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Zum Tod des Boxers:Muhammad Ali - Held für jedermann

Fasziniert die Menschen auch nach seinem Tod: Muhammad Ali

(Foto: AFP)

Er war die Sonne, die alle überstrahlte. Nicht nur Weltmeister, sondern auch noch wahnsinnig cool. Ali wird die Menschen auch nach seinem Tod motivieren, ihren Weg zu gehen.

Von den vielen Sätzen, die nun zu Muhammad Alis Tod von ihm zitiert werden, weil er eben nicht nur ein überragender Boxer war, sondern auch ein kluger, lustiger und poetischer Mann, soll hier nur einer zitiert werden: "Was man vom Mond zu sehen glaubt, ist, dass er leuchtet, doch er benutzt nur die Sonne. So ist es mit Frazier: Er ist der Mond, Muhammad Ali die Sonne."

Es war seine Art, den anderen klein zu reden, in diesem Fall seinen Angstgegner Joe Frazier. Neben ein paar der besten Boxkämpfe der Geschichte haben wir Ali diese Technik zu verdanken: dass er das Schwere leicht und das Beängstigende unterhaltsam machen konnte. Zur Not mit einem Spruch.

Muhammad Ali

"Ich bin der König der Welt! Ich habe die Welt erschüttert"

Muhammad Ali wurde ein Star in den 1960er-Jahren, zu einer Zeit, in der das Schwergewichtsboxen so etwas war wie der Jazz zwanzig Jahre zuvor: eine Ära, in der besonders viele besonders Gute aufeinander trafen. Was im Jazz Miles Davis und John Coltrane darstellten, war in etwa vergleichbar mit Ali und Frazier. Eine eigene Liga, in der das knallharte Handwerk in Kunst überführt wurde. Das Betonballet, das man heute von Wladimir Klitschko und Tyson Fury zu sehen bekommt, wirkt gegen die Kämpfe von damals wie "Hau den Lukas".

Ali war in dieser Ära tatsächlich die Sonne, er überstrahlte sie alle, nicht nur Joe Frazier, sondern auch George Foreman, Ken Norton, George Chuvalo und die anderen, deren Namen nur noch eingefleischten Fans etwas sagen. Die vielen großen Kämpfer, die auch 40 Jahre später noch von diesen Jahren ihres Lebens erzählen, immer und immer wieder - sie alle würden nicht mehr befragt werden, hätten sie nicht zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Karriere den Boxring geteilt mit ihm, dem Größten.

Die Sonderrolle, die Muhammad Ali in der US-amerikanischen Geschichte einnimmt, kann man allerdings nicht nur vom Boxen ableiten und nicht mehr begreifen, wenn man seine Biografie aus der Gegenwart betrachtet.

Klug und eitel, selbstbewusst und schnell, frech und unschlagbar

Wegen seiner Formulierungskunst gilt er heute als erster Rapper, tatsächlich aber bereitete er nicht dem Sprechgesang den Weg, sondern der spezifischen Attitüde, die Rappern nachgesagt wird. In seinem ausgezeichneten Buch "King of the World" erzählt David Remnick, Chefredakteur des New Yorker, wie sensationell die Figur Muhammad Ali, damals noch Cassius Clay, auf die amerikanische Gesellschaft in den 1960er-Jahren wirkte. Grob gesagt gab es vor Ali nur zwei Typen von Afroamerikanern in der öffentlichen Wahrnehmung: den unauffälligen, braven Schwarzen.

So wie Joe Louis, der Ali als Weltmeister voranging und von seinen Managern darauf getrimmt worden war, sich immer nach den Erwartungen des weißen Publikums auszurichten. Und den gefährlichen Schwarzen, den Gangster, wie Alis direkter Vorgänger, Sonny Liston, der schon im Knast gesessen hatte, bevor er Weltmeister wurde.

Ali war anders: klug und eitel, selbstbewusst und schnell. Frech und unschlagbar. Er besiegte Sonny Liston und verhöhnte angepasste Schwarze als "Onkel Toms". Was er damit erreichte, erklärt Davis Miller in seinem autobiografischen Buch "The Tao of Muhammad Ali". Davis, ein schmaler Weißer aus der Mittelschicht, beschreibt darin die Wirkung, die Ali auf ihn und seine Freunde hatte. Plötzlich wollten weiße Jungs wie er sein, schmalen schwarzen Anzug auf schwarzer Haut tragen und einen Afro haben. Weil Ali nicht nur Weltmeister, sondern auch noch wahnsinnig cool war.