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Bildband zu Hundekunst:Mit uns kann man's ja machen

Micky Maus auf dem Rücken, Papagei am Po: Was Hunde von solchen Kreationen halten, lässt sich nur vermuten. Der US-Fotograf Paul Nathan zeigt in einem Bildband die absonderlichsten Werke des Hundefriseurs Jorge Bendersky.

Von Violetta Simon

10 Bilder

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Was Hunde von solchen Kreationen halten, lässt sich nur vermuten. Der US-Fotograf Paul Nathan durchstreift regelmäßig Grooming-Messen und verewigt vierbeinige Models nach ihrer Behandlung. Nun hat der New Yorker in einem Bildband die verrücktesten Werke des Hundefriseurs Jorge Benderskys veröffentlicht.

Puschelwattebällchen

So hatte die Natur den Hund nicht vorgesehen: Doggen, denen aus modischen Gründen Rute und Ohren abgeschnitten werden. Chinesische Schopfhunde mit dem haarlosen Rumpf eines Zwergnilpferdes - auf dem Kopf die Mähne eines alternden Rockstars. Zwergpudel mit pinkfarbener Puschelmähne oder schneeweiße Malteser, die nur mithilfe einer Haarspange den Durchblick aus ihrem überzüchteten Fell behalten.

Dagegen wirkt das Styling von Hund "Gucci" direkt harmlos. Die Miniatur-Pudeldame trägt offenbar eine moderne Interpretation des Vidal-Sasson-Bobs.

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Ohrstöpsel und Zopfturm

Sieht so ein Hund aus? Der durchschnittliche Tierliebhaber kann über solche Absonderlichkeiten nur den Kopf schütteln. Die US-Komikerin Rita Rudner wird in dem Bildband "Groomed" mit den Worten zitiert: "Ob andere Hunde wohl glauben, dass Pudel einem bizarren religiösen Kult angehören"? Wäre sicher kein Wunder, bei diesem Styling. Die naheliegendere Frage ist aber doch, welchem Kult der Hundefriseur wohl angehört - und warum er glaubt, dass Pudel kein Recht auf Würde haben.

Dabei ist die Liste der Geschmacklosigkeiten, die man Hunden wider ihre Natur aufzwingt, damit noch lange nicht abgeschlossen ...

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Kugelblitz

In den USA hat sich aus dem Trend, Hunde als lebende Kunstwerke zu gestalten, eine ertragreiche Branche entwickelt. Für so ein Styling braucht es waghalsige Profis wie Hunde-Friseur Jorge Bendersky. Auf der Hundemesse Intergroom verleiht der New Yorker seinen Models das entsprechende Äußere.

Jeder Hund habe seine eigene Persönlichkeit und Ausstrahlung, findet der Tierfriseur. Sein Ziel sei es, die individuellen Attribute seines Kunden hervorzuheben und in voller Pracht zu entfalten. Welche Eigenschaften bei diesem Zwergpudel unterstrichen werden sollten, bleibt Bendersky Geheimnis - vielleicht die empfindsame Eleganz einer Dame mit Vorliebe für Pelz?

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Giraffenzebra-Leopard

Was die Hundefriseure mit dem Fell der Vierbeiner anstellen, übersteigt oft die Vorstellungskraft eines durchschnittlichen Tierliebhabers. Das Ergebnis dieses Trends ist auf den zahlreichen Grooming-Messen für Hunde zu bestaunen. Als Tierquälerei empfinden Groomer ihre Tätigkeit nicht, im Gegenteil: Bendersky bezeichnet seine Tätigkeit als Kunstform.

Diese absonderliche Mischung aus trauriger Hyäne, geschminktem Leopard und Giraffenzebra wird präsentiert von Chloe, einem Shih-poo-Weibchen. Shih-poos erhält man, wenn man einen Pudel mit einem Shih-Tzu kreuzt, einer Art tibetanischem Löwenhund.

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Panzer-Punker

Welche einzigartige Persönlichkeit der Groomer mit dieser Frisur zum Ausdruck bringen wollte, können wir hingegen nur mutmaßen. Pudel Macey scheint gerade von einer Schildkröte begattet zu werden. Und dabei sieht sie nicht sehr glücklich aus.

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Flamingo-Papageien-Palme

Hinter diesem Gesamtkunstwerk verbirgt sich die Pudeldame Franchesca. Ein aufsehenerregender "Haarschnitt" wie dieser setzt voraus, dass Hund und Hundefriseur bestens miteinander harmonieren. Dass nicht jeder Tierfreund die natürliche Bestimmung eines Hundes in einem pinken Plüsch-Outfit sieht, liegt auf der Hand. Grenzt das nicht doch an Tierquälerei? Kritikern antwortet Bendersky, ...

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Schnauzbart-Glatzen-Mann

... seine Arbeit habe rein gar nichts mit Misshandlung zu tun, im Gegenteil: "Misshandlung ist, wenn Leute in den Salon kommen, deren Hunde speckiges Fell haben, infizierte Ohren, eingewachsene Nägel." Die Kunst des Grooming, ist allerdings weit mehr als reine Pflege. Sie gehe auch über die Hervorhebung anatomischer Besonderheiten hinaus, schreibt Bendersky im Vorwort des Bildbands. Für einen erfolgreichen Auftritt müsse der Hund seinem Friseur vertrauen, mit ihm zusammenarbeiten und eine tiefgehende Verbindung zu ihm aufbauen.

Dann kommen auch Durchschnittspudel wie Paisley ganz groß raus - das hat er nun davon.

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Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Ein Fell, drei Herrchen

Pudel-Rüde Logan, gefangen im Körper von Disney-Hund Pluto. Der tollpatschige, gutmütige Gefährte begleitete sowohl Micky Maus als auch Donald Duck und Goofy - weshalb er wohl auch alle drei an der Backe hat. Bendersky zählt eigenen Angaben zufolge nicht nur Comic-Fans zu seinen Kunden, sondern auch P. Diddy und andere auf Diskretion bedachte New Yorker Prominente, die sich über ihr Haustier profilieren wollen.

Groomed

Quelle: Paul Nathan / Pelluceo

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Paradekissen mit Borte

Bis sich ein Hund so zurichten lässt, bedarf es allerdings einiger Vorbereitung. Während der ersten paar Stunden eines Besuchs beschäftigt sich der Groomer intensiv mit dem Hund, um sein Vertrauen zu gewinnen. Dabei vollführen Bendersky mit seinem Kunden eine Art Ritual. Das Tier und er bewegten sich "wie Tänzer auf dem Parkett eines Ballsaals", umschreibt das der gebürtige Argentinier.

Mit anderen Worten: Während der Hund noch denkt, dass man mit ihm spielt, überlegt der Groomer bereits, welche Partien sich am besten zum Färben oder Rasieren eignen.

Groomed

Quelle: Paul Nathan www.paulnathanstudio; Paul Nathan / Pelluceo

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Wesen von einem anderen Stern mit Troddel-Ohren: Die Bedlington-Terrier-Dame Corveena, die das Cover ziert, wirkt beinahe wie eine Mischung aus Eisbär und Plüschpferd. Übrigens, die nächste Hundefriseur-Messe Intergroom kommt bestimmt - nämlich am 5. April.

Alles Fotos sind dem Bildband "Groomed" entnommen, erschienen im Februar 2014 beim New Yorker Verlag Pelluceo. Mit Bildern von Paul Nathan und einem Vorwort von Jorge Bendersky.

© SZ.de/leja/lala
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