Zverev und Koepfer:Unerlaubt übers Netz

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Zverev und Koepfer: „Ich habe anfangs ein bisschen zu verklemmt gespielt“: Dominik Koepfer gab sich nach der Niederlage gegen den dreimaligen Grand-Slam-Sieger Stan Wawrinka selbstkritisch.

„Ich habe anfangs ein bisschen zu verklemmt gespielt“: Dominik Koepfer gab sich nach der Niederlage gegen den dreimaligen Grand-Slam-Sieger Stan Wawrinka selbstkritisch.

(Foto: Thomas Samson/AFP)

Der Weltranglisten-Siebte gewinnt in der zweiten Runde in Paris wieder mal ein Fünfsatz-Match und fällt dabei nicht immer positiv auf.

Von Gerald Kleffmann, Paris/München

Da stand Alexander Zverev, eine schwarze Maske über Mund und Nase, und gab Cédric Pioline, dem früheren französischen Spitzenspieler, eine Art Blitz-Analyse auf dem Court Philippe Chatrier. Sein Gegner Pierre-Hugues Herbert sei nun mal "einer der härtesten Gegner", er würde einem "keinen Rhythmus geben", er habe überdies nicht gut gespielt, sprach er. Aber wieder einmal hatte es Zverev geschafft, sich gegen einen Kontrahenten durchzusetzen, der phasenweise im Vorteil war, wie zuletzt so manches Mal bei den US Open. "Irgendwie habe ich einen Weg gefunden", gab der 23-Jährige nach seinem qualvoll erkämpften 2:6, 6:4, 7:6 (5), 4:6, 6:4-Erfolg nach 3:58 Stunden zu. Zweimal hatte er sogar Regeln gebrochen und war davongekommen. Brad Gilbert, Autor des Kultwerkes "Winning Ugly", dürfte an diesem Mittwochabend seine Freude an Zverev gehabt haben. Der Weltranglisten-Siebte hatte von Beginn an Probleme mit den variantenreichen Angriffen des Weltranglisten-78., der im Doppel alle vier Grand Slams je einmal mit Nicolas Mahut gewonnen hat. 6:2, 4:1 führte Herbert - Zverev fing sich und machte fünf Spiele in Serie. So ging es hin und her, bis sie im fünften Satz angelangt waren. Im ersten Spiel bei Breakball Herberts monierte Zverev einen "aus" gegebenen Aufschlag - und stieg übers Netz, um den Abdruck zu zeigen. Ein No-Go, die Verwarnung folgte. Aber es war Herbert, der seine Linie verlor. Zverev führte schnell 3:0. Bei 3:1 traf Zverev bei einem Schlag dann den Ball, am Netz stehend, auf Herberts Feldseite. Dieses Vergehen blieb ganz ohne Folgen. Der Elsäßer kam noch mal heran, 3:3, Zverev breakte zum 5:3, verlor den Aufschlag, 5:4 - und nahm letztmals umgehend das Service Herberts ab. Er jubelte nicht. In Grand Slams, vor allem zu Beginn, müsse man eben auch solche Matches gewinnen, sagte er. In der dritten Runde trifft er auf Marco Cecchinato (Italien), der 2018 in Paris im Halbfinale gestanden war. Ausgeschieden ist dagegen Dominik Koepfer. Einen Satz konnte er dem dreimaligen Grand-Slam-Sieger Stan Wawrinka (Schweiz) abnehmen, verlor letztlich aber klar 3:6, 2:6, 6:3, 1:6.

Das Prädikat skurrilstes Match des Tages verdiente sich indes die Partie Kiki Bertens gegen Sara Errani, die 3:11 Stunden dauerte und reich an teils schmerzhaften Kuriositäten war. Die Niederländerin kam mit der trickreichen, zähen Italienerin, 2012 im Finale von Roland Garros, kaum klar und rieb sich erst nervlich auf. Dann erlitt sie Krämpfe. Errani kämpfte mit ihrer Schwäche, dem Service. 14 Doppelfehler fabrizierte sie. Und kassierte eine Verwarnung, als sie den Ballwurf mehrmals nicht hinbekam. Bei 6:5 im dritten Satz hatte Errani Matchball. Doch dann siegte Bertens, 7:6 (5), 3:6, 9:7. Sie warf sich auf den Boden, kurz darauf wurde sie im Rollstuhl vom Court 14 geschoben. Errani hatte da schon grußlos den Platz verlassen, nicht ohne laut in den Himmel zu fluchen: "Vaffanculo!" Später warf sie Bertens Simulieren der Krämpfe vor.

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