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Kurz gesichtet:Erfrischend

Eisenhart: Die Lady Dior Tasche, interpretiert vom Berliner Künstler Michael Sailstorfer.

(Foto: Stefan Dotter/Hersteller)

Buntes Geschirr von Yotam Ottolenghi, neue Kunstprojekte zu einem Klassiker von Dior und ein spritziges Sommerparfum: die Stilnews der Woche.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas und Silke Wichert

35 Kilo Gewicht, das ist definitiv zu viel für eine Handtasche, noch dazu, wenn sie so klein ist wie die Lady Dior. Benannt nach Prinzessin Diana, die ein besonderes Faible für das wattierte Minimodell hatte, ist der Entwurf das bekannteste Accessoire aus dem französischen Modehaus - aber weil so viel Berühmtheit offenbar noch nicht reicht, wird sie auf Wunsch des Unternehmens regelmäßig von Künstlern neu in Szene gesetzt. Jetzt hat der Bildhauer Michael Sailstorfer eine eiserne Skulptur nach dem Vorbild der Tasche gegossen, metallgrau, düster und viel zu schwer, um sie graziös wie Lady Di am Handgelenk spazieren zu tragen. Die Plastik ist Teil der Ausstellung Lady Dior As Seen By, die nach Stationen in Tokio und Mailand gerade in Berlin zu sehen ist. Neben Transformationen von Künstlern wie dem Fotografen Steve McCurry oder der New Yorkerin Olympia Scarry mit ihrem scharfkantigen Glasmodell sind in der Michael-Fuchs-Galerie auch neue Arbeiten aus der Berliner Szene ausgestellt. So hat etwa Debora Mittelstaedt Fotografien beigesteuert, von Tomislav Topic stammt eine abstrakte Taschenskulptur aus lackierten Edelstahlstäben. Bei all der Verfremdung: Der ursprüngliche Entwurf aus dem Jahr 1994 stammt von Gianfranco Ferré , der Italiener war acht Jahre Dior-Chefdesigner (bis 27.Juni, berlin.ladydiorasseenby.com).

Verflucht gut! T-Shirt mit Aufruf zur Rettung der Wale von Phipps International.

(Foto: PR)

Bei wichtigen Themen einfach mal Klartext reden. Das ist offensichtlich die Philosophie des Pariser Labels Phipps International, das gerade T-Shirts und Sweater mit ziemlich deutlichem Slogan lanciert hat: Save the Fucking Whales steht dort in wellenförmigen Flower-Power-Lettern geschrieben. Die Kollektion ist eine Kooperation mit der Organisation Oceanic Global, denen 15 Prozent sämtlicher Erlöse diesen Monat zugutekommen. "Ich liebe den Ozean verdammt noch mal, und möchte jeden dafür begeistern, sich um ihn zu kümmern", sagt der Gründer Spencer Phipps. Der Kalifornier fing seine Karriere bei Marc Jacobs an, bevor er 2018 sein eigenes Label gründete, das von Anfang an nachhaltig und engagiert sein wollte - aber eben nicht staatstragend, sondern mit satirischem Unterton (175 Euro, phipps.international).

Nach Monaten zu Hause endlich draußen richtig dick Duft auftragen - oder erst mal einen zurückhaltenden Hauch? Welches Parfum zur Sommer-2021-Freiheit passt, hängt von der persönlichen Stimmung ab, aber mit optimistischen Noten liegt man sicher nicht falsch. Miller Harris hat jetzt mit Rêverie de Bergamote eine erfrischende Kombination aus kalabrischer Bergamotte, Rosmarin und Vetiver aus Haiti vorgestellt - allein die Herkunft der Zutaten weckt Reiselust. Zusammen mit warmen Leder- und Sandelholzaromen ergebe das ein nuancenreiches Parfum für "a year in flux", heißt es von der Marke aus London, für ein Jahr also, in dem (noch immer) alles im Fluss ist. Der Name des Labels, Miller Harris, klingt nach einer dieser alteingesessenen Drogerien aus der Regency-Ära, die Firma wurde aber im Jahr 2000 gegründet. Von der Parfümeurin Lyn Harris, die ihr Handwerk in der südfranzösischen Dufthauptstadt Grasse gelernt hat. Wahrscheinlich rührt daher noch die Freude an poetischen Produktnamen wie Rêverie, die Träumerei (100 ml für 150 Euro, millerharris.com).

Bunte Runde: Geschirr "Feast" von Ottolenghi für Serax.

(Foto: Ottolenghi by Serax)

Ob "Simple", der Klassiker "Jerusalem" oder "Genussvoll vegetarisch": Eines der vielen Kochbücher von Yotam Ottolenghi ist heute bestimmt in jeder Küche zu finden. Für die Rezepte des israelisch-britischen Autors braucht man zwar ein Sortiment an ungewöhnlichen Gewürzen, am Ende gelingt es aber meist selbst Anfängern, mit wenigen Griffen raffinierte Gerichte zu zaubern. Damit die entsprechend auf den Tisch kommen, hat Ottolenghi für die belgische Designfirma Serax eine Geschirrserie namens "Feast" entworfen. Was das Fest ausmacht: Teller in leuchtend bunten Farben mit Illustrationen von Artischocken oder Paprika, Tassen aus sonnengelbem Steingut sowie Besteck aus Holz und Stahl. Mit "Feast" solle man liebevoll zubereitete Speisen an einem schön gedeckten Tisch mit anderen teilen, so Ottolenghi. Klingt nach einem perfekten Abend (Teller mit blauer Artischocke, 26 Euro, über serax.com).

Klimaneutral ist gut, klimapositiv klingt noch besser. Marken wie Gucci, Reformation oder Allbirds operieren nach eigenen Angaben bereits klimaneutral, indem sie ihre CO₂-Emissionen heruntergefahren haben und für den verbleibenden Verbrauch "Offsetting" betreiben, also Klimaschutzprojekte unterstützen. Burberry hat angekündigt, 2040 sogar klimapositiv sein zu wollen. Aber was heißt das eigentlich? Einerseits will das britische Label den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 in seiner Lieferkette um fast die Hälfte verringern, schon 2022 will man selbst klimaneutral operieren. Zusätzlich kündigt Burberry einen "neuen Standard" für die Branche an - indem sogar mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre geholt werden soll, als durch die Produktion von Kollektionen, Fashion Shows und dem Betreiben von Läden abgegeben wird. Erreicht werden soll das durch den "Regeneration Fund", mit dem intensiv in Klimaschutzprojekte investiert wird. Auch mit NGOs und Aktivisten soll enger zusammengearbeitet werden. Klingt alles gut, wenn auch noch etwas vage. Fest steht: Das Rennen um mehr Nachhaltigkeit in der Mode nimmt weiter Fahrt auf.

© SZ
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