Zinnbauers Beförderung zum Cheftrainer "Ferrari-Joe" taugt zum Oberkellner

Neuer Vertrag: Joe Zinnbauer ist seit Montag Cheftrainer beim Hamburger SV.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Mit 24 Jahren verdiente er als Unternehmer Millionen: Joe Zinnbauer erhält dank seiner Vorgeschichte und seiner Arbeitsweise einen neuen Vertrag beim HSV. Als Cheftrainer trifft er nun zum zweiten Mal auf den FC Bayern.

Von Jörg Marwedel, Hamburg

Ein wenig erinnerte Joe Zinnbauer am Montag an den einfallsreichen Holger Stanislawski. Während der frühere St. Pauli-Coach Stanislawski seine Spieler sogar mal das kreative Jubeln üben ließ, um sie positiv einzustimmen auf eine Partie, gab der HSV-Trainer beim Übungsspiel einem Team den Auftrag, die eigenen Aktionen mit Beschimpfungen und Ungeduld zu begleiten; im anderen Team dagegen durfte man die Mitspieler nur loben. Die Idee vor dem DFB-Pokalspiel gegen den FC Bayern war: Zinnbauer möchte seiner Elf, die beim 0:3 gegen Hertha BSC am vergangenen Wochenende einen schlimmen Rückfall erlitten hatte und "viel zu leise war", wie er befand, mehr Pep vermitteln.

Solche Ansätze sind es unter anderem, die dem neuen HSV-Führungstrio Dietmar Beiersdorfer (Vorstandschef), Peter Knäbel (Direktor Profifußball) und Bernhard Peters (Direktor Sport) so gut gefallen, dass sie mit Zinnbauer am Montag einen neuen Vertrag unterschrieben. Einen, der den bisherigen Interimscoach trotz nur fünf Punkten aus sechs Bundesliga-Spielen (ein Sieg, zwei Remis, drei Niederlagen) nun als echten Cheftrainer ausweist. Sein Gehalt von 100 000 Euro für die Betreuung des Regionalliga-Teams hoben sie deutlich an - bis auf das Achtfache, jedenfalls wenn er genügend Punkt-Prämien einfährt.

Das ist eine erstaunliche Maßnahme angesichts der jüngsten Misserfolge. Solche Vertragsabschlüsse nach Niederlagen gab es einst höchstens in Bremen zu Otto Rehhagels oder Thomas Schaafs Zeiten. Auf den ersten Blick kann Zinnbauer, 44, ja nur jene kleinen Erfolge vorweisen, die oft bei einem Trainerwechsel entstehen und sich nach kurzer Zeit wieder verflüchtigen: etwas mehr Motivation, etwas mehr Teamgeist, etwas mehr Glauben an sich selbst. Doch der gebürtige Oberpfälzer Zinnbauer, der als Fußballprofi über 16 Zweitligaspiele für Mainz nicht hinauskam, scheint womöglich mehr zu sein als ein Aushilfskellner, der überraschend zum Oberkellner befördert wird. Und glaubt man der HSV-Führung, hat das nur indirekt mit seiner durchaus schillernden Vita zu tun.

Zinnbauer ist jemand, der der Unterhaltungsbranche Fußball mit seinen Geschichten und munteren Plaudereien ("Kloppo hat damals gesagt, wir zwei Blinden können nicht Fußball spielen, aber vielleicht packen wir es ja als Trainer") gut zu Gesicht steht. Als Finanz-Unternehmer verdiente er schon mit 24 Jahren Millionen. Er fuhr bereits damals einen Ferrari - und erhielt von den Kollegen den Spitznamen "Ferrari-Joe". Auch als Tänzer soll er eine gute Figur gemacht haben.