TennisDjokovic und seine neue Realität

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„Ja, es ist frustrierend. Gleichzeitig ist es meine Entscheidung, unter diesen Umständen und Bedingungen trotzdem aufzutreten“: Novak Djokovic.
„Ja, es ist frustrierend. Gleichzeitig ist es meine Entscheidung, unter diesen Umständen und Bedingungen trotzdem aufzutreten“: Novak Djokovic. Andrew Medichini/AP
  • Novak Djokovic verliert in Rom überraschend sein Auftaktmatch gegen den Kroaten Dino Prizmic 6:2, 2:6, 4:6.
  • Der 24-fache Grand-Slam-Sieger kämpft mit körperlichen Problemen und sagt, sein Körper sei jetzt sein Hauptgegner.
  • Djokovic reist ohne weiteres Match auf Sand zu den French Open und ist unsicher, ob er dort in bester Form antreten kann.
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Schnelles Aus in Rom, kein weiteres Match bis Paris: Novak Djokovic ist noch weit entfernt von dem Spieler, den die Konkurrenz fürchtet – er selbst macht klar: Sein Körper ist jetzt sein Hauptgegner.

Von Gerald Kleffmann

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Novak Djokovic spricht sechs Sprachen, in einem weiteren halben Dutzend kann er Mini-Konversationen führen, auch in Japanisch und Chinesisch. Er ist das polyglotte Genie der Tennistour. Aber diesmal? Hatte Djokovic so gar keine Lust zu reden. Seine berühmteste Pressekonferenz nach einer Niederlage wird zwar auf immer jene sein, die er 2018 bei den French Open nach seinem Viertelfinal-Aus gegen den Italiener Marco Cecchinato hielt. Damals war er wutentbrannt nicht in den größten Mediensaal, sondern selbstbestimmt in „Room 2“ gestürmt, weil der Raum der nächstgelegene freie war.

„Nole was here“, kritzelten damals nach dem Turnier die Reporter süffisant an die Wände der Stubenkammer namens Raum 2 bei der Abrissparty; das Hauptstadion und das Pressezentrum waren anschließend komplett neu aufgebaut worden. Aber die Pressekonferenz am Samstag in Rom, die er nach dem 6:2, 2:6, 4:6 gegen den Kroaten Dino Prizmic in seinem Auftaktmatch (Freilos in der ersten Runde) vollführte, wird ebenfalls einen Ehrenplatz in der Liste seiner kürzesten Ausführungen erhalten. Djokovic wirkte nicht nur wie ein Rätsel. Er scheint sich selbst derzeit als eines zu empfinden.

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Normalerweise zählt es zu den Naturgesetzen im Männertennis, dass niemand Djokovic zu keinem Zeitpunkt unterschätzen oder abschreiben sollte. Der erfolgreichste Spieler seines Sports, mit 24 Grand-Slam-Pokalen dekoriert, hat mit Verletzungen Titel gewonnen und aussichtslose Partien gedreht. Noch im Januar bei den Australian Open bezwang er, Tennis-Oldie mit nun bald 39 Jahren, den Italiener Jannik Sinner im Halbfinale, ehe er sich im Endspiel nur dem anderen Überflieger der Branche, dem Spanier Carlos Alcaraz, beugen musste. Und doch nagt ganz offensichtlich die Zeit jetzt doch mehr und mehr an ihm.

Welche Verletzung oder welches Problem ihn in Rom plagte? Djokovic sagt nichts dazu

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich in den letzten Jahren der Vorbereitung jemals ohne körperliche Probleme in ein Turnier gegangen bin“, erklärte Djokovic in Rom und gab zumindest diesen allgemeinen Hinweis: „Es ist immer irgendetwas, das ist eine Art neue Realität, mit der ich umgehen muss.“ Seine Conclusio: „Ja, es ist frustrierend. Gleichzeitig ist es meine Entscheidung, unter diesen Umständen und Bedingungen trotzdem aufzutreten. Es ist, wie es ist.“ Ob er glaube, bei den French Open in zwei Wochen in bester Form antreten zu können? „Ich weiß nicht. Ich hoffe es. Mal sehen, was passiert.“  Derart ernüchtert klang er eigentlich nie vor bedeutenden Aufgaben.

Dass der Serbe sich nur noch auf die großen Veranstaltungen fokussiert, hat er im vergangenen Jahr oft betont, und doch fällt auf, dass die Lücken zwischen seinen Teilnahmen immer weiter auseinanderklaffen. In Italien bestritt er erst sein drittes Turnier in dieser Saison. In Indian Wells verlor er noch im Achtelfinale gegen den Briten Jack Draper. Zuletzt hatte ihm die Schulter zugesetzt, weshalb er in Miami, Monte-Carlo und Madrid nicht antrat, alles Wettbewerbe der Masters-Serie, die in der Wertigkeit hinter den Grand Slams stehen. In Rom sah es aus, als hätte er Magenprobleme. Genaueres wollte er nicht preisgeben. „Ich hoffe, Sie verstehen, dass ich darüber nicht sprechen werde.“ Mehr sagte er nicht zu der Thematik.

Klar ist indes, dass Djokovic ohne ein weiteres Match auf Sand nach Paris reist – damit wird er in Frankreich, wo er dreimal triumphierte, erstmals in seiner Karriere ohne einen einzigen Sieg zuvor auf roter Asche antreten. Im vergangenen Jahr hatte er, um Praxis zu sammeln, noch das kleinere ATP-Turnier in Genf eingeschoben, das er gewann. In Paris erreichte er dann das Halbfinale. Nun verzichtet er auf eine Rückkehr in die Schweiz. Warum?  „Es ist die Entscheidung. Es ist die Entscheidung“, sagte er genau so dazu. Sonst nichts. Selbst in der vom Turnier angefertigten Niederschrift seiner Pressekonferenz in Rom lassen sich seine Selbstzweifel deutlich heraushören.

Ein paar winzige Binnensichten in seine Tennisseele gab er immerhin.  Diese verrieten, dass es in ihm offenbar mächtig arbeitet. So hob Djokovic hervor, dass er gegen Prizmic ja „bis zum Ende gekämpft“ habe. Eine Selbstverständlichkeit diente ihm jetzt als Trost. Weiter urteilte er: „Ich bin einen halben Schritt zu spät dran. Ich bin definitiv noch nicht dort, wo ich sein möchte – um das höchste Niveau zu erreichen, mich auf diesem höchsten Level zu messen und weit kommen zu können.“ All das ließ sich bei seiner Niederlage gegen Prizmic, Nummer 79 der Weltrangliste, tatsächlich konstatieren. Ganz überraschend war dieses Ergebnis daher nicht, es hatte sich zudem in der Vorbereitung angebahnt, dass der aktuelle Djokovic weit entfernt ist von dem Djokovic, den die Konkurrenz fürchtet. Einen Trainingssatz gegen den französischen Aufsteiger Arthur Fils verlor er glatt 2:6. Im ATP-Ranking ist er noch auf dem vierten Platz positioniert, hinter Sinner, Alcaraz und Alexander Zverev. Der 29-jährige Deutsche, leicht erkältet zurzeit, erreichte am Sonntag mit einem 6:1, 6:4-Erfolg gegen den Belgier Alexander Blockz, 21, das Achtelfinale.

Seine Pressekonferenz beendete Djokovic mit Worten, die kaum daran erinnerten, dass er im vergangenen Jahr bei allen vier Grand-Slam-Turnieren das Halbfinale erreicht hatte. „Die Situation ist, wie sie ist. Man passt sich einfach an und macht das Beste daraus“, sagte er. „Ich trainiere hart. Ich trainiere so viel, wie mein Körper es zulässt. Wie es dann auf dem Platz läuft – das ist wirklich unvorhersehbar.“

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