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Ladies & Gentlemen:Die Power-Pantoffeln

(Foto: screenshot/instagram/vikyandthekid, instagram/hakmiller)

Genau die richtigen Schuhe für einen leichten Lockdown? Ein altes Birkenstock-Modell kommt gerade weltweit zu neuen Ehren.

Von Julia Werner & Max Scharnigg

Für sie: Gepflegtes Understatement

Wenn Melania Trump immer noch auf trumptowerhohen Pumps und ohne Maske zur Wahlurne spaziert, dann beweist das natürlich, dass Mumien aus vergangenen Zeiten auch ohne Instinkt für Zeitgeist wunderschön aussehen können. Empathisches Talent beweist es leider nicht. Womit wir beim Schuh des Jahres wären, nämlich: dem clogartigen Loafer. Hipster rund um den Globus haben Birkenstock Bostons längst zu den neuen Kulttretern erhoben. Die sind natürlich besser als Crocs - diese Plastiklatsche hat schon öfters Anlauf genommen, es aber nie wirklich in die Glitzerwelt geschafft. Die Pantoffel aus Filz oder Leder ist für eine normale Frau allerdings mindestens genauso schwierig in der sexy Umsetzung. Deswegen gibt es jetzt schon jede Menge Designerkopien vom Original, die den Schluffieffekt etwas abmildern.

(Foto: screenshot/instagram/vikyandthekid)

Die schickste Weiterentwicklung kommt von Jonathan Anderson und verfügt über eine dramatische Schnalle so groß wie ein Bühnenrequisit, wie wir hier an der schönen Influencerin Viktoria Rader sehen können (@vikyandthekid). Sie ist auch eine fashionliebende Gattin, aber sie hat im Gegensatz zur First Lady verstanden, worum es jetzt geht, nämlich das Signalisieren von Lockdown-Ernsthaftigkeit. Das geht mit einer Pantoffel, in der man von drinnen einfach nach draußen spazieren kann, ohne dass die Mitbürger gleich die Behörden anrufen, weil eine derangiert wirkende Person sich im Villenviertel verirrt hat. Man könnte in diesem Modell sogar Cocktails schlürfen! Es wird die Pandemie garantiert überleben.

Für ihn: Die neue Sachlichkeit

Es gibt ein paar Utensilien, die ein männliches Erscheinungsbild eher erschweren. Ein Softeis in der Hand gehört dazu, ebenso ein Minigolfschläger oder ein überdachter Motorroller und auch Hausschuhe mit allzu häuslichem Charakter - der sprichwörtliche Pantoffelheld kommt ja nicht von ungefähr. Nun ist das Modell Boston von Birkenstock eigentlich genauso ein Pantoffel, ein leichter Clog mit einer Ausstrahlung irgendwo zwischen Arztvisite und evangelischem Studentenwohnheim. Wenn man aber die Einträge unter dem Hashtag #birkenstockboston bei Instagram betrachtet, muss man zugeben: Dieser alte Schlapfen ist ein Streetwear-Star und derzeit vor allem big in Japan. Dortige Fashionistas präsentieren jedenfalls sehr stolz den deutschen Schlichtschuh zu allen möglichen Outfits, besonders gefragt sind dabei die Modelle mit aufgerautem Veloursleder, wie sie hier auch der französische Designer und Instagramer mit Künstlernamen Hakmilller trägt.

(Foto: screenshot/instagram/hakmiller)

Tatsächlich verliert der Schuh beim urbanen Einsatz viel von seiner Detlef-Symptomatik und wirkt sogar irgendwie ganz sachlich - wie ein zeitloser Bequemschuh für eher kleine Entfernungen, der den Fuß schnörkellos und schlank umfängt. In seiner geschlossenen Zehenkappe liegt ja auch sein großer Vorteil gegenüber der längst abgefeierten Birkenstock-Sandale - um das Fußerscheinungsbild, um Pediküre oder Strumpfetikette muss sich Mann damit keine großen Sorgen machen. Eigentlich lässt sich der Schuh mit jeder Art von Strumpf oder barfuß betreten, nur vielleicht nicht mit diesen knöcheltiefen Sneaker-Strümpflingen. Denn die gehören eben auch zu den Dingen, die jede Männlichkeit sabotieren.

© SZ

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