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Stilkritik:Schluss mit dieser heuchlerischen Bilateralität

Bayerisches Kabinett tagt mit Österreichs Bundeskabinett

Das sind der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder. Sie klären gerade etwas bilateral.

(Foto: Peter Kneffel/dpa)

Die Österreicher, der Chef: Warum, bitte, wollen plötzlich alle etwas "bilateral" klären? Über ein irreführendes Wort und seine eigentliche Intention

Interessant, dass das Wort "bilateral" plötzlich so multilateral Verwendung findet. Zum Beispiel in Konferenzen. Früher hätte man, um eine Diskussion vor zu vielen Zuhörern abzuwürgen, gesagt: "Besprecht ihr das bitte später?" oder "Telefoniert ihr nachher noch mal?" Die braven Untergebenen antworteten: "Jawoll! Das klären wir auf Stube!" Aber heute, da soll man alles "bilateral" klären. Zumindest, wenn es nach den Chefs geht.

Auch der österreichische Kanzler und seine Tourismusministerin möchten jetzt bilateral die Frage erörtern, ob deutsche Touristen bald wieder nach Österreich einreisen dürfen (um die Wirtschaft dort wieder in Schwung zu bringen). In Berlin gibt man sich da eher zurückhaltend. Ist ja auch klar. 8,8 Millionen österreichische Urlauber bringen der deutschen Wirtschaft bilateral weit weniger als 83 Millionen deutsche Urlauber der österreichischen.

Der Chef ist fein raus

Aber so ist das eben, mit der Bilateralität: Sie klingt ausgewogen, ist es aber nicht. Der Vatikan beispielsweise sichert sich mit einer Klausel in bilateralen Verträgen vor all dem ab, was "göttlichem Recht" zuwiderlaufen könnte. Fremdgänger wiederum sehen in einem Seitensprung so eine Art bilaterales Handelsabkommen. Und wenn der Chef fordert, etwas bilateral zu klären, so ist zumindest er fein raus.

Die Biologie zeigt: Bilateral - das ist nur die eine Sache. Links und rechts mag der menschliche Körper ja durchaus bilateral sein. Der Rest aber (unten Beine, oben Kopf) ist und bleibt dorsiventral. Und wenn mal ein Bein wegknickt, so schert das den Arm doch nicht. Schluss also mit dieser heuchlerischen Bilateralität. Den Rest klären wir dann später auf Stube.

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© SZ/nas/saul
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