica hat von "Relief" (gegen Schmerzen) über "Sleep" (für besseren Schlaf) bis "Arouse" (für Kreativität) oder "Bliss" (für gute Laune) sechs Varianten ihres eleganten weißen Stifts im Angebot. Und auch hier geht Komfort vor Preis. Ein Stift mit etwa 50 Zügen kostet 40 Dollar. Kiffen war schon mal billiger.

Von Gummibärchen bis Teebeuteln

Daneben liegen mit THC versetzte Gummibärchen in den Regalen, Pralinen oder Teebeutel. Es gibt CBD-Öle, die die Konzentration fördern sollen, Cremes gegen Gelenkschmerzen und Präparate für Haustiere. In der Kosmetikabteilung stehen Shampoos, Gesichtscremes und sogar einige Cannabis-Parfüms, wie das von Malin + Goetz für 165 Dollar: "Eine einzigartige und unerwartete Note." Das Ganze wird gerne auch nach Hause geliefert, innerhalb von einer Stunde an jedem Tag der Woche. Den Lieferdiensten sind allerdings Grenzen gesetzt: die des Bundesstaats Kalifornien. Denn auf nationaler Ebene ist Cannabis noch immer illegal. Die Produkte in einen anderen Bundesstaat oder ins Ausland zu bringen, ist verboten, sei es per Paket oder im Gepäck.

Kalifornische Winzer der Rebel Coast Winery in Los Angeles setzen auf Cannabis.

(Foto: Jae C. Hong/AP Photo)

Und dann sind da die Angebote rund um Cannabis wie die Cannaisseur-Abende von Coreen Carroll: In einigen Studios kann man Yoga unter Cannabis-Einfluss machen, Privattrainer bieten Ausdauerläufe, Schwimmstunden oder Wanderungen, die nach dem Genuss spezieller Präparate angeblich spaßiger sind; Clubs kombinieren Cannabis und Musik. Die Sextherapeutin Ashley Manta hat es mit ihren Workshops zu einiger Berühmtheit gebracht, in denen sie Kunden beibringt, wie sie Cannabis in ihr Liebesleben integrieren.

Als alle Gäste gegangen sind, steht Coreen Carroll mit ihrem Mann zwischen den leeren Tischen. "Wir würden gerne mal so ein Dinner nach Berlin bringen", sagt sie. "Wann legalisiert denn endlich Deutschland?" Dann zündet sie sich und ihrem Mann noch einen letzten Joint an.

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