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Zweitligist 1860 München:Rassistische Rufe von den Rängen

TSV 1860 München - FC Ingolstadt 04

In München verunglimpft: Ingolstadts Danny da Costa (hinten).

(Foto: Marc Müller/dpa)

Nach dem 0:1 beim TSV 1860 beklagen Ingolstädter Profis rassistische Laute von Münchner Fans. Besonders ein dunkelhäutiger Spieler wird verunglimpft - ob dem TSV 1860 Konsequenzen drohen, ist unklar.

Aus dem Stadion von Gerald Kleffmann

Hinterher hat Marco Kurz die Hände in die Hüften gestemmt, er sah aus wie in den 96 Spielminuten, als er meist stehend sein Team angepeitscht, dirigiert, justiert hatte. Jetzt lief die dritte Halbzeit, die Aufarbeitungsphase, und obwohl der Trainer des FC Ingolstadt mit dem 0:1 bei 1860 München die vierte Pleite im vierten Spiel zu moderieren hatte, wirkte er nicht am Boden zerstört. "Ja, ich habe ein positives Gefühl", sagte Kurz, "wir haben ein ganz anderes Gesicht gezeigt."

Dann zählte er Begebenheiten auf, die ihm gefallen hatten, das Kämpfen seiner Profis, das Zustellen von Räumen, um den Löwen den Offensivdrang zu erschweren. "Es ist einfach schade, dass so ein Tor entscheidet", grantelte er mit analytischem Ton über das Eigentor von Roger, doch das sollte sich kurz darauf ändern, wegen eines ganz anderen Themas. Kurz wurde zurecht sehr wütend.

In der zweiten Halbzeit wurde da Costa, rechter Verteidiger der Ingolstädter, offenbar wüst von Anhängern des TSV 1860 beschimpft. Da Costa ist dunkelhäutig, sein Vater ist Angolaner, seine Mutter Kongolesin, er selbst ist in Neuss geboren und 30-maliger Jugendnationalspieler. "Das ist ein Wahnsinn, das hat nichts hier zu suchen", zürnte Kurz, dem die rassistischen Rufe, die von der Tribüne drangen, auch zugetragen wurden. Das Wort "Neger" sei eines der harmloseren gewesen.

Schiedsrichter Florian Meyer habe, wie 1860 später mitteilte, persönlich den Vorfall nicht mitbekommen. Als da Costa ihn aber darüber informierte, veranlasste der Schiedsrichter eine Stadiondurchsage, in der zu Fairness und Respekt aufgefordert wurde. Ob das den Löwen hilft, Konsequenzen zu entgehen? Im Spielberichtsbogen wurde die Attacke aus der Fankurve erwähnt. Angeblich sei es die Tat eines einzelnen gewesen. Doch dem widersprach ein Ingolstädter. "Ich bin auch übelst beschimpft worden", sagte Ramazan Özcan, der Torwart ist Österreicher mit türkischen Wurzeln. Er forderte engagiert: "Wir dürfen diesen Leuten einfach keine Plattform geben."

Der Sonntag bot den Ingolstädtern somit widersprüchliche Erlebnisse. Verloren, beschimpft, und doch ein wenig stolz - stolz darauf, fußballerisch "die richtige Reaktion nach dem schwachen Spiel gegen Karlsruhe" gezeigt zu haben, wie Kurz betonte. Offensichtlich ist nur, dass dem FCI ein Vollstrecker fehlt, das Kombinations- und Stellungsspiel immerhin sah bis zum Strafraum gefällig aus.

"Immer wenn wir uns sauber durchgespielt haben, hat der letzte Pass gefehlt", resümierte Mittelfeldspieler Andreas Buchner, der mit zwei Schüssen - neben einem Kopfball von Alfredo Morales - die besten Chancen hatte. Hajnal, der spät nach Ingolstadt transferierte Mittelfeldspieler mit Erstligaerfahrung, stach noch nicht, doch anzukreiden ist ihm das nicht. Die Kollegen müssen noch lernen, Hajnals fintenreichen Pässe im Moment der Abgabe zu dechiffrieren. "Ich werde aber nicht aufhören, uns anzutreiben", versprach Özcan. Der 29-Jährige geht mit Courage voran, auch das darf den Oberbayern etwas Mut machen.

Am Freitag tritt Ingolstadt zum nächsten Versuch an, zu punkten, "wir müssen wie heute zu Hause auftreten", meinte da Costa, der vorerst nichts zu den Rufen sagte. Arminia Bielefeld ist ab 18.30 Uhr dann der Gegner. Ob Christian Eigler wieder spielt, ist unklar, Kurz hatte den Kapitän am Sonntagfrüh darüber informiert, dass er "aus Leistungsgründen" nicht in der Startelf stehe. Eigler habe professionell reagiert, ähnlich wie die Mannschaft am Nachmittag. Sie konnte ihr neuntes Duell mit 1860 in den vergangenen fünf Jahren nicht gewinnen, aber aufrecht verließ sie die Arena trotzdem.

© SZ vom 19.08.2013/ebc

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