Zukunftspläne des Dortmunders:Warum Mats Hummels pokert

Juventus v Borussia Dortmund - UEFA Champions League Round of 16

Im Ausland war Mats Hummels oft beruflich unterwegs - jetzt könnte er auch dort hin wechseln.

(Foto: Bongarts/Getty Images)
  • Dortmunds Nationalspieler Mats Hummels spricht offen über einen möglichen Abschied vom BVB.
  • Dabei hat der Verteidiger erst im vergangenen Sommer seinen Vertrag ohne Ausstiegsklausel unterschrieben.
  • Hintergrund seiner Planspiele könnten Gehaltswünsche sein.

Von Philipp Selldorf, Tiflis

Mats Hummels saß im National- trikot neben Bundestrainer Joachim Löw, aber er antwortete als Vereinsspieler, als er auf seine Zukunft im DFB-Team angesprochen wurde. Die Frage an ihn lautete, ob er die Entscheidung über seinen künftigen Arbeitsplatz mit der Perspektive in der Nationalelf verbinden werde, worauf Hummels eine klare Antwort wusste.

Nein, sagte er, seine Karriere in der Nationalelf habe mit der Entscheidung über seinen nächsten Verein nichts zu tun. Damit hat er niemanden überrascht - weil es ja klar ist, dass der 26-jährige Weltmeister seine Laufbahn nicht bei den Cobh Ramblers in der zweiten irischen Liga fortsetzen wird. Dass aber überhaupt ein möglicher Abschied von Borussia Dortmund anstehen könnte: Das war doch eine Überraschung.

Hummels selbst hatte die Frage heraufbeschworen, denn am Wochenende hatte er dem kicker erzählt, dass er sich "Gedanken über die Zukunft" mache, "dass ich derzeit überlege, was ich mir vorstelle". Heißt: Ob er in Dortmund bleiben möchte oder nicht, ob er in der Bundesliga bleiben oder ein Engagement im Ausland eingehen möchte.

Er fühle sich hin- und hergerissen, sagte Hummels. "Oft denke ich, dass ich auf jeden Fall mal ins Ausland möchte. Dann gibt es aber auch Tage, an denen ich sage, dass ich das nicht brauche." Seit langem ist der Verteidiger Objekt von Wechselgerüchten, selbstredend sind auch die üblichen englischen Verdächtigen wie Manchester United im Gerede, die sich einen teuren Spieler wie ihn leisten können.

Der Weltmeister wünscht sich "eine schlagkräftige Truppe"

Dass Hummels jetzt mit diesem für die Borussia nicht einfachen Thema an die Öffentlichkeit geht, lässt darauf schließen, dass er mit den Vereinsverantwortlichen einen einigermaßen offenen Dialog führt, der ihm diese Unverblümtheit erlaubt. Auch in Tiflis äußerte sich der Nationalspieler recht ungezwungen zur Sache, es hörte sich so an, als ob er sich als den Herrn des Verfahrens sähe. Er wolle "gucken, wonach mir der Sinn steht", "machen, worauf ich Lust habe", berichtete der seit 2009 in Dortmund spielende Profi.

Ein bisschen wird er sich wohl aber auch nach den Wünschen und den Lüsten seines Vereins richten müssen, Mats Hummels' aktueller Vertrag mit der Borussia gilt bis 2017 und ist nach Auskunft eines Insiders nicht mit einer Ausstiegsklausel versehen. Dieser Insider sollte Bescheid wissen, denn er heißt Mats Hummels. Im vorigen Spätsommer hatte er versichert, er habe "ein Zeichen setzen" wollen, als er den Vertrag ohne Klausel unterschrieben habe, obwohl er die Möglichkeit gehabt hätte, eine Hintertür einzubauen.

Nun hat Mats Hummels erneut ein Zeichen gesetzt, indem er ziemlich unzweideutig einforderte, sein Verein solle nicht nur für "eine schlagkräftige Truppe", sondern auch "für eine schlagkräftige Herangehensweise" sorgen. Hummels möchte auf dem Niveau spielen, das einem etablierten Nationalspieler entspricht. Vielleicht möchte er aber auch bloß - wie neuerdings der Mitspieler Marco Reus - auf diesem Niveau bezahlt werden. Aber es sei "noch lange keine Entscheidung gefallen", versicherte Hummels in Tiflis.

© SZ vom 31.03.2015/jbe
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