2. BundesligaGreuther Fürth entlässt Zorniger und Azzouzi

Lesezeit: 2 Min.

Vereint auch beim Abschied: Trainer Alexander Zorniger (li.) und Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi hat das Glück beim Kleeblatt verlassen.
Vereint auch beim Abschied: Trainer Alexander Zorniger (li.) und Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi hat das Glück beim Kleeblatt verlassen. Melanie Zink/Sportfoto Zink/Imago

Nach der schockierenden 0:4-Pleite im Derby gegen Nürnberg müssen Fürths Trainer Alexander Zorniger und Sport-Geschäftsführer Rachid Azzouzi gehen. Das Kleeblatt baut zunächst auf Übergangslösungen.

Von Sebastian Leisgang

Eine Erinnerung an ein Treffen mit Rachid Azzouzi, rund eineinhalb Jahre ist es jetzt her. Der Geschäftsführer der SpVgg Greuther Fürth saß auf einem Barhocker in einem Besprechungsraum im oberen Stock der Geschäftsstelle, in seinem Rücken lag ihm der Rasen zu Füßen, die Sonne strahlte. Azzouzi, 53, sprach über seine Kindheit als Sohn marokkanischer Einwanderer, seine Karriere als Spieler – und als er mit der Zeit ins Plaudern kam, erzählte er auch diese Anekdote mit Benno Möhlmann, seinem damaligen Trainer in Fürth.

Azzouzi saß im Auto und war auf dem Weg zu einer Einheit, Möhlmann fuhr hinter ihm, doch Azzouzi bemerkte es nicht und schnippte eine Zigarette aus dem Fenster. „Es war sogar in seine Richtung“, sagte Azzouzi und lachte. Die Stimmung war äußerst ausgelassen, es war ein guter Tag, und Azzouzi referierte auch über den Weg, den er mit dem Verein eingeschlagen hatte, als er im November 2017 nach Fürth zurückgekehrt war. Die Spielvereinigung sollte sich wieder als Talentschmiede verstehen – und das tat sie nicht einfach nur, sie übertraf sich dabei sogar selbst. 2021 stieg Fürth zum zweiten Mal in seiner Klubgeschichte in die Bundesliga auf.

Doch jetzt, knapp sieben Jahre nach Azzouzis Wiedereinstieg in Fürth, muss der Geschäftsführer seinen Schreibtisch räumen. Am Dienstagnachmittag, rund 48 Stunden nach dem schockierenden 0:4 im Frankenderby gegen den 1. FC Nürnberg, vermeldete der Zweitligist die Trennung. Auch die Dienstzeit von Trainer Alexander Zorniger und dessen Assistent Jurek Rohrberg endet nach zwei Jahren.

„Heute ist ein sehr trauriger Tag“, sagte Präsident Volker Heißmann und hob hervor: „Wir alle schätzen Rachid. Sein Name wird immer mit den größten Erfolgen der jüngeren Vereinsgeschichte eng verbunden sein. So schwer es uns gefallen ist, sehen wir aber dennoch die Notwendigkeit, für grundlegende Veränderungen zu sorgen.“

An Azzouzis Stelle tritt der bisherige Akademieleiter Stephan Fürstner

Der Schmach gegen Nürnberg waren zwar vier Spiele ohne Sieg vorausgegangen – der Schritt, die gesamte sportliche Führung auszutauschen, kommt aber trotzdem äußerst überraschend. Vor allem mit Azzouzis Beurlaubung war nicht zu rechnen.

Auch am Sonntag nach dem Derby-Debakel hatte nichts darauf hingedeutet, dass die Vereinsoberen zu einem derartigen Schlag ansetzen würden. Nach dem Spiel stellte sich nicht nur Zorniger auf der obligatorischen Pressekonferenz, auch Azzouzi duckte sich nicht weg und nannte die Lage in einem kleinen Kreis mit Journalisten „schon knackig“. Er verwies aber auf den frühen Zeitpunkt der Saison und betonte: „Wir brauchen jetzt nicht davon reden: Abstiegskampf oder kein Abstiegskampf.“ Am Dienstag meinte er nun: „Für mich war es immer mehr als nur ein Arbeitgeber. Deshalb wird sicherlich jeder verstehen, dass ich das erst einmal verarbeiten muss.“

An Azzouzis Stelle tritt nun der bisherige Akademieleiter Stephan Fürstner. Der frühere Mittelfeldspieler übernimmt die Aufgabe bis zum Winter. Seine Dienste als Nothelfer sind damit ebenso zeitlich befristet wie die des U-23-Trainers Leo Haas, der auf Zorniger folgt und die Mannschaft in den verbleibenden neun Spielen bis Weihnachten betreuen wird. Sein Auftrag: Fürth wieder auf den Kurs und jene Unbeschwertheit zurückbringen, die Azzouzi an diesem Frühsommertag vor eineinhalb Jahren im Besprechungsraum der Geschäftsstelle mit jeder Faser ausgestrahlt hat.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Nürnberg in der 2. Liga
:Der griechische Held weckt Erinnerungen

Vier Tore in 275 Minuten: Stefanos Tzimas sorgt beim 1. FC Nürnberg für gute Stimmung. Über einen Mutmacher, der in seiner Spielweise Angelos Charisteas ähnelt – und den sie in seiner Heimat gar nicht ziehen lassen wollten.

Von Sebastian Leisgang

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: