Zukunft der Fifa Blatters letztes Gefecht

Sepp Blatter: Hat trotz seines Rücktritts noch Pläne mit der Fifa

(Foto: AP)
  • Sepp Blatter hat seinen Rückzug als Fifa-Präsident strategisch geplant.
  • Er wollte sich erst wiederwählen lassen und dann zurücktreten, um die Nachfolge in der Fifa zu beeinflussen.
  • Wäre Blatter sofort abgetreten, wäre die Opposition ins Präsidentenbüro eingezogen und hätte womöglich Dinge ans Licht gebracht, die die Fifa bisher geheim gehalten hat.
Von Thomas Kistner

Seit Sepp Blatter seinen Rücktritt vom Amt des Fifa-Präsidenten erklärt hat, wird unter europäischen Fußballfunktionären fieberhaft gerechnet. Denn während viele in der Welt des Sports nur verdutzt das plötzliche Ende der langen Herrschaft Blatters zur Kenntnis nahmen - der Schweizer führt die Fifa seit 34 Jahren, 17 davon als Präsident -, verstanden die Funktionärskollegen die eigentliche Botschaft der Abtrittserklärung. Und die ist alarmierend: Bis Mai 2016 könnte es dauern, bevor ein Fifa-Sonderkongress den neuen Präsidenten bestimmt. Bis dahin hat Blatter reichlich Zeit, einen Wunschkandidaten aufzubauen. Und dass dieser nicht aus den Reihen seiner europäischen Gegner stammen wird, steht außer Frage.

Für die Blatter-Nachfolge werden viele Namen gehandelt. Darunter ist aber kaum einer, der mehrheitsfähig wäre im Fußball-Weltverband, dem 209 nationale Verbände angehören - vom Deutschen Fußball-Bund bis Vanuatu. Schon bei der jüngsten Präsidentenkür am vergangenen Freitag, bei der Blatter noch einmal gesiegt hatte, hatte sich die Uefa, die europäische Fußball-Organisation, hinter Prinz Ali bin al-Hussein versteckt, einem Spross des jordanischen Königshauses. Prinz Ali tritt auch jetzt wieder an, doch wird sich die Uefa kaum noch einmal hinter ihn stellen.

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Die Europäer sind nervös. Ihr eigener Verbandschef hat auch einen fragwürdigen Ruf

Der renommierteste Kandidat der Europäer wäre Michel Platini. Allerdings hat der derzeitige Uefa-Chef gleich zwei Probleme: Zum einen hat ihn Blatter persönlich im Visier. Platini war es, der Blatter unablässig zum Rücktritt aufgefordert und zudem der Lüge geziehen hatte. Zum anderen ist Platini selbst einer jener fragwürdigen Funktionäre: Er hatte für die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 an Katar gestimmt. Danach bekam sein Sohn einen Posten bei der Qatar Sports Investment, einem Staatsfonds des Emirats.

"Heute zeigen wir mit dem Finger auf die Fifa", orakelte DFB-Präsident Wolfgang Niersbach schon nach Blatters Wiederwahl vor einigen Tagen in Zürich, "aber morgen geht es vielleicht um Vertreter Europas." Dieser Satz bündelt die enorme Unruhe der Europäer und erklärt ihr dürftiges Krisenmanagement. Geradezu erleichtert hat die Uefa ein für das Wochenende in Berlin geplantes Krisenreffen abgesagt. Blatter geht - jetzt braucht es keine Debatten mehr über mögliche WM-Boykotte.

Zugleich kann die Zeit bis zur Neuwahl zur Suche genutzt werden: Wer ist sauber? Welche Kandidaten gibt es, die weder direkt noch indirekt an krummen Geschäften beteiligt waren und nicht in den Strudel der Ermittlungen geraten könnten? Unter dem Aspekt kämen die kurz vor Blatters Wiederwahl in der Vorwoche ausgestiegenen Bewerber Michael van Praag und Luis Figo in Frage. Das Problem: Der Verbandschef der Niederlande ist so wenig mehrheitsfähig in der Fifa wie Portugals Fußball-Ikone.

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Bei der Vergabe der WM 1998 und 2010 sollen Bestechungsgelder geflossen sein. Das und weitere Einzelheiten gehen aus einem Vernehmungsprotokoll des ehemaligen Fifa-Funktionärs Chuck Blazer hervor, das jetzt veröffentlicht wurde.

Hinter Blatters verzögertem Rückzug steckt wohl Strategie. Dass der Abschied nichts mit den Ermittlungen von FBI und Schweizer Behörden zu tun haben soll, wie Blatter behauptet, klingt wenig glaubwürdig. Plausibel ist dieses Szenario: Bis zur Verhaftung etlicher Fifa-Funktionäre und Blatter-Getreuer im Auftrag der US-Justiz vorige Woche war Blatters Thronverteidigung ungefährdet. Es gab keine Vorkehrung für den Fall eines plötzlichen Amtsverlusts und keine Nachfolgeregelung.

Der Zugriff der Amerikaner fegte dann unter anderem Fifa-Vize Jeffrey Webb von den Kaiman-Inseln von der Bühne. Erst im April hatte Blatter den Chef des Fußball-Verbandes von Nord- und Mittelamerika als Nachfolger angepriesen. Nun war auch dieser Getreue weg. Vor diesem Hintergrund konnte Blatter nicht riskieren, binnen weniger Stunden die Fifa-Führung zu verlieren - er musste sich auf jeden Fall zunächst wiederwählen lassen.