Alta Moda in Italien Ganz große Oper

Dolce & Gabbanas Verkaufsschau für maßgefertigte Mode: die Alta Moda für Damen.

(Foto: Dolce & Gabbana)

Sie entwerfen Kleider, für deren Pflege man eigenes Personal benötigt: Auf der Alta Moda in Mailand feiern Dolce & Gabbana ein wahres Couture-Spektakel für ihre betuchten Stammkunden.

Von Julia Werner, Mailand

Das Laboratorio der Scala, eine riesige Halle im Mailänder Designviertel Tortona: Mehr Drama geht eigentlich nicht. Da steht eine riesige Sphinx aus Pappmaschee aus einer "Aida"-Inszenierung, Pferde haben Übergröße, Wandteppiche und antikes Mobiliar versetzen den Besucher sofort in eine Märchenwelt.

Passend dazu tragen an diesem kühlen Donnerstagabend sehr viele Frauen ein Diadem auf dem Kopf. Es handelt sich aber nicht um Opernsängerinnen bei der Anprobe, die Damen stöckeln ganz privat in strassblinkenden Kleidern durch die modrig duftende Kostümabteilung, Ehemänner im Schlepptau. Weil sie Gäste der Alta-Moda-Schau von Dolce & Gabbana sind, die in Kürze starten wird.

Domenico Dolce, 58, und Stefano Gabbana, 54, sind so etwas wie Italiens Modebotschafter. Zweimal im Jahr zeigen sie neben den gängigen Prêt-à-porter-Kollektionen für Männer und Frauen auch eine Alta Moda, für rund 200 Kundinnen, die extra dafür aus der ganzen Welt anreisen. Alta Moda ist die italienische Version von Haute Couture, also komplett maßgefertigter Mode. Fünf- bis sechsstellige Beträge muss man für ein einziges Kleid auf den Tisch legen. Dafür bleibt jedes Teil ein Einzelstück; die Modelle werden für die jeweilige Kundin modifiziert.

Eine Woche Arbeit für einen einzigen Ärmel - das hat natürlich seinen Preis

Den Geschäftszweig hat das Duo vor fünf Jahren eröffnet, zu einem Zeitpunkt, als andere Modehäuser ihre Haute-Couture-Abteilungen aus Rentabilitätsgründen schließen mussten. Kleider, für deren Pflege man eigenes Personal beschäftigen muss, scheinen selbst vielen superreichen Frauen heute etwas aufwendig zu sein.

Die Alta Moda von Dolce & Gabbana aber läuft so gut, dass die beiden inzwischen hundert Schneider beschäftigen können. Und weil die dreitägige Verkaufsschau (zwei Partys, ein Dinner, ein Lunch, eine Damen- und eine Herrenschau sowie eine Schmuckpräsentation) aufs chinesische Neujahrsfest fällt, haben die Designer vor ein paar Wochen sogar eine Extrakollektion in Hongkong präsentiert, wo bekanntlich die besonders superreiche Kundschaft wohnt.

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Mode von Dolce & Gabbana, das war eigentlich mal das Gegenteil von all dem Glitzer-Glamour, der die Marke heute ausmacht. Bestechend in ihrer weiblichen Einfachheit, eine lang ersehnte Antwort auf die Powermode der Achtzigerjahre. Warum auch eckige Schultern tragen, wenn man aussehen kann wie eine Frau, genauer gesagt: eine Italienerin! Die stilistische DNA gründet sich auf Korsagen, transparente Negligé-Röcke mit hoch sitzenden Unterhosen, Doppelreiher und Nadelstreifen, Blumen- und Leopardenmuster und Rosenkränze als Kette.

Das Erfolgsgeheimnis der Marke bringt der Fernsehspot für ihr erstes Parfum von 1994 schon auf den Punkt: Irgendwo im brüllend heißen Sizilien, ein schöner Junge schlägt auf einem Felsen einen Tintenfisch weich, hinter einem weißen Tuch steigt die junge Monica Bellucci in einen Badeanzug und lässt ihren BH auf einen Kaktus fallen. Der Fischer erhascht ihren Blick, und als sie später auf dem Bett liegt und döst, sieht man, wie er an ihrem BH riecht.

Es ist eine Szene aus einem Italien, von dem der Rest der Welt bis heute träumt. Wo Frauen in idyllischen Stranddörfern sehr viele Spaghetti essen, bevor sie sich in hautenge Kleider werfen und auf dem Weg zur Kirche den Männern den Kopf verdrehen. Was zuerst da war, dieses sinnliche Italien oder Mode von Dolce & Gabbana, das lässt sich gar nicht mehr so leicht sagen.

Heute setzen die Designer Milliarden um, und das im Alleingang, ohne Luxuskonzern dahinter. Ein paar perfekt geschnittene Röcke alleine reichen dafür natürlich nicht. Die Kleider, der Schmuck, die Schuhe und Taschen, alles ist von Jahr zu Jahr immer bunter und plakativer geworden, etwa mit "Capri"-Schriftzügen, Zwiebel- und Pasta-Prints. Vielleicht ist das Spiel mit Italien-Klischees aus der Touristenperspektive inzwischen Absicht, zu Anfang war es das sicher nicht.

Stefano Gabbana ist Mailänder, Domenico Dolce Sizilianer. Bis 2005 waren sie auch im wahren Leben ein Paar. Es ging von Anfang an darum, zwei Welten zusammenzubringen, den coolen Norden und den hitzigen Süden, die ganze Klaviatur des Stiefels eben.

Stefano Gabbana und Domenico Dolce nach der Präsentation ihrer Männerkollektion auf der Alta Sartoria.

(Foto: dpa)