Ladies & Gentlemen:Pack die Badehose ein!

Lesezeit: 2 min

Aber welche? Den Bikini mit seitlichem Anbau oder die Soft-Metal-Hose? Zwei aktuelle Vorschläge für Schwimmmode in der Stilkritik.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Drama, Baby!

Hitzewelle! Einerseits Hiobsbotschaft, andererseits für die Sonnenhungrigen endlich Anlass, mal wieder über so etwas Fernliegendes wie Bademode nachzudenken. Vorweg: Das Gejammer darüber, dass man nirgends einen gut sitzenden Bikini findet, kann kein Mensch mehr hören. Passform ist Einstellungssache, weswegen wir hier exklusiv die Beach-Babe-Geheimregel verraten: Im Gegensatz zu allen anderen Textilwaren den Bikini immer eine Nummer kleiner nehmen. Er ist ja ein Reinschieß- und kein Rumlunger-Look wie eine Jogginghose, also ein Kleidungsstück, das einen wie kein anderes zu Haltung zwingt. Das führt direkt zu Wichtigerem als der Bequemlichkeit, nämlich der modischen Aussage. Da ist in Badekreisen ein gewisser Ennui gegenüber hohen Beinausschnitten im 90er-Stil zu spüren. Der knappe Triangel-Bikini, im Nacken und an den Hüften gebunden, kämpft sich dagegen gerade zurück an den Strand, geht aber bei Wellengang verloren. Der andere Trend, das dramatische Detail, ist was für Leute, die wie Statuen an Pools sitzen, obwohl vor ihnen das Meer liegt. Allerdings ist im Mittelmeer grade Quallenalarm, weswegen Poolstatuen in diesem Sommer vielleicht nicht die schlechteste Gesellschaft sind. Der neue Star am Bademodenhimmel, Maygel Coronel, tackert ganze Theaterkulissen an die Schultern und Dekolletés von Badeanzügen und Bikinioberteilen, so wie an diesem pinken Modell (über matchesfashion.com). Wer damit trotzdem in die salzigen Fluten springt, fügt sich perfekt ein: Die Rüschen wabern beim Schwimmen so schön im Meer wie fluoreszierende Medusen.

Für ihn: Baby Schimmerhos'

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(Foto: Stone Island)

Viele Erscheinungen in der Herrenmode sind extrem langlebig, um nicht zu sagen zäh. In den 80er-Jahren verdrängte die US-amerikanische Shorts-Welle am Beckenrand genau wie am Bettrand das dort bis dato übliche DIN-Format namens "Herrenslip", aber seither tut sich bei diesem Kleidungsstück nicht mehr allzu viel. Die Schwimmshorts sind in allen Altersklassen gesetzt, an der engen Speedo halten nur noch Sportschwimmer, Männer mit Testosteron-Überfunktion oder Italiener fest. Die Shorts selbst sind seit Jahrzehnten immer gleich und deswegen egal geworden - elastischer Bund, Nylon, Bonbonfarbe -, sie variieren auch nur minimal in ihren Längen. Die bahnbrechendste Neuerung auf diesem Gebiet war die Einführung der Luxus- oder maßgeschneiderten Schwimmhorts, einer eher überflüssigen Idee, die aber umgehend für solide, finanzielle Rücklagen bei manchen Modelabels sorgte. Mit 160 Euro ist diese neue Schwimmhose der Marke Stone Island auch nicht direkt Bückware, aber immerhin wurde hier Econyl verwendet. Das ist ein relativ neuartiges Kunststoffgarn, das mit viel Aufwand aus Abfällen und Überresten (unter anderem geborgenen Fischernetzen) hergestellt wird. Es bringt aber nicht nur innere Werte mit sich, sondern fällt auch sehr schön, nahezu seidig, ist trotzdem außerordentlich dicht und robust und deswegen mittlerweile bei Herstellern hochwertiger Outdoorkleidung beliebt. Im Falle dieser Badehose entwickelt das Material ein irisierendes, metallisches Schimmern, das beim aufreizenden Gang am Hotelpool bewundernde Blicke hervorrufen könnte. Würde sich jemand für Schwimmshorts interessieren, was wie gesagt, seit Dekaden nicht mehr der Fall ist.

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