Kurz gesichtet:Überraschend anders

"Aenne Biermann. Fotografin"

Moderne Bildsprache: Ein neues Buch stellt die Fotografin Aenne Biermann vor.

(Foto: Nicola Reiter/Scheidegger & Spiess)

Anti-Aging-Mundschutz mit Cannabis oder vorgemixte Cocktails für daheim: Der November 2020 überrascht mit Produkten, über die man im Januar noch gelacht hätte. Die Stil-News der Woche.

Von Anne Goebel, Julia Rothhaas und Silke Wichert

Die Nahaufnahme von Blättern einer Zimmerpflanze, der Blick durch ein Sprossenfenster, das die Häuser gegenüber in vier Bildelemente zerschneidet: Die Fotografin Aenne Biermann wird gerade wiederentdeckt, weil sie schon in den Zwanzigerjahren einen Stil entwickelte, den wir auch heute als modern empfinden. Die kühnen Bildausschnitte und Perspektiven, mit denen Biermann Objekte des täglichen Lebens und die Menschen ihrer Umgebung in Szene setzte, kommen uns ziemlich vertraut vor in einer Zeit, in der sich Millionen auf Instagram als begnadete Kamerakünstler fühlen. Nur war ihr Ansatz damals wirklich bahnbrechend, und natürlich geht es um eine ganz andere Qualität von Fotografie. Die Autodidaktin etablierte sich in kurzer Zeit als angesehene Vertreterin der Avantgarde. Dass sie nie einen typischen Frauenberuf ergreifen wollte, stand für die Tochter eines jüdischen Schuhfabrikanten von Anfang an fest. Aenne Biermann starb 1933, ihr Ehemann konnte nur kleine Teile ihres Nachlasses ins Exil retten. Der Bildband "Aenne Biermann. Fotografin" gibt einen Überblick über ihr Werk, darunter die berühmte Nahaufnahme eines Würfelbechers, gestochen scharf, klar und von kühler Ästhetik. Das Buch, erschienen im Verlag Scheidegger und Spiess, wurde gerade mit dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet (38 Euro, scheidegger-spiess.ch).

Der Satz "Das hat uns gerade noch gefehlt" hat keinen besonders guten Leumund. Im Fall dieser neuen Produktkategorie stimmt er aber: Seit die Maskenpflicht immer strenger wird und Hautirritationen zunehmen, sagte der eine oder andere schon mal nur halb im Spaß: "Mundschutz mit eingebautem Beauty-Effekt müsste es geben!" Das Label Playa London hat nun eine Version auf den Markt gebracht, deren Filter nicht nur 90 Prozent der Virenpartikel abhalten soll, die außerdem waschbar, biologisch abbaubar und wasserundurchlässig ist - sondern nebenbei auch noch Mikropartikel Cannabidiol (CBD) enthält. Das ist einer der Hauptwirkstoffe von Cannabis, er soll beim Tragen Akne, Rötungen und sogar Stresssymptome lindern. Playa bewirbt die Maske sogar als Anti-Aging Maske. Letztlich kann man sich alles schön reden, sogar den Mundschutz (45 Euro, playalondon.com).

Kurz gesichtet: Cocktail to go: Vorgemixtes von The Bottled Bar.

Cocktail to go: Vorgemixtes von The Bottled Bar.

(Foto: Lara Ohl)

Restaurants und Bars sind aktuell leider geschlossen, doch das wird Menschen nicht davon abhalten können, sich ab und zu nach einem ordentlichen Cocktail zu sehnen. Nur: Weil die Hausbar oft nur mäßig ausgestattet ist oder sich der Hausbarbesitzer furchtbar überschätzt bei seinen Cocktail-Kenntnissen, wird aus der Erfüllung dieses Wunsches meistens nichts. Abhilfe schafft nun das Berliner Unternehmen The Bottled Bar mit seinen vorgemixten Cocktails. Zur Auswahl stehen fünf Mischungen in besonders ansehnlichen Flaschen, darunter etwa der "Fancy Rum Punch", der nach Ananas und Vanille schmeckt, oder der "Philadelphia Fish House Punch", eine Mischung aus Brandy, Rum und Marille. Die Sehnsucht nach einem Besuch in der Lieblingsbar wird dabei nicht gelindert, doch der Teil-Lockdown geht mit einem Glas "Ruby Punch" (Portwein, schwarzer Tee, Arrack) schneller vorbei als man glaubt (ab 22 Euro, bottledbar.de).

Kurz gesichtet: Unbedingt auf den Wunschzettel schreiben: Kleid von Khaite.

Unbedingt auf den Wunschzettel schreiben: Kleid von Khaite.

(Foto: Hersteller)

Diese Woche werden wahrscheinlich viele Sparschweine geschlachtet, die eigentlich für Weihnachten gedacht waren. Schuld ist das New Yorker Label Khaite, das quasi als vorgezogene Bescherung seine nächste Capsule Collection auf den Markt bringt. Solche Sonderkollektionen gibt es zwar mittlerweile wie Sand am Meer. Aber Khaite, das Label der Designerin Catherine Holstein, setzt die normalen Marktgesetze (und den gesunden Menschenverstand) gern mal außer Kraft. Kaum etwas ist dort unter 1000 Euro zu haben, trotzdem sind die Tops mit Herzausschnitt und die Kaschmir-Cardigans mit passendem Bralette regelmäßig ausverkauft, vor allem seit Katie Holmes vergangenes Jahr darin fotografiert wurde. Die 13 neuen Teile sollen vor allem Weiterentwicklungen der beliebtesten Entwürfe sein. Alles besonders hochwertig, zeitlos, gemütlich, novembermäßig halt (ab sofort auf mytheresa.com erhältlich).

Eine überfüllte Straße in New York, dann Kameraschwenk auf ein Mädchen in ausgebleichten Jeans und mit viel Goldschmuck: Diese Minifilm-Szene kann keine Modenschau ersetzen, aber weil mitten in der zweiten Coronawelle echte Laufsteg-Events wieder in weiter Ferne sind, muss die Mode eben erfinderisch bleiben. Dolce & Gabbana versuchen es jetzt mit digitalen Kurz-Schauen, die monatlich eine neue Auswahl aus den aktuellen Entwürfen des Labels im Netz präsentieren. Der erste Film heißt "Walking in the street", und mit dem Projekt will die italienische Marke draußen auf der Straße im Gespräch und im Geschäft bleiben. Und zwar möglichst unkompliziert - man kann die gewünschten Teile direkt online bestellen (Dolcegabbana.com).

© SZ/kar
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