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Beauty-Trend:Botox war gestern, Cremes unter die Haut spritzen ist heute

Wie viel es nützt, seine Haut mit teuren Lotionen einzuschmieren, ist schon lange umstritten. Mit der Nadel lassen sich tiefere Hautschichten erreichen.

(Foto: Mauritius)

Die Kosmetikbranche empfiehlt jetzt, auch Lotionen zu injizieren. Das klingt erstmal logisch, ist aber nicht billig und birgt einige Risiken.

Erfinderisch ist sie ja, die Kosmetikbranche. Und wie Typen mit Zukunftswillen so sind, versteht sie es auch, Niederlagen ins Positive zu wenden. Das Motto: Scheitern ist der neue Sieg. Seit Jahren predigen Kritiker, dass es ziemlich wenig bringt, wenn man sich Substanzen, die dem Gesicht so erstrebenswerte Eigenschaften wie Jugendlichkeit, Spannkraft und rosige Fülle verleihen sollen, außen auf die Haut schmiert. Dass man sich also all die teuren Seren, Cremes und Lotionen, von denen man mehr als nur einen oberflächlichen Effekt in Sachen Fett und Feuchtigkeit erwartet, statt auf die Wangen genauso gut in die Haare schmieren könnte.

Die Haut ist dazu da, den Körper vor der Umwelt zu schützen, deshalb ist es unwahrscheinlich, dass die chemisch schwergewichtigen Inhaltsstoffe von Cremes wie die feuchtigkeitsspendende Hyaluronsäure und das kräftigende Kollagen in tiefere Hautschichten vordringen können. "Die Vorstellung, dass Kollagen oder hochmolekulare Hyaluronsäure bis in die Dermis eindringen, ist nicht in wissenschaftlichen Studien belegt", sagt zum Beispiel Martina Kerscher, Kosmetikwissenschaftlerin an der Universität Hamburg.

Beautys hängen schon lange an der Nadel

Doch findig wie die Branche eben ist, greifen die Kosmetikhersteller solche Kritik jetzt auf. Natürlich ziehen sie nicht ihre Cremes vom Markt, aber sie propagieren eine neue Idee: "Injectable Skincare" heißt der Trend. Pflegeprodukte also, die man nicht auf die Haut aufträgt, sondern unter die Haut spritzt.

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Spritzen für die Schönheit? Das ist an sich nichts Neues. Professionelle Schönheitsspezialisten sind damit schon seit Jahren vertraut. Es hat mal mit Fillern etwa aus Silikon angefangen, die Lippen und Wangen aufpolstern sollen. Dann kam das muskellähmende und damit faltenvertuschende Botox hinzu. Seither hängen Beautys landauf, landab ohnehin schon an der Nadel. Eine Spritzenphobie kann sich schon lange niemand mehr leisten, der den Schönheitstrends folgen will.

Und nun also: Kosmetik aus der Spritze. Das klingt nach Pflege von innen, also zunächst einmal logisch. Denn durch die minimalinvasiven Eingriffe geraten die Substanzen dorthin, wo sie wirken sollen. Anders als Filler wird Injectable Skincare nicht einfach in Falten oder eingefallene Gesichtspartien gespritzt, um diese aufzupolstern, sondern mit vielen feinen Injektionen unter der Haut von Gesicht und Dekolleté verteilt. Dort sollen sich die Substanzen von selbst verteilen und mit Flüssigkeit vollsaugen.

Produkte wie Volite von Allergan, Restylane von Galderma oder Redensity von Teoxane setzen vor allem auf Hyaluronsäure und Kollagen. Und das derzeit besonders gehypte Profhilo sowieso, das nach Herstellerangaben "am höchsten konzentrierte Hyaluronprodukt auf dem Weltmarkt". Tatsächlich mangelt es älterer Haut an diesen beiden Substanzen, die der Körper eigentlich von Natur aus selbst herstellt. Dann bildet das spannkraftsteigernde Kollagen ein Gerüst, in das sich die feuchtigkeitsspendende Hyaluronsäure einlagert, die das Mehrfache ihres eigenen Gewichts an Wasser binden kann. Aber im Laufe des Lebens wird dieses Zusammenspiel gestört - durch UV-Strahlen und weil die Produktion wichtiger Hormone im Körper abnimmt, vor allem nach den Wechseljahren.

Die Spritzen können Nerven verletzen und Allergien auslösen

Dem wirkt die Kosmetik aus der Spritze offenbar entgegen. Sie kann nämlich mehr als nur die Haut von unten aufzupolstern. Vielmehr setzen die Substanzen die natürliche Synthese von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure wieder in Gang. Davon ist auch die Kosmetikprofessorin Kerscher überzeugt.

Billig ist das allerdings nicht: Der Ersatz aus der Spritze kostet leicht mehrere Hundert Euro. Die Produkte selbst schlagen in der Regel mit gut hundert Euro zu Buche, hinzu kommen die Behandlungskosten. Meist empfehlen die Hersteller mehrere Sitzungen, deren Effekt dann ein halbes Jahr anhalten soll. Ähnliches können nach Kerschers Ansicht aber auch Beauty-Drinks oder -Pillen mit denselben Inhaltsstoffen bewirken, und das auf angenehmere Art ohne Nadeln. Kerscher hat den Kollagendrink Elasten in einer - allerdings nur vom Hersteller und nicht in einem Fachjournal veröffentlichten - Studie getestet. Demnach wird die Haut durch den Drink tatsächlich elastischer und weniger rau. Offenbar werden "die Kollagenpeptide über den Darm aufgenommen und über den Blutkreislauf im Körper verteilt", so Kerscher. "So erreichen sie die Dermis und stimulieren den Bindegewebsstoffwechsel der Haut."

Die Drinks dürften anders als die Injektionen jedenfalls keine Nebenwirkungen haben. Letztere gelten als "Injizierbare Implantate" und gehören zu den Medizinprodukten, die in Europa schlecht kontrolliert sind. In jedem Fall muss man damit rechnen, dass die Nadeln Blutgefäße verletzen und blaue Flecken verursachen. Auch stammt das Kollagen anders als die meist synthetisch hergestellte Hyaluronsäure oft von Tieren - und kann damit Allergien auslösen. Und schließlich kann das Einspritzen der Flüssigkeit Nerven verletzen und Druck verursachen. Vielen Produkten ist daher von Anfang an ein Schmerzmittel zugesetzt. Kosmetik mit Beipackzettel? Au, Backe.