bedeckt München 26°
vgwortpixel

Zlatan Ibrahimovic:"Was haben die Leute gegen mich?"

Im ersten Jahr nach seiner Ankunft wurde PSG schon Meister, erstmals seit 1994. Und Ibrahimovic wurde natürlich Torschützenkönig. Mit Hebern, wuchtigen Freistößen, süffisant getretenen Elfmetern, akrobatischen Volleys. Oh-là-là! Das war aber nur eine Rolle, die ihm die Katarer zudachten, nur die sportliche. Die andere, die mediale, hätte kein anderer so gut ausgefüllt wie er: weder Cristiano Ronaldo noch Lionel Messi. Die Geschichte des Jungen aus der Vorstadt von Malmö, Fahrraddieb und Großmaul, kontrastierte so stark mit dem elitären Gestus von Paris, dass "Ibra" garantiert Schlagzeilen machen würde, rund um die Welt.

Marketing ist dem Emir aus Katar mindestens so wichtig wie sportlicher Erfolg. Debatten gab es schon über die Tätowierungen von Ibrahimovic und über seine zum Knoten gebundenen langen Haare, wie ihn in Frankreich sonst ältere Damen gerne tragen - im "chignon". Er mag Pizza mit schwarzen Trüffeln, und er mag die Jagd. Dafür reist er schon mal für einen Tag nach Schweden. Alles interessiert die Franzosen. Einzig während der kurzen Zeit, als auch David Beckham einige letzte Laufübungen mit PSG machen durfte, fiel etwas Schatten auf Ibrahimovic. Es war ein Intermezzo, mehr nicht, eine kleine Zirkusnummer.

Die Macher der politsatirischen Puppenshow "Les Guignols" (Die Kasper) im Fernsehsender Canal Plus fertigten schnell eine Figur von Ibrahimovic an - so klar war allen, dass er den Sport überstrahlen würde. "Zlataner" wurde zum Verb, wie es das auch im Schwedischen ist. Es steht für "dominieren", "erdrücken", "einschüchtern". Eine französische Zeitung schrieb: "Superman, Batman, Spiderman? Auf dem Pausenplatz unserer Schulen ist Zlatan der neue Superheld - der Rächer."

Die Wohnungssuche der Familie Ibrahimovic beschäftigte die Medien über mehrere Monate. "Ibra" und seine Frau Helena Seger, ein ehemaliges schwedisches Model, elf Jahre älter als er, waren offenkundig dermaßen schockiert über die hohen Mietpreise in Paris, dass sie sich Dutzende Objekte anschauten, bevor sie sich dann für eine Wohnung im VIII. Arrondissement entschieden, bei der Place de la Madeleine, für - nun ja - 27 000 Euro im Monat. Man will noch eine Weile bleiben, die beiden Söhne gehen in eine Pariser Privatschule, ohne dass man sie behelligen würde. Ibrahimovic hat seinen Vertrag gerade bis 2016 verlängert, er lernt jetzt Französisch. Und doch fragt man sich in Frankreich mit Sorge, ob seine Motivation nicht bald einmal nachlassen könnte.

Als Ansporn bleibt ihm die Champions League, die hat er noch nie gewonnen. Weder mit Ajax, Juventus, Inter, Barça, noch mit Milan. Sollte er sie mit PSG gewinnen, würde er sich ein Denkmal setzen. In seiner neuen Version ist der Klub für Europa gebaut worden, fürs große Schaufenster, nicht für die Äcker der Ligue 1. Dafür haben die Katarer insgesamt fast 400 Millionen Euro in neues Personal investiert. Man will zu den Allerbesten gehören. Ibrahimovic spricht von einem "Projekt", vom "Traum", und es ist nicht klar, ob er nur von sich selber redet oder auch von PSG.

Unter dem neuen Trainer Laurent Blanc, Frankreichs früherem Nationalcoach, spielt er neuerdings etwas selbstloser, lässt sich auch mal hinter die Spitze fallen, gibt den Ball öfter ab. "Es ist gut", sagt er, "dass nicht mehr ich alle Tore schieße. So schließt sich die Kluft zwischen mir und dem Rest der Mannschaft ein bisschen."

Oh-là-là! In diesem Satz ist viel drin von Zlatan Ibrahimovic, von diesem schier maßlosen Glauben an sich selbst. Sein Ego war schon immer unglaublich groß. Die Franzosen füttern es weiter, etwa so, wie sie Gänse mästen.

© SZ vom 11.10.2013/fued

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite