Süddeutsche Zeitung

Beckham und Holmes in New York:Kampf um die Catwalk-Hoheit

Sie waren mal dicke Freundinnen, besuchten zusammen High-Society-Partys und Fußballspiele. Doch heute treten Victoria Beckham und Katie Holmes nicht mehr als harmonisches Gespann auf, sie sind Konkurrentinnen. In New York kämpfen die Promi-Damen um die Gunst der Modewelt.

Verena Stehle

Schon eigenartig: Da laufen seit Tagen immer noch größere Mode-Champs bei der New Yorker Fashion Week auf. Schwergewichte wie Marc Jacobs, der Shorts zeigte, die wie Unterhosen aussahen. Größen wie Tommy Hilfiger, Donna Karan, oder das brutal talentierte Fliegengewicht Scott Sternberg vom Label Boy by Band of Outsiders. Und doch fieberte tout fashion acht Tage lang auf nur zwei Shows hin. An diesem Mittwoch präsentierte die derzeit meistfotografierte Promi-Mutti New Yorks, Katie Holmes, ihr Label erstmals offiziell auf der Modewoche, und forderte damit eine andere designende Super-Mom heraus: ihre einstige Busenfreundin Victoria Beckham. Wer gewinnt? Ein Mode-Duell in fünf Runden.

Die Show vor der Show

Victoria Beckham beherrscht das Überraschungsmoment; in zehn Jahren wechselte sie drei Mal komplett ihr Image. Sie war erst das sexy Ding bei den Spice Girls, gab später die prollige Fußballerfreundin von David Beckham. Und seit vier Jahren nun kultiviert sie ihren Ruf als seriöse Designerin. Und tatsächlich: Schon 2008, in dem Jahr, als Katie Holmes noch wie ein gehorsamer, wimpernklimpernder Roboter an Tom Cruise hing, verbeugten sich die Kritiker vor Beckham. Ihre erste Kollektion umfasste 15 Kleider - und war spektakulär. Heute kämpfen Luxusboutiquen darum, ihr gleichnamiges Label verkaufen zu dürfen, oder Beckhams jüngere Linie: Victoria. Trotzdem kommt einem die vierfache Mutter mit den Maßen eines Stiletto-Absatzes komisch vor. Wie kann jemand so Dürres lebensfähig sein - und so kreativ?

Gegen sie wirkt Katie Holmes fast bodenständig und cornflakesgesund. Seit sie einfach so aus der Beziehung mit einem der mächtigsten Männer Hollywoods spaziert ist, nutzt Amerikas Sweetheart die mediale Aufmerksamkeit voll aus. Töchterchen Suri und sie gehören längst zu New York wie Starbucks-Filialen und dampfende Gullys. Und immer tragen sie Mamis Label - Holmes & Yang. New York als Laufsteg: klarer Vorteil für Katie.

Die Show

Nein, eine ausgewachsene Runwayshow passe nicht zu ihrer schlichten, einfachen Mode: So verkaufte es Katie Holmes unlängst im Fachblatt Women's Wear Daily. Stattdessen buchte sie die "Box", die kuscheligste Räumlichkeit im Lincoln Center, Hauptaustragungsort der Modewoche, für eine kleine, exklusive Präsentation. Genauer gesagt: Die Models lungerten auf weiß lasierten Holzkisten herum. Victoria zeigte nicht dort, sondern offsite - in der New York Public Library, jenem Ort, wo die "Ghostbusters" 1984 ihren ersten Geist jagten, wo Carrie Bradshaw im Film "Sex and the City" unbedingt ihren Mister Big heiraten wollte. Auf der vordersten Holzbank am Rand saß - zwischen den zwei mächtigsten Frauen der US-Mode, Vogue-Chefin Anna Wintour und Kritikerin Suzy Menkes - der hübsche russische Tennisprofi Maria Sharapova. Die ist spätestens seit den Olympischen Spielen in London so hip wie zehn ausgewachsene It-Girls. Ein Paradeschlag für, na klar, Victoria.

Die Kollektion

Lustiger Gag, wenn es denn einer sein sollte: Die Sharapova war nicht nur neben dem Laufsteg zu sehen, sondern auch darauf. Beckhams Kollektion hatte ein klares Tennis-Leitmotiv, mit koketten Kleidchen und ausgestellten Röcken, zu denen sie maskuline Blusen mit Lochmuster kombinierte. Außerdem bedachte die Designerin ihre Fans, die nicht Größe Zero tragen, mit fließenden Midiröcken und kastigen Kurzarmhemden. Dazu trugen die Models Oxfords und Schnürsandalen - Schuhwerk, das die Highheelsüchtige Designerin nie selbst tragen würde. Die Kritiker waren schon selig, bevor das erste berüchtigte Beckham-Kleid anmarschierte, fleischfarben, mit integriertem Stretchgerüst.

Katie Holmes zeigte indes, wie angekündigt, eine schlichte, klassische Kollektion mit cremefarbenen Seidenblusen, schwarz-weiße Cocktailkleidern, getoppt von adretten Bouclé-, Leder-Jäckchen und etwas biederen Blazern. Welche der beiden bei der jeweils anderen das Mohnblumenrot abgeguckt hat, wird man nie erfahren. Beckham war mehr Prêt-à-Porter - auch wenn die Haare ihrer Models fettig aussahen.

Der Sidekick

Seit Jahren quält Kritiker die Frage, ob die Beckham vielleicht doch einen Modeschulabsolventen im Spind versteckt hat, oder ob Marc Jacobs, ihr guter Freund, in ihren Entwürfen herummalt. Bislang weiß man nur folgendes: Ihr Geschäftspartner ist Ex-Spice-Girls-Manager Simon Fuller; und irgendwo wurschtelt sicher auch Roland Mouret herum. Ihr Mentor, der Erfinder des hautengen Galaxydress, der sie seit ihrer ersten Kollektion unterstützte. Sei's drum. Anna Wintour ist ihr Fan. Katie wiederum hat immerhin Jeanne Yang auf ihrer Seite: Die Designerin war fünf Jahre lang ihre Stylistin, bevor sie 2009 das Luxuslabel gründeten - in dem Yang auch namentlich erwähnt ist. Transparenz - das lieben die Leute! Glückstreffer für Katie.

Die Zielgruppe

Bisher sprangen auf die Beckham-Modevor allem stinkreiche Societyladies an (wer sonst kauft Kleider für 2000 Euro oder Krokotaschen für 19.000 Euro?) und drahtige Stars wie Cameron Diaz, die in den Spandexkleidern eben nicht aussehen wie Weißwürste. Die aktuelle Kollektion wird auch Gutverdiener-Müttern gefallen, die ihr Kind im SUV in die edle Privatschule fahren, bevor sie sich im Ric Pipino Salon die Haare legen lassen. Also Frauen wie, äh, Katie Holmes. Die wiederum entwirft für all jene, die 500 Euro für eine Seidenbluse angemessen finden. Frauen, die sich Mode wünschen, die ihre Persönlichkeit unterstreicht, nicht bestimmt. Und keine Frau will fremdbestimmt sein; gell, Katie? Fazit: Technisches K.o. von Beckham. Aber die Herzen gehören Holmes - mindestens noch für diese Saison.

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Quelle:
SZ vom 13.09.2012/vks/jobr
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