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Zweite Liga:Auf der Bremse

Bild in neuer Seite öffnen19.11.2021, xmohx, Fussball 2.Bundesliga, SV Sandhausen - 1.FC Nuernberg emspor, v.l.Nürnberg bejubelt durch Eric Shura

Rot-schwarze Jubeltraube: Die Nürnberger Spieler, Reservisten und Betreuer feiern den späten Siegtreffer in Sandhausen.

(Foto: Steven Mohr/imago)

Nürnbergs Trainer Robert Klauß lässt sich von der Jubelstimmung nach dem Last-Minute-Sieg in Sandhausen nicht anstecken und richtet den Blick auf die Fehleranalyse.

Von Stefan Galler

Da war sie wieder, die völlige Eruption der Gefühle, wie sie im Sport nur eine entscheidende Aktion kurz vor Schluss auslösen kann. Die Nürnberger Spieler, die Reservisten und Betreuer, sie alle verschmolzen auf dem Platz des Sandhausener Stadions zu einer rot-schwarzen Jubeltraube. Der erst 19 Jahre alte Erik Shuranov hatte in einer unübersichtlichen Situation den Durchblick behalten und die Kugel knallhart ins rechte Eck gedroschen. 2:1, der Siegtreffer für den Club, der bis Ende Oktober schier unbesiegbar erschien, sich zuletzt jedoch gleich drei Pflichtspielpleiten in Serie leistete.

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"Wir sind überglücklich über diesen Sieg. Das pusht uns enorm", sagte der Matchwinner nach der Partie am Freitagabend. "So ein Spiel noch auf seine Seite zu ziehen, ist nicht selbstverständlich", so Shuranov weiter. Denn auch in Sandhausen sah es lange Zeit nicht nach einer Trendwende für die zuletzt schwächelnden Franken aus. Erst nachdem der Nürnberger Johannes Geis einen weiten Einwurf direkt vor die Füße von Sandhausens Immanuel Höhn klärte und jener den Ball aus gut 20 Metern humorlos zum 1:0 für die Hausherren ins Tor hämmerte (66.), waren die Gäste im Spiel. "Da haben wir uns dann reingearbeitet, hatten ein Übergewicht und mehr Chancen", stellte auch FCN-Trainer Robert Klauß fest.

"Wir können uns bei unseren Spielern, die von der Bank gekommen sind, bedanken", sagt FCN-Coach Klauß

Der Coach zog seine fünf Wechseloptionen, prompt stellten zwei der Neuen die Begegnung in der Endphase auf den Kopf. Den 1:1-Ausgleich erzielte Fabian Nürnberger, der sich ein Stück außerhalb des Sechzehners im Dribbling durchsetzte und Sandhausens Torwart Patrick Drewes mit einem Mordsschuss keine Abwehrchance gab (83.). Und dann stach in Shuranov auch noch ein weiterer Joker. "Wir können uns bei unseren Spielern, die von der Bank gekommen sind, bedanken", resümierte Klauß betont seriös. "Wir wissen, dass wir einen guten Kader haben. Die Jungs, die reingekommen sind, haben heute den Unterschied ausgemacht."

Das ist nur eine Lehre, die der Nürnberger Übungsleiter aus diesem erzwungenen Sieg vom Wochenende mitnimmt. Eine andere betrifft die grundsätzliche Herangehensweise an die Spiele in dieser so engen Zweitligasaison: "Wir haben in der ersten Halbzeit mit zu wenig Tempo gespielt, haben zu viele technische Fehler gemacht", analysierte Klauß und verwies auf die zahlreichen Konterchancen Sandhausens, "weil wir im Gegenpressing und in der Restverteidigung nicht gut waren". Das sollte sich im Spitzenspiel am kommenden Sonntag im heimischen Max-Morlock-Stadion gegen den Aufstiegsaspiranten FC St. Pauli dringend ändern, denn die Hamburger dürften nach der 0:4-Pleite vom Samstag gegen Darmstadt dringend auf Wiedergutmachung aus sein.

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FCN-Coach Klauß blieb nach dem Last-Minute-Sieg vom Freitag trotz der Ekstase um ihn herum fast trotzig mit festem Tritt auf der Euphoriebremse: "Wir genießen diesen Sieg jetzt natürlich, bleiben aber auch klar und werden analysieren, was nicht so gut gelaufen ist."

© SZ/sewi