70 Jahre Wolfgang Joop:Jetzt kommen die Kirschen

Sein bestes Model? Immer noch er selbst. Wolfgang Joop trägt seit 40 Jahren dieselbe Kleidergröße. Jetzt wird der deutsche Modeschöpfer 70. Über sein Leben sagt er, es sei ein Fest gewesen. Eine Hommage in Bildern.

Von Violetta Simon

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(Foto: dpa)

Karl Lagerfeld, das alte Lästermaul, hatte ihn einmal mit einer "alternden Geisha" verglichen. Vermutlich aus Neid, denn im Gegensatz zu ihm hatte Wolfgang Joop schon immer die Figur eines Mannequins.

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Sein bestes Model? Immer noch er selbst. Bei den Prêt-à-porter-Modenschauen 2009 in Paris präsentierte Joop nicht nur seine Wunderkind-Kollektion, sondern bewies einmal mehr, dass ein jugendlicher Körper weniger eine Frage des Alters, sondern der Disziplin ist. Er passe, sagte der Designer der Deutschen Presseagentur, heute noch in die Jeans, die er vor vierzig Jahren getragen habe.

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Laufstege findet er überall: Für die Kampagne seines Parfums "rococo" ging Joop 1999 zurück zu den Wurzeln, in den Garten seiner Kindheit. Geboren am 18. November 1944, wuchs er in königlicher Umgebung auf - auf dem Bauernhof seiner Großeltern in Potsdam, direkt am Park von Sanssouci.

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Außerhalb der Modewelt wirkt Joop mitunter etwas steif (hier 2012 in Potsdam am Heiligen See). In der Familie des Modeschöpfers, der sehr an seiner Mutter hing, ging es nie besonders herzlich zu. Die Frau Mama habe sein Bedürfnis nach Nähe oft als "Affenliebe" bezeichnet: "Man wollte nicht zu viel Berührung im preußischen Elternhaus."

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Heute, als erfolgreicher Designer und Vater zweier erwachsener Töchter, steht er aufrecht an ihrer Seite (hier 2006 mit der damals 93-jährigen Mutter Charlotte und Tochter Jette) und macht aus seiner Vorliebe für satte Farben keinen Hehl: Wer außer ihm könnte einen knallroten Anzug zur lilafarbenen Krawatte tragen, ohne dabei seine Würde zu verlieren? Den Hang zum Extravaganten entwickelte Joop bereits in der Kindheit: "Wir hatten Hühner und Schafe. Selbst gestrickte Socken und selbst gestrickte Jacken", erzählt er in einem Interview. "Die kratzten zwar, aber die waren von eigenen Schafen. Da konnten die anderen nicht mithalten in Braunschweig mit ihrer fully-fashioned Importware."

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1982 präsentiert Joop seine erste Prêt-à-porter-Damenmode, 1985 die erste Herrenkollektion. Mit seiner ersten Parfümedition macht er seinen Namen endgültig zum Markenzeichen, indem er ihm noch ein Ausrufezeichen hinzufügt. 1998 verkauft Joop 95 Prozent seiner Anteile, bleibt aber weiterhin Chefdesigner der Marke. Kurz nach der Jahrtausendwende steigt er endgültig aus - und ist froh darüber: "Ich musste das Ziel aufgeben, eine Megamarke zu werden. Irgendwann nach drei, vier Jahren konnte ich es als Erleichterung empfinden, dass das große Schiff ohne mich weiterfuhr."

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(Foto: DPA)

Joop bleibt das Gesicht seiner Marke - dennoch verabschiedet er sich vorübergehend von der Mode, genießt es, wohlhabend zu sein und beginnt, über Mode zu schreiben.

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(Foto: DPA/DPAWEB)

Wunderkind - der Name seines zweiten Labels - passt auch privat zu Joop: Der Designer ist ein begnadeter Illustrator. Nach dem Ausstieg aus seinem Unternehmen zeichnete und präsentierte er seine Werke in mehreren Ausstellungen. 2002 stellte er erstmals eine Auswahl seiner Modezeichnungen vor - rund 200 Porträts und Illustrationen aus den vergangenen 30 Jahren.

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Auch als bildender Künstler machte Joop eine gute Figur. In Berlin zeigte er im Jahr 2000 auf seiner Austellung "Belle Ile - Is black beautiful?" eine Serie von Objekten und Zeichnungen, die sich - wie diese teerverschmierte Möwe - mit der Komplexität der Farbe Schwarz auseinandersetzen. Der Erlös kam einem Sterbehospiz zugute.

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(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)

Steht ihm beinahe noch besser als der rote Anzug: Joop in Knallblau vor einem Gemälde, das ein Affenpärchen zeigt - womöglich eine Anspielung auf die "Affenliebe" zu seiner Mutter? Jedenfalls scheint er sich königsblau, Verzeihung, königlich zu amüsieren.

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Designer, Model, Künstler - in erster Linie ist Joop aber Geschäftsmann. Seit 2010 illustriert und entwirft er als Kreativpartner für Galeria Kaufhof. Als junger Mann kaufte sich der Designer von seinem ersten Verdienst Kunst - und trennte sich später von einigem, um für eigene Werke Platz zu machen. Über sein finanzielles Gespür sagt er: "Das richtige Timing beim Kaufen und Verkaufen zu finden, ist im Leben wohl die größte Kunst." Dasselbe gelte übrigens für das rechtzeitige Auf- und Abtreten.

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(Foto: dpa)

Ebenfalls eine Kunst: die wirkungsvolle Wiederkehr. Nach dem Verkauf von Joop! gründete der Designer (hier 2009 auf der Fashion Week Berlin) das Luxuslabel Wunderkind. 2001 wurde das Unternehmen Opfer eines Investoren-Streits, doch nach einer Pause von nur zwei Saisons kaufte Joop Wunderkind für drei Millonen zurück und finanzierte den Neustart selbst.

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Dass Joop trotz allem ans Alter denkt, bewies er 2009 mit seiner Strumpf-Kollektion "MJ-1". Der Modemacher brachte in Berlin erstmals Kompressionsstrümpfe auf den Laufsteg - und machte die gefürchteten Senioren-Accessoires damit gesellschaftsfähig. Zuvor hatte Joop die Stützstrümpfe bereits auf den Prêt-à-porter-Schauen in Paris neben Osteoporose-Korsetts präsentiert, kombiniert mit extrabequemen, strassbesetzten Komfort-Schuhen.

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(Foto: Getty Images)

Sonnengegerbt, gut erhalten: Wolfgang Joop selbst ist der Herausforderung des Alterns mit preußischer Disziplin begegnet. Auch mit 70 Jahren hat die Erscheinung des deutschen Designers etwas Formvollendetes.

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Wer ist hier Model, wer Muse? Ganz klar: beide beides für einander. Nadja Auermann (hier im Jahr 2009 auf der Fashion Week in Berlin) ist seit ihrer Jugend mit dem Designer befreundet. Das einstige Topmodel, das Ende der achtziger Jahre für Joops allerersten Werbespot lief, sagt über ihn: "Das Verhältnis zu Wolfgang war gleich sehr herzlich, er hatte mich schon nach der ersten gemeinsamen Schau zum Essen eingeladen. Er war es auch, der mich schließlich auf die Idee brachte, nach Potsdam zu ziehen. Ein Freund eben." Joop wiederum, der dem damals 17-Jährigen Model zu einer schillernden Karriere verhalf, bezeichnete Auermann gar als "Ikone".

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(Foto: dpa)

Wenn er den Stil deutscher Macht-Männer beurteilen soll (hier 2009 auf einer Aids-Gala mit dem damaligen FDP-Bundesvorsitzende Guido Westerwelle), wird der Potsdamer dagegen einsilbig. Von der Illustrierten Bunte zum Stil deutscher Politiker befragt, fiel ihm zu Westerwelle nur ein Adjektiv ein: "geländegängig".

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(Foto: obs)

Inzwischen darf Joop ganz offiziell das Aussehen anderer beurteilen - bei "Germany's next Topmodel". Eigentlich hatte er kein gutes Haar an der Casting-Show und ihrer Galionsfigur Heidi Klum gelassen - bis er sich in der Jury neben der Moderatorin wiederfand (im Bild mit Jurymitglied Thomas Hayo). Wird Joop nun massentauglich? "Wenn ich ehrlich bin, träume ich davon, aus der Mode auszusteigen", sagte Joop 2013 dem Kultur-Spiegel. Ob das ein Auf- oder Abstieg ist, muss er selbst beurteilen.

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(Foto: Getty Images)

Nicht nur Äußerlich scheinen sich bei Wolfgang Joop (hier 2012 auf der Ausstellung "Frauen" in der Pinakothek Der Moderne) die Wogen geglättet zu haben. In einem Interview mit der SZ bekannte er kürzlich: "Wir warten unser Leben lang, dass wir morgen besser werden, schlanker, größer, beliebter. Endlich den Sexual- und Lebenspartner finden, der uns diesen einen Orgasmus beschert, nach dem wir nicht in einem Down verschwinden müssen. Aber ich habe gelernt, dass Antworten auf die meisten Fragen ausbleiben, und habe mir eine pragmatische Lebensphilosophie zurechtgelegt."

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(Foto: Getty Images)

Über sein bisheriges Leben sagte Wolfgang Joop (hier 2011 auf der kirchlichen Trauung von Prinz Georg Friedrich Ferdinand von Preußen und Prinzessin Sophie von Preußen in Potsdam), es sei ein Fest gewesen. "Was jetzt noch kommt, sind nur noch die Kirschen auf dem Kuchen." In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Herr Joop, mit viel Sahne obendrauf - nach 40 Jahren wird es wirklich höchste Zeit für eine neue Jeansgröße.

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