"Frauen mit Arschgeweih waren die Sexsymbole der damaligen Zeit", sagt Daniel Krause, der es wissen muss, schließlich gilt er als Deutschlands bekanntester Tätowierer. Das geschwungene Tribal am unteren Rücken betone die weibliche Silhouette und sei damit - ganz objektiv - eine höchst erotische Angelegenheit.

Bettina, 32, arbeitet als Lehrerin in München

"Heute ist es so weit: Ich werde mir mein Arschgeweih umstechen lassen. Zweimal habe ich schon einen Termin ausgemacht, der nicht geklappt hat - dieses Mal komme ich nicht mehr aus der Nummer raus. Ich könnte es mir auch wegmachen lassen, aber dazu habe ich ehrlich gesagt keinen Nerv. Erstens habe ich gehört, dass das höllisch wehtun muss, außerdem besteht die Gefahr, dass Narben bleiben.

Ich stehe lieber dazu, dass ich mir mal so ein Tribal habe stechen lassen und mache jetzt etwas Schönes daraus. Etwas mit Bedeutung. Denn was für eine Aussage hat schon ein Arschgeweih? Als ich 18 war, fand ich Tribals cool, habe das Geld von Freunden zum Geburtstag bekommen, das war's. Und für damals hat das auch vollkommen gereicht. Aber wenn ich jetzt etwas auf meinem Körper mit mir herumtrage, will ich damit schon etwas verbinden.

Auf das neue Motiv trifft das zu: Weil ich gerne und viel wandere, lasse ich mir ein Gebirge, Enzian und Edelweiß stechen. Besser gesagt einen ganz konkreten Berg - den Alpamayo in Peru, da war ich 2007 ein paar Wochen unterwegs. Eine tolle Zeit.

Bis vor ein paar Tagen war ich überhaupt nicht aufgeregt. Dann habe ich ein paar Freunden die Skizze für das neue Tattoo gezeigt und die haben begonnen, Fragen zu stellen. Bist du dir sicher, dass du das willst? Ist das nicht ganz schön bunt? Willst du die Blumen nicht lieber etwas kleiner machen? Jetzt bin ich echt nervös. Aber ich ziehe das durch. Ganz allein. Das muss jetzt einfach sein."

Nach ein paar Wochen: "Über das Ergebnis bin ich total begeistert. Genau so habe ich mir mein Tattoo gewünscht. Auch das Feedback von anderen ist richtig gut. Mein Fazit: Das Umstechen war eine spannende Erfahrung - mit perfektem Ergebnis."

Bild: privat 3. Juni 2015, 09:382015-06-03 09:38:10 © Süddeutsche.de/jana