Überhaupt hätten wir dem Arschgeweih viel zu verdanken, sagt Krause. Es habe Tattoos aus der Schmuddelecke geholt und zum Massenphänomen gemacht. Vorher sei Farbe unter der Haut als "Kriegsbemalung" für Ex-Knackis und Türsteher, Matrosen und Lkw-Fahrer reserviert gewesen, plötzlich liefen junge Mädchen damit ganz unbedarft durch Freibäder und Fußgängerzonen.

Steffi, 34, arbeitet als Projektmanagerin in der Werbebranche bei München

"Ich glaube, wenn mein Kind später fragt, ob es ein Tattoo haben darf, muss ich ihm eine Riesenwatschn geben. Ich selbst war ja so unglaublich doof damals. Mit 17 oder 18 wurde ich von meinem Freund verlassen. Das war ein Drama. Ich hatte so schlimm Liebeskummer, dass ich unbedingt irgendwas verändern wollte. Andere Frauen gehen zum Friseur, ich bin zum Tätowierer.

Ich wollte nur ein ganz kleines Tribal, vielleicht drei mal vier Zentimeter. Der Typ im Tattoostudio meinte aber, das sähe blöd aus und, na ja, ich habe mich überreden lassen. Ich habe alles mitgemacht damals, hatte eine Menge Piercings, natürlich auch im Bauchnabel. Anfangs fand ich mein Tattoo echt gut, so was hatte damals niemand. Bis plötzlich die merkwürdigsten Leute mit Tribals auf dem Steißbein durch die Gegend gelaufen sind. Und dann kam Stefan Raab und auf einmal hatte ich ein "Arschgeweih". Das war hart.

Irgendwann, das muss 2008 gewesen sein, habe ich beschlossen, es entfernen zu lassen. Zehn Sitzungen sollte das dauern, jede für 120 Euro. Ich bin zweimal hin, dann habe ich die Segel gestrichen. Das tut so höllenmäßig weh! Viel mehr als das Stechen. Ich habe außerdem meinen Job gewechselt, bin ins Ausland, hatte nicht mehr so viel Geld. Das Tribal sieht seitdem aus wie von Motten zerfressen. Das ist nicht schön, ist mir im Moment aber relativ egal - ich sehe es ja zum Glück nicht. Mein Partner kann es auch ganz gut ignorieren. Aber irgendwann werde ich es wohl ganz wegmachen müssen. Oje."

Bild: privat 3. Juni 2015, 09:382015-06-03 09:38:10 © Süddeutsche.de/jana