PferdesportQuerelen um einen vierbeinigen Superstar

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Mit dem Schweden Rolf-Göran Bengtsson gewann Zuccero 2023 Mannschaftsgold bei der Europameisterschaft. Hier tritt das Duo bei der International Horse Show 2024 in Stockholm auf.
Mit dem Schweden Rolf-Göran Bengtsson gewann Zuccero 2023 Mannschaftsgold bei der Europameisterschaft. Hier tritt das Duo bei der International Horse Show 2024 in Stockholm auf.
Emma Wallskog/Bildbyran/Imago
  • Maximilian Weishaupt tritt bei der Pferd International in München mit dem vierbeinigen Superstar Zuccero an, der erst seit Kurzem in seinem Stall steht.
  • Der Verkauf der Sportrechte an Zuccero sorgte für Kontroversen, da der Schimmel zuvor mit dem Schweden Rolf-Göran Bengtsson Erfolge feierte und Ludger Beerbaum beim Verkauf involviert war.
  • Weishaupt ist nun Teil von Beerbaums Team in der Global Champions League und sieht den Einstieg in die Superliga des Springsports als einmalige Chance, nachdem er früher schwere Rückschläge überwinden musste.
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Maximilian Weishaupt tritt bei der Pferd International in München mit Zuccero an. Beim Verkauf der Sportrechte an dem prominenten Schimmel hatte Ludger Beerbaum seine Hände im Spiel – schließlich gehört Weishaupt neuerdings zu Beerbaums Global-Champions-League-Team.

Von Sabine Neumann

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Wenn sich am Donnerstag die Tore der Olympia-Reitanlage in München zur Pferd International öffnen, wird ein bayerischer Springreiter mit besonderer Spannung erwartet: Maximilian Weishaupt wird Zuccero satteln, einen vierbeinigen Superstar. Der sprunggewaltige Schimmel steht erst seit wenigen Wochen in Weishaupts Stall, er gilt als Ausnahmeathlet und begehrter Deckhengst. Mit dem Schweden Rolf-Göran Bengtsson gewann Zuccero 2023 Mannschaftsgold bei der Europameisterschaft und gehörte auch bei den Olympischen Spielen im vergangenen Jahr zum schwedischen Team.

Für Weishaupt, 35, ist der Zugang von Zuccero ein großes Glück, für Bengtsson ein herber Verlust. Fünf Jahre lang waren der fein reitende 63-jährige Schwede und Zuccero gemeinsam auf Weltklasseniveau für den Verband der Züchter des Holsteiner Pferdes erfolgreich, ein Vorzeigepaar. Schon im Vorfeld des Verkaufs der Sportrechte an dem Pferd gab es heftige Kontroversen, zumal Bengtsson über Jahrzehnte mit den Holsteiner Züchtern verbunden ist. Ende April meldete der Holsteiner Verband als Besitzer, dass er entschieden habe, dass der Verbandshengst seine Karriere mit Max Weishaupt fortsetzen werde. Der Unternehmer Frank Ritter, selbst Reiter und Züchter, erwarb die Sportrechte an Zuccero für seinen Neffen. Wenig später wurde bekannt, dass Bengtsson und der Holsteiner Verband ihre langjährige Partnerschaft beenden. Ungeachtet der Querelen um den Verkauf stehen beide Reiter in engem Kontakt, um Zuccero den Stallwechsel und die Umstellung zu erleichtern.

Nicht zufällig hatte der Geschäfts- und Pferdemann Ludger Beerbaum, 61, der weltweit zweiterfolgreichste internationale Springreiter, seine Hände im Spiel: Max Weishaupt ist neues Mitglied in Beerbaums Turnierteam Riesenbeck International und brauchte ein geeignetes Pferd. Weishaupts Bruder Philipp reitet bereits seit 2003 für Beerbaum und gehörte 2024 mit Zineday zur deutschen Olympia-Equipe. Und sein Stallkollege Christian Kukuk gewann in Paris Einzelgold mit Checker. Die beiden Weltklasse-Reiter bilden den Kern des Teams für die hoch dotierte Global Champions League. Neben Max Weishaupt sollen Marco Kutscher, früherer Beerbaum-Angestellter und Europameister von 2005, sowie zwei weitere Reiter die notwendigen Punkte für das erhoffte Preisgeld sammeln.

2013 erlitt Weishaupt bei einem schweren Sturz lebensgefährliche Verletzungen

Der Einstieg in die Superliga des Springsports ist für Weishaupt eine einmalige Chance, auf die er sehr lange hingearbeitet hat. Der Weg war hart: 2013 erlitt er bei einem schweren Sturz lebensgefährliche Verletzungen. Bis er wieder reiten konnte, vergingen Monate. Im August vor fünf Jahren traf die Familie ein weiterer Schicksalsschlag. Ein Großbrand vernichtete fast ihren gesamten Hof nahe Augsburg. Weishaupt bewies auch diesmal Resilienz und verfolgte neben dem Wiederaufbau sein sportliches Ziel weiter.

2017 übernahm er den Beritt der damals sechsjährigen Omerta Incipit. Als er zwei Jahre zuvor zum ersten Mal auf ihrem Rücken gesessen hatte, hatte er ihr Potenzial erahnt. Auch wenn es die ehrgeizige, selbstbewusste Stute ihrem Reiter nicht immer leicht machte, glaubte er an sie. Zu Recht, im vergangenen Jahr gewann der Berufsreiter mit der inzwischen 14-Jährigen die Großen Preise von San Giovanni in Marignano und Donaueschingen. In diesem Jahr war das Paar bereits auf Fünf-Sterne-Niveau erfolgreich, unter anderem mit der deutschen Equipe beim Nationenpreisturnier in Abu Dhabi. Der Züchter und Besitzer der leistungsbereiten Stute, der Ingolstädter Unternehmer Karl Gruber, unterstützt Weishaupt seit Langem und widerstand allen Kaufangeboten für Omerta Incipit.

Maximilian Weishaupt, hier auf Omerta Incipit.
Maximilian Weishaupt, hier auf Omerta Incipit.
Abaca/IPA Sport//Imago

Mit dem 13-jährigen Zuccero steht Weishaupt nun ein Ausnahmesportler im besten Alter zur Verfügung. Er ist von Bengtsson hervorragend gemanagt worden, erfahren genug, aber nicht verbraucht, und hat sich bereits auf Championaten bewährt. „Es ist ein Traum, ein so gut ausgebildetes Pferd auf so hohem Leistungsniveau übernehmen zu dürfen“, schwärmt sein neuer Reiter. In der Vergangenheit musste er sich oft genug von seinen lieb gewonnenen vierbeinigen Sportpartnern trennen, wenn sie ein höheres Ausbildungsniveau erreicht hatten und solvente Käufer anklopften. Das ist schwer, aber Zucht und Ausbildung sind eine Investition in die Zukunft, die sich möglichst irgendwann auszahlen soll. Umso dankbarer ist Weishaupt dafür, die Besitzer von Zuccero und Omerta Incipit langfristig an seiner Seite zu wissen.

Der Einstieg in den internationalen Spitzensport bringt für ihn einschneidende Veränderungen mit sich. Der Vater von zwei kleinen Söhnen ist nun fast jede Woche rund um den Globus unterwegs. Um die betriebliche Lücke zu kompensieren, wurde ein zusätzlicher Reiter eingestellt. In der Familie trägt seine Frau Nena, die als Hebamme tätig ist, die Hauptlast: „Ohne meine Frau, meinen Vater und unser Team würde es nicht gehen. Sie halten mir den Rücken frei“, sagt Weishaupt.

Der Druck in der Global Champions League ist hoch. „Wir müssen und wollen als Team liefern“, sagt er bestimmt. Ebenso klar ist, dass er sich erst einmal auf seinen neuen Partner Zuccero einstellen und in die großen Aufgaben hineinwachsen muss. Das erste gemeinsame internationale Turnier am vergangenen Wochenende, ein Zwei-Sterne-CSI in Riesenbeck, diente der Vertrauensbildung. Weishaupt ritt stilistisch schöne, ruhige Runden und blieb ohne Springfehler. So soll es bei der Pferd International auf Drei-Sterne-Niveau weitergehen.

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