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Zidane bei Real Madrid:Ausgestattet mit viel Macht und Geld

Real Madrid - Zinédine Zidane mit dem Champions-League-Pokal 2018 in Kiew

Er ist zurück: Zinédine Zidane als Trainer von Real Madrid.

(Foto: AFP)
  • Zinédine Zidane kehrt zu Real Madrid zurück - er habe sich dem Ruf nicht verweigern können, sagt der Trainer.
  • Bei seiner Rückkehr ist er deutlich mächtiger als während seiner ersten Amtszeit.
  • Auch Klubpräsident Pérez hat dazugelernt.

Als Zinédine Zidane, 46, am Montagabend im Bernabéu-Stadion erschien, um sich wieder als Trainer von Real Madrid inthronisieren zu lassen, ging ein Raunen durch den Pressesaal. Zidane kam in einem viel zu kurzen Sakko, mit einer seltsam aufgekrempelten, von Löchern durchzogenen Röhrenjeans und hatte die Füße - ob mit oder ohne Socken, war nicht zu erkennen - in Sneakern versteckt, die gewiss sündhaft teuer waren, aber so ganz und gar nicht zu dem Verständnis von Eleganz passen wollten, das sein alter und neuer Arbeitgeber Real Madrid pflegt. Zidane kehrte als Trainer zu Real Madrid zurück, und sein Outfit verriet: Dieser Mann weiß, dass ihm keiner mehr etwas zu sagen hat. Schon gar nicht wegen Äußerlichkeiten.

Das liegt daran, dass es bei Real Madrid kriselt wie schon seit Jahren nicht mehr. Binnen weniger Wochen hat der Verein den Pokal, die Meisterschaft und auch die Champions League verspielt; um die Talfahrt zu stoppen, verpflichte man nun eine Art fußballerischen Messias. Zidane verkörpert bei Real diese Figur seit vielen Jahren. Er begann seine Karriere zwar in seiner französischen Heimat bei AS Cannes und Girondins Bordeaux, spielte auch überaus erfolgreich bei Juventus Turin in Italien. Doch seinen Zenit und sein Karriereende als Vereinsfußballer erlebte er bei Real Madrid, dem Verein, den er nun retten soll.

Es gibt viele ikonische Bilder vom genialen Fußballer Zidane, seine beiden Kopfballtore im gewonnenen WM-Finale 1998 gegen Brasilien zum Beispiel, oder seinen Kopfstoß gegen die Brust des Italieners Marco Materazzi im verlorenen WM-Finale 2006 in Berlin. In die Geschichte von Real Madrid eingegangen ist der in Marseille geborene Sohn algerischer Einwanderer im Champions-League-Finale des Jahres 2002, als er gegen Bayer Leverkusen den Ball volley in den Winkel drosch. Das Siegtor, es läuft noch immer vor jedem Spiel auf der Videoleinwand des Bernabéu-Stadions.

Zidane ist nun mächtiger als in seiner ersten Amtszeit

Der Treffer legte die Basis für den ersten von fünf Champions-League-Titeln, die Real unter der Regentschaft von Präsident Florentino Pérez gewonnen hat. Bei allen war Zidane dabei: 2002 als Spieler; 2014 als Assistent von Trainer Carlos Ancelotti; ab 2016 dann als Cheftrainer. Im Mai 2018 legte er sein Amt nieder, die Entscheidung überraschte so sehr wie nun die Rückkehr. Damals warnte er den Klubchef Florentino Pérez, dass ein personeller Umbruch unumgänglich sei. Er stieß auf taube Ohren - und zog die Konsequenzen.

Zwei Trainer wurden entlassen, nachdem Zidane sich verabschiedet hatte. Durch den Misserfolg ist Pérez schlauer geworden: Er stattet Zidane mit viel Macht und Geld aus. Wobei Pérez bereits erkennen ließ, dass er gern die teuersten Spieler Europas nach Madrid holen will, die Stürmer Neymar und Kylian Mbappé von Paris Saint-Germain. So wie er vor Jahren die sogenannten Galaktischen zu Real holte, Spieler wie Figo, den Brasilianer Ronaldo, David Beckham - und eben Zidane.

Zuletzt führte Zinédine Zidane ein überaus zurückhaltendes Leben in Madrid. Er nahm Yogaunterricht, punktete bei Ehefrau Verónique als Hausmann und beobachtete eher nebenbei, wie Real ohne ihn in Chaos, internen Konflikten und Erfolglosigkeit versank. Bis er Ende vergangener Woche den Anruf von Vereinschef Pérez erhielt.

Er habe sich dem Ruf nicht verweigern können, sagte Zidane bei seiner Amtseinführung, "ich liebe diesen Klub". Vor allem liebt er die Stadt, er schlug daher gute Offerten von anderen Spitzenklubs aus. Seine Kinder wurden in Madrid groß, seine vier Söhne waren oder sind bei Real aktiv. Der zweitälteste, Luca, ist zurzeit sogar dritter Torwart der ersten Mannschaft und hat gute Aussichten, vom eigenen Vater befördert zu werden. Als neuer Boss machte sich Zidane mit seiner ersten Amtshandlung schon mal beliebt. Er gab den Real-Profis zum Einstand den Dienstag frei.

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