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Zweite Bundesliga:Erfolg ohne Namen

SSV Jahn Regensburg v FC St. Pauli - Second Bundesliga

Traumtor aus dem Nichts: Marco Grüttner ist vor seinem Gegenspieler Leo Östigard am Ball und trifft mit der Hacke an Torwart Robin Himmelmann vorbei zum 1:0.

(Foto: Alexander Hassenstein/Getty Images)

Jahn Regensburg gewinnt 1:0 gegen St. Pauli und ist Sechster, Trainer Selimbegovic will aber nicht über die aktuelle Tabelle sprechen.

Wenn die Spieler im Regensburger Fußballstadion vor einer Partie auf den Platz marschieren, dann zücken die Fans meistens ihre Fahnen und wedeln sie den Kickern entgegen. Es ist ihr warmer Empfang, auch an kalten Herbsttagen. Doch am Sonntag im Zweitliga-Spiel gegen den FC St. Pauli war der Ablaufplan etwas anders. Da wollten die Anhänger noch ein paar Worte loswerden. Sie schrieben sie auf ein weißes Banner: "Von Bürokraten nicht zu entscheiden - Stadionnamen gibt es nur einen!" Darunter war ein weiteres Banner drapiert: "Jahnstadion".

Das letzte Spiel des Jahres 2019 in der Regensburger Arena (es folgen bis zur Winterpause noch Auswärtspartien in Aue und Bochum) war ja auch das letzte unter dem Namen des Automobilzulieferers, der seit der Eröffnung im Sommer 2015 die Rechte besaß. Ein Nachfolger steht noch nicht fest, die Stadt will die Rechte neu ausschreiben und auch der Klub selbst hat angeblich Interesse. Es dürfte wohl eine hektische stade Zeit in der Oberpfalz werden.

Da kommt den Planern entgegen, dass der Mieter sich immerhin weiter solide präsentiert auf dem Rasen. Der Jahn gewann etwas schmeichelhaft durch ein Tor vom Angreifer Marco Grüttner 1:0 (1:0). "Es war uns sehr, sehr wichtig, dass wir das letzte Heimspiel gewinnen, wir wollten den Menschen, die uns das ganze Jahr begleiten, den Sieg schenken", sagte Trainer Mersad Selimbegovic. Seine Spieler rehabilitierten sich nach der höchsten Saisonniederlage, einem 1:4 in Karlsruhe. "Ein sehr glücklicher Sieg für Jahn Regensburg", knurrte dagegen der Hamburger Coach Jos Luhukay.

Die Regensburger sind damit wieder Tabellensechster, drei Punkte hinter dem Relegationsplatz, St. Pauli bleibt 15. und hat nun acht Punkte Rückstand auf Regensburg. "Es ist gut, dass wir den Abstand nach unten vergrößern konnten", sagt Selimbegovic, "aber die Tabelle interessiert mich Nullkommanull, alles ist so eng." Wie sehr diese These zumindest für sein Team stimmt, zeigte sich nach einer schwachen Anfangsphase nach gut 20 Minuten: Andreas Albers hatte nach einem Querpass von Grüttner die erste Chance, St. Paulis Torwart Robin Himmelmann hielt und leitete direkt den Konter ein. Ryo Miyaichi flankte in den Regensburger Strafraum, Mats Möller Daehli verlängerte per Kopf, doch Mittelstürmer Henk Veerman schoss alleine vor dem Torwart Alexander Meyer neben das Tor (20.). Direkt im Anschluss traf der Niederländer nach einer Flanke von Luca Zander die Latte (21.). Genug hatte Veerman noch nicht, wieder nur kurz darauf köpfte er im Konter nach der nächsten Zander-Flanke brillant aufs Tor, Meyer patschte den Ball geradeso weg (29.). "Wir hatten genügend Chancen, das Spiel zu entscheiden. Das ist schlimm", sagte Veerman.

Die Regensburger waren effektiver. Nach einem langen Ball von Benedikt Saller flitzte der eigentlich gar nicht mal so sprintstarke Albers allen davon und passte den Ball seinem Sturmkollegen Grüttner von der rechten Seite aus in den Strafraum. Grüttner, eher zur Stelle als sein Gegenspieler Leo Östigard, ließ die Kugel erst durch seine Beine hoppeln, dann schnellte seine Hacke heraus und lenkte den Ball ins Netz - ein Traumtor aus dem Nichts (42.). Auch nach der Halbzeit war St. Pauli stärker. Die Chance zum schnellen Ausgleich bot sich Möller Daehli: Er schoss nach einem langen Ball freistehend aufs Tor, der herausstürmende Meyer konnte abwehren (55.). "Er hat uns heute im Spiel gehalten", fand Benedikt Gimber.

Die Hamburger Bemühungen wurden jäh gestoppt, als der ehemalige Regensburger Philipp Ziereis mit einer gelb-roten Karte vom Platz flog (69.). So war plötzlich der Jahn spielbestimmend: Aber statt das 2:0 zu erzielen, traf Sebastian Stolze nach einer Ecke nur den Pfosten (78.). Ein wenig durften sich die Regensburger den Erfolg gegen einen ihrer Verfolger also noch verdienen - auch wenn er immer noch schmeichelhaft blieb.

© SZ vom 09.12.2019
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