Als Alexander Zverev am Mikrofon stand, huldigte er erst mal seinen Gegner. Alexander Blockx, 21, habe eine tolle Entwicklung genommen, sagte der 29-jährige Hamburger auf dem Centre Court beim kurzen Interview und verriet, bei der Auslosung hätte er gedacht: schon wieder so ein aufschlagstarker Mann! Vor einem Jahr an selbiger Stelle hatte Zverev ja eine seiner schmerzhaftesten Niederlagen bei Grand-Slam-Turnieren erlitten, als er in einer Partie, die über zwei Tage ging, gegen den Franzosen Arthur Rinderknech verlor. Danach sprach er von grundlegenden mentalen Problemen, er verspüre keine Freude mehr.
Dass er diesmal nach seinem Auftaktmatch beim Rasenklassiker in Wimbledon lachen konnte, lag natürlich zuvorderst an seinem knappen 6:4, 6:7 (8), 7:6 (5), 7:6 (0)-Erfolg gegen den Weltranglisten-36. aus Belgien. Einerseits sagte Zverev zwar grinsend: „Ich tue mich auf diesem schönen Platz oft schwer.“ Andererseits wusste er zu berichten: „Roland Garros im Hinterkopf zu haben, kann helfen, hier gut zu spielen. Ich hoffe, ich schaffe hier mein bestes Karriereergebnis.“
Den Rückenwind seines in Paris errungenen ersten Grand-Slam-Titels spürt Deutschlands bester Tennisprofi also auch auf der britischen Insel. Und er kann ihn gebrauchen. Es ist seine zehnte Teilnahme im All England Club, noch nie erreichte Zverev das Viertelfinale. Dreimal nur stand er im Achtelfinale, 2017, 2021 und 2024. Wimbledon sei für ihn „immer das Grand-Slam-Turnier“ gewesen, bei dem er sich „am schwersten getan“ habe, hatte er zuvor gesagt, doch diesmal seien die Vorzeichen andere: „Persönlich habe ich dieses Jahr ein anderes Gefühl.“ Nach dem Titelgewinn bei den French Open spüre er „mehr Freude und Freiheit“.
Allzu viel war davon indes nicht am Dienstag zu sehen. Die Partie war ein vom Aufschlag geprägtes Kräftemessen, beide Profis servierten gut, Zverev mit seinen 1,98 Metern Körpergröße, Blockx mit seinen 1,93 Metern. Wenn sie keine Asse, Winner oder direkte Punkte im Anschluss schlugen, streuten sie gerne auch mal Doppelfehler ein. Letztlich ging es darum, wer wen beim und mit dem Aufschlag knackt. Stimmung kam selten auf, was auch daran lag, dass viele Zuschauer sich eine Pause gönnten – ehe die 44 Jahre alte Serena Williams mit ihrem voll Spannung erwarteten Comeback-Einzel gegen die Australierin Maya Joint, 20, an der Reihe war. Viele Sitzplätze, auch in der Royal Box, blieben leer. Vier Jahre lange hatte die Amerikanerin als Solistin nicht mehr gespielt, ehe sie jetzt eine Wildcard für Wimbledon annahm. Allerdings war nach der ersten Runde Schluss, sie unterlag in drei Sätzen und nach großem Kampf mit 3:6, 7:6 (6) und 3:6. Im Doppel ist Williams mit ihrer Schwester Venus noch am Start.
Yannick Hanfmann gewinnt gegen den Franzosen Mpetshi Perricard erstmals ein Hauptfeldmatch in Wimbledon
Einen schönen Erfolg feierte der Karlsruher Yannick Hanfmann, der beim 6:7 (6), 7:6 (9), 6:2, 6:3 gegen den aufschlaggewaltigen Franzosen Giovanni Mpetshi Perricard erstmals ein Hauptfeldmatch in Wimbledon gewann. Der 34-Jährige, 56. der Weltrangliste, hat eine unterschätzte Entwicklung genommen. Er zählt bei den großen Turnieren inzwischen regelmäßig zum Hauptfeld, hat sich wunderbar als Profi etabliert, steht verlässlich fürs deutsche Davis-Cup-Team zur Verfügung, ein Allrounder ist er auch. Beim Rasenturnier in Stuttgart sicherte er sich Mitte Juni mit Jan-Lennard Struff erstmals einen Doppel-Titel auf der ATP Tour. Vor allem eine Umstellung beim Aufschlag habe ihm „einen ganz neuen Boost“ gegeben, ihm gelängen mehr freie Punkte, ohne sich in Ballwechseln aufreiben zu müssen. „Und der Aufschlag hält mich auch mal in einem Match, wenn ich vielleicht nicht so gut spiele.“

Dass Hanfmann in der Öffentlichkeit noch unter dem Radar ist, liegt auch dran, dass er bei den Grand-Slam-Turnieren, wo alle hinschauen, nicht wirklich weit kam. „Das Grand-Slam-Thema ist präsent bei mir“, gab er zu. Er würde bei diesen Majors endlich gerne auf sich aufmerksam machen: „Ich finde, ich hatte relativ viele toughe Auslosungen früh. Da mal in die zweite Woche reinzugehen, dazu hatte ich noch nicht so viele Chancen. Wer weiß, vielleicht hier.“ In der zweiten Runde trifft Hanfmann auf den Russen Karen Chatschanow, „das ist immer noch ein guter, gesetzter Spieler. Aber bei Weitem mein bestes Zweitrundendraw in letzter Zeit. Ich traue mir auch zu, diese Leute zu schlagen“.
Für Hanfmann ist es bereits ein Glück, dass er jetzt nicht gleich wieder auf einen ganz großen Namen trifft. Gegen den Weltranglistenersten Jannik Sinner musste er bei den US Open 2023 und in Wimbledon 2024 jeweils zum Auftakt antreten, bei den Australian Open im vergangenen Januar schaltete ihn in Runde zwei der spätere Sieger Carlos Alcaraz aus Spanien aus. In der Spätphase seiner Karriere möchte Hanfmann jedenfalls angreifen: „Ich habe schon die Confidence zu sagen: Vom Körper und Level her ist noch einiges drin.“
Ausgeschieden ist dagegen Laura Siegemund, die 38-Jährige aus Metzingen verlor 2:6, 4:6 gegen die Belgierin Elise Mertens, 30, und büßt damit ihre wertvollen Punkte aus dem Vorjahr ein. 2025 hatte sie in Wimbledon überraschend das Viertelfinale erreicht. Eva Lys, 24, unterlag am Abend der 22-jährigen French-Open-Halbfinalistin Diana Schnaider, 5:7, 1:6; im ersten Satz vergab sie eine 5:2-Führung. Ella Seidel, 21, wie Lys aus Hamburg, scheiterte mit 4:6, 3:6 an der Tschechin Linda Noskova.


