Bildband mit Naomi Campbell Buch mit Brüsten

Naomi Campbell Die mit dem Raubtier-Gang Bilder

Model

Die mit dem Raubtier-Gang

Noch minderjährig wird Naomi Campbell in London entdeckt, macht Weltkarriere - und das seit mehr als 30 Jahren. In einem neuen Bildband zeigt sie sich von allen erdenklichen Seiten.

Zehn Kilo wiegt das Lebenswerk des Topmodels Naomi Campbell. Umhüllt wird es von einem Torso mit Brüsten aus Plastik. Zu Gast bei einer etwas anderen Buchpräsentation.

Von Christian Mayer, London

Wer sich "Naomi Campbell" ins Wohnzimmer stellen will, sollte auf Großes vorbereitet sein. Nicht nur, weil die limitierte und signierte Neuerscheinung so eine Wuchtbrumme ist, dass sie die anderen Bücher im Regal erdrücken würde. Sondern weil dieser Doppelband aus dem Hause Taschen eigentlich gar kein Buch mehr sein will. "Naomi Campbell" hat höhere Ambitionen, die zehn Kilo schwere Fotosammlung versteht sich als Kunstwerk der eigenen Art, weshalb die Pop-Art-Legende Allen Jones, berühmt für seine Fetisch-Möbel aus weiblichen Körpern, die Acrylbox für die beiden Buchteile gestaltet hat: zwei aus dem Einband herausragende Brüste. Als "Hommage an die Weiblichkeit", wie der Künstler versichert.

Selbst als Coffee Table Book sprengt "Naomi" das übliche Maß verlegerischen Größenwahns. Deshalb muss es natürlich auch eine Buch-Party geben, die aus dem Rahmen fällt. In New York gab es zur feierlichen Vorstellung der Sammler-Edition ein Schaulaufen der Prominenz mit Uma Thurman, Paris Hilton, Anna Wintour und Leonardo DiCaprio. Und diese Woche dann noch ein Heimspiel für das Model in London, wo sie 1970 zur Welt kam.

2000 Euro für einen Achtzigerjahre-Klassiker

Das Burberry-Café in der Regent Street ist der richtige Ort für diesen Termin. Wer hier geladen ist, gehört entweder zur Modeszene oder zum offenbar sehr weiten Freundeskreis von Naomi. Das großformatige Buch ist auf zwei Stockwerken ausgebreitet und wird von hübschen Aufpasserinnen streng bewacht: Vorsicht mit dem Champagnerglas und den Häppchen! In der günstigen Variante kostet das Werk, das in einer Auflage von tausend Stück erscheint, schließlich 2000 Euro, in der elitären "Art Edition" das Doppelte.

Naomi Campbell bei der Party in London mit ihrem Verleger Benedikt Taschen.

(Foto: Dave Benett)

"Pump Up the Jam" von Technotronic läuft in London als Aufwärmprogramm über die Lautsprecher, was insofern passt, als auch die Frau, um die sich hier alles dreht, ein Achtzigerjahre-Klassiker ist, allerdings einer von der Sorte, die offenbar nie aus der Mode kommt. Dann der Auftritt von Naomi Campbell. Aufreizend lässig spaziert sie herein, in einem weißen Trägerkleid und einer bis zum Knie reichenden Fellweste.

Mit einem nie ermüdenden Lächeln umarmt und umgarnt sie die prominenten Gäste, die sich für den Abend in Schale geworfen haben: den Schuhdesigner Manolo Blahnik, der in seinem altmodischen Anzug wie eine Figur aus einem Evelyn-Waugh-Roman wirkt; den Fotografen Mario Testino, der zu den alten Haudegen im Glamour-Geschäft gehört; die Kollegin Eva Herzigová, die zur Riege jener Schönheiten zählt, für die einst das Label "Supermodel" geprägt wurde.

Boy Georgeüber Cambell: "Sie ist einfach nur schön."

(Foto: Dave Benett)

Kommt man auf der Party mit Boy George ins Gespräch, der neun Jahre älter ist als Naomi und ihre Anfänge in der Londoner Szene genau verfolgt hat, wird es schnell sehr lustig. Der Sänger hat sich den Karma-Chamäleon-Charme, die liebenswerte Egozentrik seiner exzessiven Frühphase bewahrt; er bleibt selbst dann höflich, wenn zwei mit allen orientalischen Wassern gewaschene Russinnen versuchen, ihn für eine Selfie-Orgie an die Bar zu entführen. Den Unterschied zwischen Naomi und ihm selbst fasst Boy George wahrheitsgemäß zusammen: "Na ja, sie ist einfach nur schön. Ich dagegen brauche dafür etwas mehr Make-up."

Nur der 85-jährige Bernie Ecclestone bleibt relativ unbeeindruckt vom ganzen Trubel, ihm reicht eine kurze Schmuserei mit seiner zwei Köpfe größeren Freundin Naomi, ein hingeseufztes "Oh Bernie, so good to see you . . .", dann schleicht sich der Formel-1-Patriarch wieder nach draußen. Drinnen gehen die Gäste inzwischen der Frage nach, ob die Brüste auf dem Buchdeckel nicht doch echter sind, als der Künstler vorgibt - ein Abguss also, der Naomis göttlichem Torso gerecht wird, diese Art der Kopierkunst kennt man schließlich in der Kulturgeschichte des Abendlandes.