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Zukunftsplanung bei 1860 München:Iraki für die Finanzen, Schneider für die Fans

Arbeitsgruppen für die Bereiche Nachwuchsarbeit, Marketing, Fans und Finanzen, dazu der Plan, in spätestens drei Jahren erste Liga zu spielen: Beim Besuch von 1860-Investor Hasan Ismaik in München versucht der Verein, sich Klarheit über die eigene Zukunft zu verschaffen. Die Verantwortlichen sind um Einigkeit bemüht, auch wenn längst noch nicht alles zu stimmen scheint.

Oben auf dem Rasen wurden die Weggänge verabschiedet, weiter unten, im Bauch der Arena des FC Bayern München, da sollte es um die Zukunft des Zweitligisten TSV 1860 München gehen, der sich hier seit Jahren für seine Heimspiele einmietet. Es gab zunächst keine Blumensträuße, sondern überdimensionale Fotografien ihrer selbst für Stefan Aigner, Kevin Volland, Collin Benjamin, Sandro Kaiser, Djordje Rakic und Antonio Rukavina, jene Spieler also, die vor Anpfiff der Abschlusspartie der Saison gegen Alemannia Aachen ein letztes Mal gewürdigt werden sollten, ehe sie 1860 in wenigen Wochen verlassen.

TSV 1860 München - Alemannia Aachen

Handshake aber keine Sprechdistanz: 1860-Präsident Dieter Schneider (li.) und Investor Ismaik.

(Foto: dpa)

Die Zuschauer verabschiedeten sich von Benjamin und Kaiser mit Stille, bei Buck mit Pfiffen (weil er fortan für die U23 des FC Bayern spielt), mit Applaus bei Rukavina und Rakic, Sprechchören bei Aigner - und mit Standing Ovations von Volland.

Fünf Millionen Euro im Jahr

Als der Ball dann rollte, nahm Hasan Ismaik, jener Geschäftsmann aus Abu Dhabi, der sich vor einem Jahr für 18 Millionen Euro bei der KGaA von 1860 mit 49 Prozent der stimmberechtigten Anteile eingekauft hatte, auf der Tribüne Platz. Rechts neben ihm saß sein Münchner Vertrauensmann Hamada Iraki, links Otto Steiner, der Aufsichtsratschef des Vereins. Erst einige Plastiksessel entfernt (somit außerhalb der Sprechdistanz) hockte Klubpräsident Dieter Schneider, dessen Rücktritt Ismaik bis Ende März stets gefordert hatte - ehe er davon bei seinem letzten Besuch in München auf wundersame Weise abrückte.

Am Sonntag war Ismaik also wieder einmal eingeflogen, am Ende einer Saison, in der 1860 den Relegationsplatz um die ärgerlich kleine Zahl von fünf Punkten verpasst hatte, und er begrüßte die anwesenden Journalisten mit einem freundlichen: "Guten Tag, everybody." Ab diesem Moment wechselte er ins Arabische und ließ fortan übersetzen von Iraki. "Er (Ismaik; d. Red.) ist gekommen, um euch ein Update zu geben, was jetzt bei 1860 passieren wird", übersetzte Iraki: "Die Verantwortlichen im Verein haben ihm einen Dreijahresplan vorgelegt und zuvor hart und intensiv gearbeitet." Diesen Plan habe er "akzeptiert, bedingungslos".

Erst auf Nachfrage bestätigten Ismaik/Iraki dann die zuletzt schon kolportierte Investitionssumme: Rund fünf Millionen Euro im Jahr wird Ismaik fortan auf Darlehensbasis und zu fünf Prozent Zinsen an die KGaA verleihen, "vielleicht stimmt die Summe, vielleicht ist es aber auch mehr", sagte Iraki dazu, und weiter: "Er (Ismaik) verfolgt 1860, und er weiß, dass hier Großes geleistet wurde, sportlich und finanziell. Sein Ziel ist es immer, nach vorne zu schauen - und in drei Jahren Erstligist zu sein" (was er übrigens auch schon vor einem Jahr gesagt hatte). Dann übersetzte Iraki noch kurz die Freude Ismaiks darüber, "dass mehr Zuschauer kommen als in den letzten Jahren", um sich zuletzt, quasi im Plauderton, zur einzigen echten Neuigkeit des Tages vorzutasten: "Wir haben auch Arbeitsgruppen eingerichtet, für die Bereiche Marketing, Finanzen, Fans, Nachwuchsbereich und Networking."

TSV 1860 München

Gefangen zwischen Tradition und Chaos