Architektur in Schweden Baumlanges Holzhaus

Eine Modell- Studie zum "Cederhuset", dem Zedernhaus.

(Foto: General Architecture)

Rote Schwedenhäuser kennt man. Nun soll mitten in Stockholm das höchste Holzhaus der Welt entstehen. Ein Architektenbüro will das rustikale Holz großstadttauglich machen. Über einen Werkstoff, in dem manche Stadtplaner die Zukunft sehen.

Von Silke Bigalke

Man riecht das Harz, bevor man das Holz sieht. Der Geruch reicht über die Straße, durch Regen und Verkehr. Es riecht wie frisch geschnittene Fichte und Wald, wie Weihnachten, wie Papas Werkstatt. Der Geruch passt irgendwie nicht hierher, an diese hektische Straße in Sundbyberg, einem Vorort von Stockholm.

Dann sieht man die Häuser. Es sind zwei große Apartmentgebäude, acht Stockwerke hoch, Balkon über Balkon. Sie gelten als die weltweit höchsten Wohnhäuser, die ganz und gar aus Holz gebaut wurden. Den Titel werden sie bald verlieren. Doch er bleibt im Land.

Die Schweden haben ein besonderes Verhältnis zum Holz. Sie haben davon im Überfluss. Mehr als die Hälfte des Landes ist mit Bäumen bedeckt, mit Kiefern, Fichten, Birken. Der älteste Baum der Welt ist Schwede, eine Fichte namens Old Tjikko, 9550 und wohl noch ein paar Jahre alt. Aber es ist nicht nur der Wald. Man braucht keine zehn Minuten aus Stockholm herauszufahren, und da stehen sie, die typisch schwedischen Einfamilienhäuser, aus gelb, blau, weiß, meistens aber rot gestrichenem Holz.

Es ist dieses typische Falunrot, benannt nach dem schwedischen Ort Falun, einst Heimat einer bedeutenden Kupfermine. In Deutschland heißt die Farbe: Schwedenrot. So wie Holz-Fertighäuser Schwedenhäuser heißen. Sie sind zum Symbol geworden für eine heile Astrid-Lindgren-Welt, für Sommerferien, fürs Draußensein, für die einfachen Dinge. Sie sind zu einem Anti-Stadt-Symbol geworden.

Holz großstadttauglich machen

Aber selbst im holzaffinen Schweden schaffen es Holzhäuser selten in die In-nenstädte. Deren Herz besteht auch im hohen Norden hauptsächlich aus Stein, Stahl und Beton. Dazwischen würde Holz in Falunrot einfach komisch wirken. Ein Stockholmer Architektenbüro möchte den rustikalen Baustoff Holz nun jedoch großstadttauglich machen. Olof Grip und Josef Eder von General Architecture haben ein Hochhaus entworfen - hölzern vom Aufzugschacht bis zur Fassade. Mit 120 Wohnungen auf 13 Stockwerken soll es das nächste "höchste Holzhaus" der Welt werden.

"Weil es noch keine Holzhäuser dieser Größe gibt, mussten wir erst herausfinden, wie es aussehen könnte", sagt Grip. "Ein Holzhaus, das sich nicht seltsam anfühlt in der Innenstadt." Zu erklären, was genau sie sich haben einfallen lassen, fällt den beiden Architekten schwer.

Grip und Eder sitzen in ihrem Büro im Stockholmer Stadtteil Vasastan, nicht weit weg von dem Ort, wo ihr Hochhaus, das "Zedernhaus", stehen soll. Sie schieben große Papierbögen zwischen Kaffeetassen hin und her. Die Fotos zeigen alte Häuser, Holzhäuser, Häuser, die auf Pfählen stehen. Grip und Eder haben sich aber auch viele Stadthäuser aus Stein angesehen. Zur Konkurrenz dagegen haben sie nicht geschaut.