Ladies & Gentlemen:Großes Format

Lesezeit: 2 min

(Foto: -)

Diane Kruger zelebriert das blaue Wunder, Influencer Rahi Chadda kommt im Endzeit-Brustpanzer: In Cannes gab es auch jenseits der Leinwände wieder einiges zu sehen

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Blaustich und Wetterfee

Rote Teppiche sind mittlerweile vermintes Gebiet, wie Cate Blanchett diese Woche erleben musste. Sie trug in Cannes ein Kleid, in dem die Farben Schwarz und Grün enthalten waren, und in Kombination mit dem roten Teppich stand für den Netzschwarm fest: eindeutig ein Pro-Palästina-Auftritt. Dass die dritte Farbe im Spiel nicht Weiß, sondern blasses Rosa war - geschenkt! Das Gebot der Stunde für den Filmstar lautet also: Aufgepasst bei der Farbwahl.

(Foto: -)

Und damit wären wir bei Diane Kruger, die alle ihre Termine schlauerweise in Nuancen von beruhigendem Blau absolvierte. Sah alles super aus, aber dieser Ladies-Lunch-Look von Balenciaga ist definitiv am schwierigsten zu meistern. Und zwar nicht wegen des zur Skulptur umfunktionierten Revers. Das erinnert ja eher an die besseren Zeiten des Labels, also ungefähr an 1955, als der Gründer höchstselbst noch die Socialites mit solchen Ideen zu interessanteren Persönlichkeiten machte. Nein, die Schwierigkeit liegt einzig und allein in diesem strahlenden, harten Blauton. Er ist kein Teintschmeichler, und in Kombination mit den falschen Materialien (Baumwolle) und Unterteilen (Jeans oder schwarze Hose) sieht eine Frau in ihm aus wie eine öffentlich-rechtliche Wetterfee, der man keine Klamotten und keinen Stylisten zur Verfügung stellt (Deutschland). Hinzu kommt die Bestimmung der richtigen Dosis: entweder komplett Wetterfeeblau oder als Akzent (kleines Foulard, Hemdkragen). Alles dazwischen ist Mittelmaß. Können wir von Diane Kruger wirklich nicht behaupten.

Für ihn: Gürtelteil und Obertier

Bei diesem jungen Herrn handelt es sich um Rahi Chadda, und früher hätte man wohl Tausendsassa zu ihm gesagt. Heute sagt man "Beauty-Entrepreneur, Model, Influencer, Schauspieler". Welches dieser Talente ihn nun genau zu den Filmfestspielen nach Cannes befördert hat, ist vielleicht nicht jedem Zuschauer an der Croisette ganz klar, und um diesbezügliche Nachfragen zu überspielen, muss das Outfit allein natürlich schon Grund genug für die Einladung sein.

(Foto: -)

Den Job besorgt das imposante Gürteltier-Oberteil der kleinen US-Marke Luar durchaus. Ihm fallen in dieser Situation zwei elementare Aufgaben zu. Es soll einerseits zum thematischen Dresscode der "Mad Max Furiosa"-Premiere passen, was es in seinem Endzeit-Bru(s)talismus zweifelsfrei tut. Ja, mehr noch, in der neo-mongolischen Rüstung kann Herr Chadda vermutlich auch mit Pfeilen (zum Beispiel Amors und Dschingis Khans) beschossen werden, ohne nennenswert Schaden zu nehmen. Die Aftershow-Partys in Cannes sind ja legendär rustikal! Andererseits passt das Ding auch zu all den übergroßen Blazern, Smokingjacken und sonstigen kastigen Oberteilen, die in jüngster Zeit auf roten Teppichen getragen werden. Von Männern, die eigentlich bis dahin in klassisch geschneiderter Abendgarderobe gut aussahen. Aber die Silhouette der tonangebenden Jugend ist heute nun mal überweit und körperfern und sieht gut aus, weil die Jugend in allem gut aussieht. Ein bisschen wirkt der Oversized-Stil aber immer auch, als wollte die nächste Generation unbedingt in etwas hineinwachsen, in das sie nie ganz passen wird.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

SZ PlusMode
:Auf den Kopf gestellt

Kaum jemand trägt noch hochwertige Hüte, das Handwerk ist vom Aussterben bedroht. Die Berlinerin Petra Benz kämpft dagegen an, schließlich geht es um die Liebe ihres Lebens.

Von Carlott Bru

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: