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Zweite Handball-Bundesliga :Neuer Anlauf

Andreas Schroeder HC Erlangen 71 Handball Maenner DKB DKB Handball Bundesliga 09 06 2019 Fot; Andreas Schröder

Neue Qualität: Der frühere Erlanger Andreas Schröder soll in der Coburger Mannschaft für Stressresistenz sorgen.

(Foto: Tobias Baur/imago)

"Bei dieser Breite in der Spitze kannst du den Aufstieg nicht planen": Mit einem erneuerten Mittelblock strebt Coburg nach oben.

Im ersten Spiel geht es gegen den TV Emsdetten, da muss natürlich ein deutlicher Sieg her. Mindestens. Im zweiten Spiel heißt der Gegner dann EHV Aue, und auch bei dieser Aufgabe werden die Leute da draußen sagen: Mensch, Aue, die waren letztes Jahr Elfter, da müssen die Coburger doch was reißen. Und weil sich der Partie im Erzgebirge zwei Heimspiele gegen den TuS N-Lübbecke und den VfL Gummersbach anschließen, sagt selbst Stefan Apfel: "Da müssen wir ja mit 8:0 Punkten starten." Das Entscheidende ist bloß: Apfel lacht, wenn er das sagt - er meint es nicht ernst.

Apfel, 44, ist keiner der Leute da draußen. Er ist der Vorstandssprecher des HSC Coburg, er ist einer von innen. Er hätte zwar nichts dagegen einzuwenden, wenn die Mannschaft tatsächlich mit 8:0 Punkten starten würde, er ist schon eine Weile im Geschäft, er weiß ja, welch große Bedeutung den ersten Saisonwochen zukommt, schließlich hat Coburg im Vorjahr "bis Weihnachten von dem guten Start gezehrt" - Apfel ist aber auch klar, dass es nicht gerade förderlich ist, in der Öffentlichkeit allzu forsche Töne anzuschlagen. Deshalb sagt er: "Es muss keine schlechte Saison sein, wenn wir am Ende Fünfter werden und attraktiven Handball gespielt haben."

Das ist also das Spannungsfeld, in dem sich die Coburger auch in der bevorstehenden Saison bewegen werden: Die Leute da draußen wollen was sehen, zum einen attraktiven Handball, zum anderen so viele Siege, dass der HSC am Ende eher Erster als Fünfter wird - und die da drinnen, die Verantwortlichen des Klubs, würden das Aufstiegsrecht zwar schon wahrnehmen, wenn es die Mannschaft in ihren 34 Saisonspielen denn erwerben würde, Druck wollen sie sich aber nicht auferlegen lassen. "Bei dieser Breite in der Spitze kannst du den Aufstieg nicht planen", sagt Apfel, schließlich hat beinahe die Hälfte aller Teams hohe Ambitionen. "Wir haben auch keinen Kader, bei dem man sagen kann: Der Aufstieg ist Pflicht", findet er und antwortet deshalb, gefragt nach dem Ziel, mit dem die Coburger an diesem Samstag in die Saison gehen: "Wir wollen oben mitspielen - so wie letztes Jahr." In der zweiten Spielzeit nach dem Abstieg belegten die Oberfranken am Ende Platz drei hinter den Aufsteigern HBW Balingen-Weilstetten und HSG Nordhorn-Lingen, nun nehmen sie mit einem kaum veränderten Kader erneut Anlauf.

Lediglich der Mittelblock ist erneuert: An der Seite von U21-Nationalspieler Marcel Timm ersetzt Stepan Zeman Markus Hagelin, außerdem bekleidet Andreas Schröder künftig den Posten von Anton Prakapenia. "Das funktioniert in meinen Augen schon sehr ordentlich", sagt Apfel. Er sieht die Mannschaft deshalb auch auf einem guten Weg, was jenen Auftrag angeht, der über das Parkett hinausreicht. Die Leute da draußen abzuholen und mitzunehmen, sie in die Halle zu locken und sie dann für den HSC zu gewinnen, damit sie wieder und wieder kommen: Auch darum geht es. Apfel sagt: "Wir wollen Coburg emotionalisieren." Abseits des Spielfeldes mit einem frechen und offensiven Marketing, auf dem Spielfeld mit attraktivem Handball und mit Erfolgen.

Soll dieser Plan aufgehen, bedarf es auch jener Sache, die der Mannschaft von Trainer Jan Gorr in der vergangenen Saison in entscheidenden Phasen einzelner Spiele abging und schließlich ausschlaggebend war, dass Coburg auf den letzten Metern der Konkurrenz den Vortritt lassen musste: Stressresistenz. Mit Schröder hat sich der HSC jetzt auch diese Qualität ins Team geholt. Beim TV Neuhausen, in Gummersbach und beim HC Erlangen hat der linke Rückraumspieler schon so manche Schlacht in der Bundesliga geschlagen, in Coburg ist ihm nun eine Führungsposition zugedacht. Inwieweit er Gorrs Team voranbringt, wird sich gegen Emsdetten und in Aue zeigen - vor allem aber gegen Lübbecke und Gummersbach, in jenen Partien also, in denen schon zu erkennen ist, ob Coburg am Ende eher Fünfter oder Erster werden könnte.