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Alexandra Ziörjen aus der Schweiz:Wiedereinsteigerin am Herd: Plötzlich Sterneköchin

Alexandra Ziörjen, Sterneköchin Schweiz

Kommt aus Frankfurt, kocht in Charmey: Alexandra Ziörjen.

(Foto: Hannes Niederkofler)

Als ihr Küchenchef hinwirft, stellt sich Alexandra Ziörjen selbst an den Herd ihres Hotels in der Schweiz - und erkocht sofort einen Stern. Dabei hatte sie zehn Jahre nicht mehr als Köchin gearbeitet.

Der Küchenchef hatte alles ganz genau geplant. Am Sonntag nahm er seine Messer mit, am Montag schickte er per Einschreiben seine Krankmeldung, und am Dienstag stand Alexandra Ziörjen abgesehen von zwei Küchenhilfen dann alleine da. "Es war August, mitten in der Hochsaison, und ich hatte keinen Koch!" Doch manchmal gelingt eben aus der großen Not der große Wurf.

Ein knappes Jahr später sitzt Alexandra Ziörjen, 38, scharlachrote Bluse, glitzernde Sandalen, bestens gelaunt auf ihrer Terrasse im schweizerischen Charmey, Kanton Fribourg. Es ist ein sonniger Julimorgen, und im Hotel L'Étoile ist es noch ruhig. Seit der Trennung von ihrem Mann ist Ziörjen die alleinige Inhaberin des Hotels. Und auch alleinerziehende Mutter: Die beiden Söhne sind neun und sechs.

Das Rezept Älplermagronen - Schweizer Käsemakkaroni
Das Rezept
Mit Bergkäse

Älplermagronen - Schweizer Käsemakkaroni

Das traditionelle Sennengericht zum Nachbraten, mit Makkaroni, Kartoffeln, Bergkäse und Zwiebeln.

Wenn man Alexandra Ziörjen fragt, wie sie das schafft, und das würde man auch jeden alleinerziehenden Vater in so einem fordernden Job fragen, kichert sie, als habe sie auf die Frage gewartet. Sie hat ein Kindermädchen eingestellt, vor Kurzem auch einen Sekretär, der ihr ein bisschen Büroarbeit abnimmt.

Sie arbeitet trotzdem etwa 17 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das Étoile, das sie 2011 mit ihrem Mann gekauft hat, ist ein kleines Landhotel, zehn Zimmer, dazu ein Bistro und am Wochenende das Feinschmeckerrestaurant Nova. Wenn sich morgens das einzige Zimmermädchen krankmeldet, muss Ziörjen in ihrem Freundeskreis herumtelefonieren und um Hilfe bitten.

Arschkarte, denkt die gebürtige Frankfurterin dann, so erzählt sie das. Aber gleich danach: Durchbeißen. Sie findet: "Wenn es nicht linksrum geht, gehe ich halt drei Mal rechtsrum."

Und so stellt sie sich eben selbst hinter den Herd, als ihr Küchenchef sie im August 2018 sitzen lässt, weil er seine Zukunft woanders sieht. Bis dahin hatte sie sich als Geschäftsführerin um den Service und alles Administrative gekümmert: Reservierungen, Bankettplanung und die Buchhaltung. Sie ist zwar Köchin und hat in ihrer Laufbahn schon in einigen Spitzenhäusern gekocht. Doch als sie über Nacht ihre eigene Küche übernehmen muss, ist es auch ein Wagnis: Ziörjen hat mehr als zehn Jahre lang nicht mehr als Köchin gearbeitet.