Ladies & Gentlemen:Stars und Streifen

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(Foto: Golden Goose, Adidas)

Die Lieblingssneakers der Modewelt: Wenn es um Alltags-Turnschuhe geht, dominieren derzeit zwei Modelle an den Füßen der Promis. Nicht immer ist das von Vorteil für die Marke.

Von Max Scharnigg und Julia Werner

Für sie: Nachlässig lässig

Jeder große Trend läuft irgendwann Gefahr, an seinem eigenen Erfolg zugrunde zu gehen. Bei den Damen passierte das etwa mit Kelly Bags von Hermès: Jede Silikonlippe von Los Angeles bis München hat jetzt eine, weswegen das ursprünglich für auserlesenen Geschmack stehende Accessoire längst ein No-Go ist. Glück gehabt, man braucht sein Geld ohnehin eher für eine Küche! Aber es gibt auch Beispiele, bei denen sich der Hype rätselhaft hartnäckig hält - dieser Turnschuh vom italienischen Label Golden Goose etwa ist nicht totzukriegen. Man sieht ihn an einem Samstagmorgen auf der Münchner Maximilianstraße mindestens ein Dutzend Mal, und auch an Stars wie Taylor Swift und Reese Witherspoon oft.

(Foto: Golden Goose)

Das schlichte Modell "Superstar" sieht auf den ersten Blick harmlos aus. Meistens weiß, mit Sternen auf der Seite (den Glitter lassen wir mal unkommentiert) kostet es um die 500 Euro, was für viele Menschen offenbar kein Problem ist. Die wahren Probleme beginnen mit dem Begriff "distressed". Bedeutet: Der Schuh wird schon im Used-Look und quasi angeschmutzt gekauft. Wieso entscheiden sich Leute, die in penibel sauberen Villen wohnen, dafür? Bestimmt nicht bewusst. Eher gehen sie erst zum Blondieren und dann in die Luxusboutique nebenan, wo ihnen dieser Schuh zum Designermantel noch schnell untergejubelt wird. Zusammengefasst ist dieser Turnschuh schlimmer als Rishi Sunak in Sambas. Er ist noch nicht mal ein jämmerlicher Lässigkeitsversuch, sondern die lederne Antithese zur Street-Credibility: das absolute Desinteresse an dem, was den Leuten da draußen eigentlich die Füße schmutzig macht.

Für ihn: Salopplahopp

Seltsames trug sich neulich in Downing Street 10 zu. Regierungschef Rishi Sunak gab ein Video-Interview und löste damit ungeahnte Reaktionen beim jungen Teil der Zuschauerschaft aus. Nicht wegen der Dinge, die er sagte, sondern wegen seiner Schuhe. Es waren weiße Adidas Sambas, die zwar irgendwie zum dynamisch-spillerigen Gesamteindruck des Mannes passten, aber doch seltsam aussahen, so im gediegenen Londoner Rahmen. Feedback ließ auch nicht lange auf sich warten, der Vorwurf war ungewöhnlich: Sunak habe mit dem Auftritt die Street-Credibility des Retromodells zerstört. Klassischer Dad-Move!

(Foto: Adidas)

Tatsächlich ist der Samba seit etwa einem Jahr der Lieblingssneaker der Stars - Harry Styles nahm eine maßgeschneiderte Kollektion mit auf seine Welttournee, Katie Holmes trug ihre zum Prada-Outfit, und Hailey Bieber und die Hadid-Schwestern erklärten öffentlich ihre Liebe zu dem Schuh - eine Karriere, die man dem simplen Drei-Streifen-Urtier kaum zugetraut hätte. In den 90er-Jahren war der bequeme Treter schließlich Inbegriff des Indie-Schluffietums und bei Oasis-Bandmitgliedern ebenso zu sehen wie im Film "Trainspotting" - also bei ikonischen Ereignissen der Slacker-Kultur. Sehr weit weg war er jedenfalls von der Glam- und Kardashian-Welt, wo er heute hofiert wird. Der britische Premierminister sah sich übrigens zu einer Stellungnahme genötigt - in seinem Fall sei es kein Aufspringen auf einen Trend, er trage die Schuhe seit Jahren, so Sunak. Ist zwar immer noch peinlich, aber der größte Schaden konnte damit wohl vom Hype abgewendet werden.

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