Süddeutsche Zeitung

Zweite Bundesliga:Auch der HSV ist schlagbar

Von wegen Außenseiterfußball: Der VfL Bochum tritt mutig auf und beendet mit einem verdienten 3:1-Erfolg in Hamburg die Serie des Tabellenführers.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Inzwischen haben die Trainer in der zweiten Fußball-Bundesliga eine immense Freude daran, dem obligatorischen Krösus in aller Vehemenz mitzuteilen, dass sie ihren nächsten Gegner für den naturgegebenen Favoriten halten - oder für das "Nonplusultra" der Liga, wie es der Bochumer Trainer Thomas Reis vor der Auswärtsfahrt nach Hamburg formuliert hatte. Was VfL-Coach Reis trotz allen Respekts aber auch gesagt hatte: "Unschlagbar ist keiner", auch nicht der bislang ungeschlagene Tabellenführer HSV.

Insofern war es auch gar nicht so erstaunlich, dass die Gästemannschaft am Sonntag keinen klassischen Außenseiterfußball darbot, sondern den Hamburgern nach einer mutigen Leistung und Toren von Robert Zulj (35./Elfmeter), Danny Blum (78.) und Raman Chibsah (82.) die erste Saisonniederlage zufügte - 1:3 (0:1)

. Die Hamburger haben sich in dieser Saison nicht nur aufgrund ihrer Tabellenposition einen guten Ruf herausgespielt. Auch der Konkurrenz ist nicht entgangen, dass HSV-Trainer Daniel Thioune fluide zwischen verschiedenen Versuchsanordnungen wechselt. Was den Gegner überraschen soll, sorgte diesmal aber eher für Konfusion in den eigenen Reihen. Thioune entschied sich für ein 3-4-1-2-System, mit Toni Leistner im Zentrum der Abwehr. Der wuchtige Verteidiger war vor der Saison vom 1. FC Köln geholt worden, um mit seiner Erfahrung eine stabilisierende Wirkung auf die Mannschaft zu entfalten. In Erscheinung getreten ist er aber bislang eher aufgrund diverser Platzverweise.

Deshalb war Leistner erst zwei Mal in der Startelf gestanden - beim schmachvollen 1:4 im Pokal in Dresden und zuletzt beim 1:1 in Kiel. Mit Leistner konnte der HSV also noch kein Spiel gewinnen, und auch wenn dieser Zusammenhang nicht unmittelbar bestehen mag: Es erwies sich gegen Bochum als eher falsche Entscheidung, dass der fußballerisch versierte Abwehrmann Moritz Heyer auf die linke Verteidigerposition verfrachtet wurde. Seiner Aufgaben im Spielaufbau war Heyer damit größtenteils entbunden worden, und ohne seine klugen, vertikalen Pässe mangelte es dem HSV diesmal offensichtlich an einer verbindenden Idee, um gegen einen defensiv aufmerksamen und robusten Gegner Torchancen zu kreieren.

Alleine damit war aber auch nicht zu erklären, dass den Hamburgern selbst die einfachsten Dinge nicht gelingen wollten. Horizontale Spielverlagerungen landeten reihenweise in des Gegners Füßen, im Spiel nach vorne mangelte es an Struktur und Präzision. So lag es am VfL, diese Masse an Unzulänglichkeiten gegen den Favoriten auszunutzen. In der ersten Hälfte konnten sich die Gäste eine Vielzahl an Chancen herausspielen, das Führungstor durch Zulj war folgerichtig. Der VfL-Mittelfeldmann traf per Elfmeter, vorausgegangen war ein Foul von HSV-Torwart Sven Ulreich im Strafraum.

In der zweiten Spielhälfte traf auch HSV-Stürmer Simon Terodde vom Punkt (1:1/ 65.), doch das kurze Aufbäumen der Heimelf beantworteten die Bochumer mit einem Treffer für die Galerie: Nach einem Konter lupfte Blum den Ball über Ulreich aus spitzem Winkel ins lange Eck. Aus kurzer Distanz stocherte dann Chibsah den Ball zum 3:1 über die Linie - und besiegelte, dass der HSV jetzt ein geschlagener Tabellenführer ist.

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Quelle:
SZ vom 23.11.2020
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