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120 Jahre Weckglas:Ans Eingemachte

Seine Erfindung revolutionierte die Ernährung: Vor 120 Jahren meldete Rudolf Rempel das Einmachglas als Patent an. Was sich außer Marmelade alles mit dem Glas anstellen lässt:

Eigentlich müsste es Einrempeln heißen statt Einwecken: Vor 120 Jahren, am 24. April 1892, meldete der Gelsenkirchener Chemiker Rudolf Rempel einen Spezialkochtopf zum Patent an, dazu Gläser, die mit einem Gummiring verschlossen werden - als "Apparat zum selbständigen Schließen und Entlüften von Sterilisiergefäßen". Es ist die Geburtsstunde des Einmachglases. Rempels Erfindung revolutionierte die Ernährung der breiten Masse. Zum ersten Mal war es möglich, viele Lebensmittel haltbar zu machen: Obst, Säfte, Gemüse. Der Unternehmer und überzeugte Antialkoholiker Johann Weck war begeistert von Rempels Erfindung, weil sich damit erstmals Fruchtsäfte aufbewahren ließen, ohne dass sie vergärten. Weck kaufte Rempel sein Patent ab; der Begriff des Einweckens war erfunden. Mehr als ein Jahrhundert nach seiner Erfindung sind wir inzwischen nicht mehr auf das Einmachglas angewiesen - doch Selbermachen ist in Zeiten der bewussten und nachhaltigen Ernährung en vogue. Das gilt auch für Marmelade, Schwammerlsülze, Tomaten-Chutney - und alles, was sonst noch so ins Einmachglas passt.

120 Jahre Einmachglas Rezepte

Véronique Witzigmann, Tochter des gleichnamigen Spitzenkoches, gilt als Königin des Einweckens.

(Foto: Véronique Witzigmann)

Zehn Spitzenköche haben uns ihre Rezepte für Rempels Erfindung verraten.

Véronique Witzigmann: Tomaten-Chutney

Zutaten: [] 1kg Kirschtomaten [] 100 g Schalotten [] 100 g eingelegte Tomaten [] 2 EL Öl [] 1 Prise getrockneten Oregano [] 1 Prise getrockneten Thymian [] 7 frische mittelgroße Basilikumblätter [] 200 ml Rotweinessig [] 10 ml dunkler Balsamico [] 1TL eingelegter Pfeffer [] 180 g Einmachzucker [] Prise Paprika edelsüß [] Prise Cayenne Pfeffer

Zubereitung: Den Rotweinessig in einen kleinen Topf geben und langsam auf die Hälfte einreduzieren lassen. Die Tomaten waschen und in kleine Würfel schneiden. Die Schalotten schälen und ebenfalls fein würfeln. Die eingelegten Tomaten aus dem Öl nehmen, abtropfen lassen und in Würfel schneiden.

Die Tomaten mit den getrockneten Tomaten mischen, in eine Schüssel geben und mit den Gewürzen Oregano, Thymian, eingelegten Pfeffer, Pfeffer bestreuen und kurz ziehen lassen. Die Schalotten in Öl glasig anbraten, den Einmachzucker dazugeben. Umrühren und den Zucker schmelzen lassen, dann mit den Essigen ablöschen. Die gewürzte Tomatenmischung und den Rotwein zufügen.

Die Hitze reduzieren und langsam dicklich einkochen lassen für ca. 30 Minuten. Die Basilikumblätter kurz waschen und in feine Streifchen schneiden. Zum Schluß mit dem Cayennepfeffer und dem Paprikapulver abschmecken und die Basilikumblätter einrühren. Je nach Geschmack muss das Chutney noch abgeschmeckt werden mit Salz, Oregano und Thymian. Das Chutney noch heiß abfüllen in die vorbereiteten Gläser und verschließen.

Sarah Wiener: Schwarze Nüsse

Zutaten: [] 400 g grüne, unreife Walnüsse (vom Baum geerntet, Saison: Ende Juni bis Anfang Juli) [] 480 g Zucker [] 2 Gewürznelken [] 1 Zimtstange

Zubereitung: Die Nüsse in eine Schüssel mit reichlich kaltem Wasser geben. Ich empfehle, dabei Haushaltshandschuhe zu tragen, weil aus der Schale Gerbsäure austritt, die hartnäckige schwarze Flecken hinterlässt.

Nun die Nüsse mehrmals mit einer Nadel einstechen und dann in eine zweite Schüssel geben. Lassen Sie die Nüsse an einem kühlen und dunklen Ort etwa 1,5 Wochen wässern, wechseln Sie das Wasser zweimal täglich. Wenn die Ziehzeit um ist, die Nüsse in ein Sieb geben und mit etwa 3 Liter kochendem Wasser übergießen. Damit befreien Sie die Nüsse von der Gerbsäure.

In einem Topf den Zucker mit 350 ml Wasser aufkochen lassen und anschließend die Gewürze dazu geben. Das Zuckerwasser so lange kochen lassen, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Nun die Nüsse dazu geben und weitere 30-40 Minuten köcheln lassen, bis die Nüsse weich sind.

Füllen Sie die Nüsse in sorgfältig gereinigte Einmachgläser. Um den Geschmack zu intensivieren, brechen Sie die ganzen Gewürze in Stücke und geben Sie diese mit in die Gläser. Den Zuckersirup nochmals aufkochen lassen und heiß auf die Walnüsse gießen, bis sie bedeckt sind. Die Deckel fest zudrehen und die Gläser auf den Kopf stellen, damit sie luftdicht verschlossen sind. An einem dunklen, kühlen Ort die Nüsse etwa 6 Wochen reifen lassen. Die Gläser können ungeöffnet etwa 3 Jahre gelagert werden.

Tipp: Wichtig ist, dass Sie die Nüsse lange im Sirup ziehen lassen, bevor sie serviert werden. Schwarze Nüsse passen hervoragend zu Käse, Räucherspeck oder auch zu frischen Blattsalaten.