Ziege-Rücktritt in Unterhaching Der Retter hat keine Lust mehr

Überraschener Rücktritt: Christian Ziege hört als Trainer in Unterhaching auf

(Foto: dpa)
  • Christian Ziege tritt als Trainer des Fußball-Drittligisten mitten im Abstiegskampf zurück.
  • Seine Gründe sind vage formuliert. Er nennt unter anderem die "veränderten Rahmenbedingungen".
  • Der Verein ist finanziell schwer gebeutelt.
Von Christoph Leischwitz

Es ist genau ein Jahr her, dass Christian Ziege zur SpVgg Unter- haching kam mit dem Versprechen, dem Verein die Freude am Fußball zurückbringen zu wollen. Die damals vom Abstieg bedrohte Mannschaft sicherte sich dann auch tatsächlich recht schnell den Klassenverbleib. Es ist sechs Tage her, dass Christian Ziege sagte: "Es macht mir noch mehr Spaß als vor einem Jahr. Ich kenne jetzt die Voraussetzungen, die im Verein herrschen." Alles, was er als Trainer brauche, habe er angetroffen: "Einen Platz. Und eine Mannschaft, die bereitwillig ist."

Am Mittwoch gab Christian Ziege seinen Rücktritt bekannt. "Veränderte Rahmenbedingungen im Verein nehmen mir die Möglichkeit, die von uns gesteckten Ziele zu gewährleisten", gab der 43-Jährige in seiner schriftlichen Begründung an. Dabei hatte sich an den von ihm geschilderten Voraussetzungen - niedrigster Etat der dritten Liga, seit Jahren keine Aussicht auf einen finanzkräftigen Hauptsponsor, permanenter Verkauf der besten Spieler - zuletzt nichts geändert.

Zwar veröffentlichte der Sport-Informations-Dienst (sid) fast gleichzeitig mit der Pressemitteilung zu Zieges Rücktritt eine Meldung, wonach der Mannschaft in der laufenden Saison noch zwei Punkte abgezogen werden - der Verein soll gegen Auflagen im Lizenzierungsverfahren verstoßen haben. Doch das ist auch nur die Bestätigung dessen, was seit Wochen als Gerücht durch den Unterhachinger Sportpark ging. Und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die Mannschaft zuletzt immer schlechter spielte. Nach der Winterpause hat Zieges Team in acht Spielen nur fünf Punkte geholt; es steht nur noch zwei Zähler vor den Abstiegsrängen.

Christian Ziege, der Europameister von 1996 und ehemalige Spieler des FC Bayern, war fast schon ein Teil der Unter- hachinger Familie. Nach kurzen Stationen in Mönchengladbach und bei Arminia Bielefeld hatte Ziege drei Jahre als Juniorentrainer beim DFB gearbeitet. Dort hatte er seinen Vertrag aufgelöst, angeblich auch deshalb, um den Drittligisten Unterhaching vor dem Abstieg zu bewahren. Jenen Verein, in dem sein Sohn in der Jugend spielt. In dem der Präsident Manfred Schwabl ganz schnell eine "gemeinsame Wellenlänge" mit Ziege ausgemacht hatte. Und wo jetzt auch Alon Abelski spielt, der mit einer von Zieges Töchtern liiert ist.

Ziege kommentiert zwar für Sport1 Zweitliga-Spiele, doch er kommt im Grunde komplett ohne Rampenlicht aus. Gleich zu Beginn seiner Unterhachinger Amtszeit ließ er durchscheinen, dass er wenig bis gar kein Geld für diesen Job bekommt. Und dass die SpVgg seit Jahren um den Verbleib im Profifußball kämpft und sich von diesem Ziel immer weiter entfernt, hatte ihn nie gestört. Deshalb dürfte sein plötzlicher Rücktritt auch nicht nur mit den "veränderten Rahmenbedingungen" zu tun haben. Sondern auch damit, dass es innerhalb des Klubs unterschiedliche Meinungen zum Vorgehen im Abstiegskampf gegeben hat. Taktisch wird sich erst einmal nicht viel ändern: Zieges bisheriger Assistent Francisco Copado übernimmt vorübergehend das Training.