Zweite Fußball-Bundesliga Große Sorgen, kleine Sorgen

Reich sind sie beide nicht - ansonsten könnten die Voraussetzungen vor dem fränkischen Derby zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth mal wieder nicht unterschiedlicher sein.

Von Markus Schäflein

Das große Frankenderby ist das kleine - zumindest wenn es nach der Tabelle geht. Denn die Führungsrolle in der Region haben derzeit auf dem Papier die Würzburger Kickers inne, sie stehen auf Platz zwei der zweiten Fußball-Bundesliga. Emotional gesehen ist das Treffen zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth an diesem Dienstag (17.30 Uhr) trotzdem das einzig wahre Derby. Für den Club, der auf einem Abstiegsplatz steht, geht es darum, endlich den ersten Saisonsieg einzufahren; für Fürth darum, das 0:3 zuletzt gegen Würzburg wiedergutzumachen.

Die Trainer

Kurz vor der Saison, als René Weiler auf den letzten Drücker den Abflug nach Anderlecht gemacht hatte, holte der Club für eine Ablöse von rund 400 000 Euro den Übungsleiter Alois Schwartz, 49, vom Ligakonkurrenten Sandhausen. Nach nur zwei Punkten aus fünf Spielen steht Schwartz nun im Derby gewaltig unter Zugzwang. Schon nach den zwei Remis zum Auftakt wurde Kritik an der Spielweise der Mannschaft laut, dann kamen drei Niederlagen dazu. Schwartz, der kein so geschickter Verkäufer seiner selbst ist wie Weiler, wurde als Provinztrainer beschimpft. "Ich weiß ja nicht, was die Leute hier für Ansprüche haben", sagt er. "Vielleicht ist es ja so, dass der 1. FC Nürnberg ein gefühlter Bundesligist ist, und den muss ein Guardiola, Magath oder Klopp trainieren. Aber es trainiert einfach nur ein Schwartz." Die prestigeträchtige Partie gegen Fürth sei eine "Riesenchance", die Stimmung wieder kippen zu lassen. Das stimmt - der Umkehrschluss lautet allerdings, dass es Sportvorstand Andreas Bornemann schwer haben dürfte, bei einer Niederlage an Schwartz festzuhalten.

In Fürth steht Stefan Ruthenbeck hingegen außerhalb jeder Diskussion. Seit der 44-Jährige zu Beginn der vergangenen Saison vom VfR Aalen kam, also quasi auch als Provinztrainer, haben sich die Fürther vor allem spielerisch weiterentwickelt; mit dem Abstieg hatten sie nichts zu tun, in seiner ersten Spielzeit landete Ruthenbeck auf Rang neun. Seine Grundidee ist es, immer mehr Ballbesitz zu haben als der Gegner. Diese Idee führte oft zum Erfolg, manchmal aber auch nicht - beispielsweise zuletzt gegen Würzburg. In jedem Fall passt sie zur SpVgg, bei der es ja stets darum geht, Talente auszubilden.

Bitterer Abend im kleinen Frankenderby: Fürths Ante Vukusic beim 0:3 am Freitag gegen die Würzburger Kickers.

(Foto: imago/Zink)

Die Finanzen

Dass der Club seit der großzügigen Zweitliga-Planung des früheren Vorstands Martin Bader große Geldsorgen hat, ist bekannt. Damit muss sein Nachfolger Michael Meeske nun zurechtkommen. Bei den Kaderkosten zählen die Nürnberger aufgrund bestehende Verträge immer noch zur Ligaspitze, obwohl sie keine Spitzenmannschaft haben. Der Club kann auf Geldgeber aus der Region zurückgreifen, die nicht genannt werden wollen, aber wie Investoren Darlehen gewähren; um eine weitere Erhöhung des negativen Eigenkapitals zum 31. Dezember zu vermeiden, die zu einem Punktabzug führen würde, müssen diese Darlehen vermutlich in Genussscheine umgewandelt werden, was für die Geldgeber nachteilig wäre. Zudem baut der Club auf die finanzielle Unterstützung der Quattrex AG, eines baden-württembergischen Unternehmens, das Geld in verschiedene Fußballklubs wie Kaiserslautern, Union Berlin oder künftig vielleicht auch Waldhof Mannheim pumpt, es allerdings irgendwann mit hübscher Rendite zurück haben möchte. Ein Weg aus der Misere könnte eine Ausgliederung der ersten Mannschaft in eine Kapitalgesellschaft sein, die Investoren mehr Sicherheit bieten würde; diesen Schritt bereiten die Vereinsgremien vor, die einflussreichen Ultras organisieren für die kommende Mitgliederversammlung allerdings Widerstand.

Bei den Fürthern ist alles eine Nummer kleiner, in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert ist der Profibereich aber schon seit 2003. Für seriöses Wirtschaften steht Patriarch Helmut Hack. "Wir haben dauerhaft in der zweiten Liga einen Standortnachteil", stellte Hack unlängst in der Mainpost fest, "wir können uns mit Dresden oder Düsseldorf nicht vergleichen." Zudem werde es "immer schwieriger, eine Vielzahl von Sponsoren zu finden, die sich dauerhaft für die zweite Liga interessieren". Die Lösung: Talente ausbilden und Transfergewinne erzielen. "Fürth war in den letzten 20 Jahren die größte Aufgabe im Profifußball", meinte Hack.

Die Ansprüche

Dem 1. FC Nürnberg liegt der dritte Platz der Vorsaison schwer im Magen. "Alle schieben gegen uns die Favoritenrolle weiter und geben ein paar Prozent mehr", erkannte Bornemann nach dem 1:2 gegen 1860 München. Der Sportvorstand und Trainer Schwartz wiederholen ohne Unterlass, dass ihnen bei Umbauarbeiten am Kader die Hände gebunden gewesen seien und die Erwartungen nicht zu hoch sein sollten. Zudem habe die Mannschaft in der vergangenen Saison am Limit gespielt. Manche Anhänger sind für diese Botschaften durchaus empfänglich, aber auch sie sind über den aktuellen Punkte- und Leistungsstand sauer.

"Ich weiß ja nicht, was die Leute hier für Ansprüche haben." - Club-Trainer Alois Schwartz steht nach fünf Spieltagen schwer in der Kritik.

(Foto: Maja Hitij/Bongarts/Getty Images)

SpVgg-Manager Ramazan Yildirim hat ein kreatives Saisonziel ausgerufen: Platz eins in der ewigen Zweitligatabelle. Dafür wären 49 Punkte nötig. Von der ersten Liga träumen nur wenige am Ronhof, auch weil der bislang einzige Erstliga-Ausflug 2012/13 eher ein Albtraum war.

Die Kader

Beim Club finden sich noch immer zahlreiche teuere Angestellte, die den Ansprüchen hinterherhinken. Angreifer Guido Burgstaller wirkte nach dem geplatzten Wechsel nach Freiburg zuletzt neben sich, in der Abwehr suchen die Außenverteidiger Laszlo Sepsi und Miso Brecko nach Stabilität, und für den von der Leihe aus Paderborn zurückgekehrten Stürmer Jakub Sylvestr findet auch Schwartz keinen Platz in der Mannschaft. Immerhin bieten sich ein paar Junge als Alternativen an, zum Beispiel der Innenverteidiger Lukas Mühl oder der Angreifer Cedric Teuchert.

Die Fürther haben diesmal bis auf Marco Stiepermann (VfL Bochum) keinen Stammspieler abgegeben und in Sercan Sararer einen langjährigen Stammspieler zurückgeholt. Gegen Würzburg fehlte ihnen verletzungsbedingt die komplette Stamm-Offensive; das Mittelfeld-Duo Robert Zulj (gesperrt) und Jurgen Gjasula (wohl noch nicht fit) dürfte auch in Nürnberg ausfallen. Zumindest Sebastian Freis kehrt in die Mannschaft zurück, vielleicht auch Veton Berisha. Aber auch an diesem Dienstag werden aufgrund der Personalsituation wieder einige Nachwuchskräfte auf dem Feld stehen. Trainer Ruthenbeck nimmt es positiv: "Für die jungen Spieler ist das auch eine Möglichkeit zu wachsen, die müssen das lernen."