Zukunft von Uli Hoeneß Uli Hoeneß schweigt öffentlich

Im Vorstand, den der Patriarch schon vor Jahren verlassen hat, sind alle Aufgaben verteilt. Und was möchte Hoeneß? "Er will sich nicht in das operative Geschäft einmischen", sagt einer, der ihn gut kennt. Er wolle etwas Nützliches tun für seinen Klub und strebe keine Führungsfunktion an. Da würde die Jugendsparte bestens passen. Aus der Säbener Straße heißt es, "Hoeneß entscheidet, wo er arbeitet". Um den Vertrag kümmere sich Finanzvorstand Jan-Christian Dreesen. Hoeneß selbst überlässt es anderen, über ihn zu reden.

Zum Beispiel Franz Beckenbauer, der neulich am Tegernsee bei seinem ehemaligen Mitspieler in Verein und Nationalelf zu Gast war, als der kurz Hafturlaub hatte. Hoeneß habe deutlich abgenommen und sei "voller Kraft und Lebensfreude", sagte Beckenbauer dem Fernsehsender Sky, bei dem er unter Vertrag steht. Jetzt hoffen alle, dass Hoeneß im Januar Freigänger werde. Darüber wird intern intensiv geredet, aber nach außen schweigen alle Beteiligten. Die Justizbehörden ebenso wie Steffen Ufer, der Anwalt des prominenten Häftlings. "Uli Hoeneß will sich im Moment an keinerlei Spekulationen beteiligen", sagt Ufer auf Anfrage.

Der Strafverteidiger, der selbst Bayern-Fan ist, hat vor zwei Monaten mal ein bisschen gepoltert. In anderen Bundesländern wäre Hoeneß längst Freigänger, schimpfte Ufer. In Bayern zu Gefängnis verurteilte Weiße-Kragen-Täter ziehen vor dem Haftantritt schnell mal in ein anderes Bundesland um, in dem die Gefängnisse schon ziemlich voll sind und in dem man als Steuerhinterzieher schnell frei kommt. In Justizkreisen ist von einem lebhaften Knast-Tourismus die Rede. Doch für Hoeneß kam das überhaupt nicht in Frage.

Keine Sonderstellung im Gefängnis

Es sieht so aus, als wolle der Ex-Bayern-Präsident derzeit einfach nur seine Ruhe haben; seine Haft ordentlich hinter sich bringen und sich auf keinen Fall einlassen auf die teils wilden Spekulationen um seine angebliche Sonderstellung im Gefängnis. Da wird, wie früher schon, viel Unsinn verbreitet. Ein Freigang jedenfalls ab Dezember oder Januar wäre keine Bevorzugung, sondern Ergebnis seiner günstigen Sozialprognose: intakte Familie, geordnete Verhältnisse, fester Arbeitsplatz, keine Rückfallgefahr.

Hoeneß hinterzieht gewiss keine Steuern mehr, anders als früher bei seinen Zockereien in der Schweiz. Rückfällig könnte er allenfalls beim FC Bayern werden, wenn in zweieinhalb Jahren die Amtszeit von Präsident Hopfner abläuft. Der Finanzstratege gilt im Verein als nüchterner Sachwalter, ohne den die Folgen des Hoeneß-Prozesses schwer zu bewältigen gewesen wären. Ein Klub dieser Größenordnung brauche aber auch die "Emotion", für die der alte Präsident gesorgt habe, sagt einer, der mit allen gut kann.

Doch erst einmal geht es für Uli Hoeneß um ganz andere Dinge. Um einen Job, um den Freigang. Alles andere ist noch weit weg.