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Zukunft von Eintracht Frankfurt:Veh ist in Frankfurt ein kleiner König

"Für drei Millionen hätte ich nicht zur Verfügung gestanden", hatte Veh glasklar gesagt. Diese durchgesickerte Information bewegte wohl auch Bild, voreilig und falsch "von der sechsspurigen Autobahn" zu schreiben, auf der sich der 52 Jahre alte Trainer bereits nach Schalke bewege.

Dabei hatte Veh stets betont, ihm ginge es nicht ums Geld: "Ich bin kein Pokerer." Er wolle lediglich eine Perspektive sehen. "Diese Mannschaft", sagt Veh, "ist mein Baby." Es klingt fast zärtlich.

Tatsächlich hat er sich in Frankfurt etwas aufgebaut, hier ist er ein kleiner König, ihm redet keiner rein, so selten, dass sich Veh gar dabei ertappt, einen Aufsichtsrat zu loben, "das tue ich sonst nicht". Veh hat die Mannschaft geformt, "die Eintracht", sagt der gelernte Immobilienkaufmann, "ist wie Bauerwartungsland." Alles ist möglich, sogar ein vierter Platz.

Der Kader ist willig, charakterstark, einfach zu führen, zur Begrüßung gibt man sich die Hand. Veh, der Ehrgeizige, will jetzt die Chance beim Schopfe packen, von seiner Spielidee rückt er nicht ab, auch in schlechteren Phasen nicht: schnell, attraktiv, hoch stehend und immer vorne druff. So was kommt an in Frankfurt, da verzeiht man auch mal eine Klatsche.

Und mit Kevin Volland (Hoffenheim), Daniel Caligiuri, Johannes Flum (beide Freiburg) und Ya Konan (Hannover), die auf der To-do-Liste des Sportdirektors Bruno Hübner stehen, soll der Angriff für das fremde, internationale Terrain unterfüttert werden. Zudem bleiben der Eintracht ihre Leistungsträger erhalten, auch die Vielumworbenen Sebastian Rode und Sebastian Jung, der nach dem Bayern-Spiel an diesem Samstag seinen Vertrag verlängern wird.

Soweit die Theorie. Dummerweise nimmt sich die Eintracht gerade jetzt ihre Krise. Sechs sieglose Spiele mit nur einem Tor gingen dem mühevollen Erfolg in Fürth voraus. Die Mannschaft, die mangels Alternative fast immer in gleicher Besetzung spielt, wirkt ausgelaugt, Leichtigkeit und Unbekümmertheit der Vorrunde sind dahin.

Damals spielte sie über ihren Möglichkeiten, inzwischen ist sie auf Normalmaß gestutzt. Nun fallen fürs Bayern-Spiel wohl auch noch die drei besten Profis aus: Der formidable Torhüter Kevin Trapp (Handbruch), der beste Schütze Alex Meier (Faserriss) und Kapitän Pirmin Schwegler (Blessur am Steißbein).

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