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Zum Tod von Wolfram Wuttke:Fußballer wie er sind heute nicht mehr denkbar

Wuttke führte ein Fußballerleben, das sich heutzutage prächtig für ein nostalgisches Seufzen eignet. Wuttke ließ seinen Neigungen und seiner Respektlosigkeit freien Lauf, unentwegt gab es Querelen um ihn, schon damals spaltete er die öffentliche Meinung: Die einen fanden seine Disziplinlosigkeiten und selbstverliebten Exzesse untragbar. Die anderen bedauerten, dass schräge Charaktere wie er keinen Platz mehr hätten in der Liga.

Heutzutage sind Spieler wie Wuttke schlichtweg nicht mehr denkbar in der konformistischen Hochleistungsgesellschaft, die der Profifußball der Gegenwart ist: Weil er durch seine legendäre Faulheit die sportlichen Anforderungen nicht mehr erfüllen könnte. Und weil er wegen seiner notorischen Renitenz im erbarmungslosen öffentlichen Diskurs zugrunde gehen müsste.

"Ihr faulen Schweine, lauft mal ein bisschen mehr"

Die Geschichten, die über Wuttke kursieren, scheinen alle erfunden zu sein, so phantasievoll klingen sie. Und so viele sind es. Dass er als 17-Jähriger mit dem metallic-lackierten Mercedes von Charly Neumann um den Schalker Trainingsplatz gefahren sein soll, auf dem Nationalspieler wie Rüdiger Abramczik und Klaus Fischer standen, das ist nur der standesgemäße Prolog im Sagenschatz.

Angeblich hatte er damals die Entwendung des Autos dadurch begründet, dass er ja für die anstehende Führerscheinprüfung habe üben müssen, und angeblich hat er Fischer und Abramczik bei seinem ersten Bundesligaeinsatz (gegen Uerdingen) zugerufen: "Ihr faulen Schweine, lauft mal ein bisschen mehr."

In Mönchengladbach hatte er später, wie wohl quasi überall, Probleme mit seinem Vorgesetzten, der Jupp Heynckes hieß. Wuttke musste auf Geheiß des Trainers sein Übergewicht reduzieren, aber weil er das verlangte Maß - zwei Kilo - nicht schaffte, sollte er eine Geldstrafe in die Mannschaftskasse zahlen: Eine Mark pro Gramm, insgesamt 500. Wuttke händigte 1000 Mark aus - als Vorschussleistung für kommende Diäten. Auch schön: Als er mal mit seinem kleinen Sohn zur Teamsitzung in Kaiserslautern auftauchte, auf der zu jener Zeit Sepp Stabel das Sagen hatte. Warum er seinen Sohn mitgebracht hatte? "Ich wollte ihm nur mal zeigen, was für einen dummen Trainer wir haben."

1993 beendete Wuttke die Profilaufbahn als Sportinvalide. Im echten Leben hatte er danach viel Pech. Seine Ehe ging entzwei, sein Geschäft pleite, im Jahr 2000 bekam er Brustkrebs. Davon erholte er sich nach harter Therapie, aber die Rückkehr in den Fußball gelang ihm, von kurzlebigen Ausflügen zu Amateurvereinen abgesehen, nicht mehr.

© SZ vom 02.03.2015/fued
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