Xabi Alonso in Madrid vorgestelltUnd ab jetzt heißt’s Rock ’n’ Roll

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Xabi Alsonso bei seiner Antrittsrede als neuer Trainer von Real Madrid:„Dies ist ein sehr besonderer Tag, der für den Rest meines Lebens in meinem Kalender bleiben wird.“
Xabi Alsonso bei seiner Antrittsrede als neuer Trainer von Real Madrid:„Dies ist ein sehr besonderer Tag, der für den Rest meines Lebens in meinem Kalender bleiben wird.“ Jose Breton/AP
  • Xabi Alonso wurde als neuer Trainer von Real Madrid vorgestellt und unterschrieb einen Vertrag bis 2028.
  • Real Madrid erwartet von Alonso sofortige Erfolge, beginnend mit der Klub-WM im Juni gegen Al-Hilal in Miami.
  • Alonso plant Veränderungen im Kader, bestätigte bereits zwei Neuverpflichtungen und betonte die Notwendigkeit, eine wettbewerbsfähige Mannschaft zu formen.
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Leverkusen war gestern: Voller Energie betritt Xabi Alonso die Bühne als neuer Trainer von Real Madrid – im Wissen darum, dass ihm von Tag eins an Titel abverlangt werden.

Von Javier Cáceres, Berlin

Am Montag saß Xabi Alonso, 43, im Basketball-Pavillon des Trainingszentrums von Real Madrid, und vor seinem Auge liefen die Bilder seiner Karriere ab. Auf einer Leinwand wurde ein Best-of-Video abgespielt, die Zusammenstellung der besten Momente aus der bisherigen, durchaus glorreichen Vita Alonsos, des neuen Trainers von Real Madrid. Erinnerungen an die Titel mit Real waren zu sehen, aber auch Szenen von seinen Engagements bei anderen Klubs.

Der Champions-League-Sieg mit dem FC Liverpool beim sagenhaften Finale von Istanbul 2005, die Umarmung mit Carlo Ancelotti aus seiner aktiven Zeit beim FC Bayern, die Titel mit Bayer Leverkusen, dem Bundesligisten, den er gerade verlassen hat. Hin und wieder schmunzelte Alonso. Nicht aber, als Klubchef Florentino Pérez das Wort ergriff. Alonso sei schon jetzt „einer der besten Trainer der Welt“, sagte Pérez unter anderem, ehe er eine Umarmung verbalisierte: „Heute heißen wir Xabi Alonso, einen der Unseren, willkommen.“

Am Morgen hatte Alonso seinen Vertrag bis 2028 unterschrieben, unter „Beginn der Laufzeit“ stand der Termin 1. Juni. Das bedeutet, dass Alonso sein offizielles Debüt bei der Klub-WM bestreiten wird, am 18. Juni gegen den saudi-arabischen Vertreter Al-Hilal in Miami. Es war immer wieder geraunt worden, dass Alonso erst danach einsteigen würde. Doch jene, die als mögliche Aushilfstrainer gehandelt worden waren, saßen am Montag freudig lachend im Auditorium: die Ex-Profis Santi Solari und Álvaro Arbeloa. Er finde, die Klub-WM sei geeignet, um Prozesse voranzutreiben, und biete „die Möglichkeit, einen weiteren Titel zu holen“. Rock ’n’ Roll von Tag eins an, das ist offenkundig auch nach Alonsos Geschmack.

„Real Madrid ist nicht Leverkusen, aber das weiß keiner besser als Xabi“, sagt Altstar Toni Kroos

Der Klub-WM wird bei Real Madrid eine zu hohe Bedeutung beigemessen, als dass man in den USA mit einem Substitut vorstellig werden möchte. Aus Gründen des Prestiges – Klubchef Florentino Pérez will Real Madrid als ersten Sieger sehen –, aber auch wegen der ausgelobten Prämie, strebt Real nach der irrwitzigen neuen Trophäe des Weltverbandes Fifa. Auch die rund 120 Millionen Euro, die der Sieger erhalten soll, würde der Klub gern mitnehmen. „Real Madrid ist nicht Leverkusen“, hatte die Madrid-Legende Toni Kroos am Sonntag am Rande des Finalturniers der von ihm ins Leben gerufenen „Icon League“ in Berlin gesagt: „Aber das weiß keiner besser als Xabi.“

Die Bedeutung des Datums sei ihm wohl bewusst, sagte wiederum Alonso, als er in Madrid in freier Rede auf die Pérez-Rede antwortete. „Dies ist ein sehr besonderer Tag, der für den Rest meines Lebens in meinem Kalender bleiben wird“, sagte er. Und er unterstrich dann in seiner Antrittsrede die Worte, die er später auch in seiner ersten Pressekonferenz betonen sollte: Zuversicht, Stolz, Hoffnung, Verantwortung und – immer wieder – Energie. Er habe das Gefühl, hinreichend auf die neue Aufgabe vorbereitet zu sein, sagte er mit Bestimmtheit. Er zeigte sich auch von der dankbaren Seite. Nicht nur gegenüber Pérez, wegen des Vertrauens, das dieser ihm entgegenbringe, sondern auch gegenüber Ancelotti, der ihm einst Trainer gewesen war und nun Vorgänger wurde. Es sei „eine Ehre“, den Staffelstab zu übernehmen; ohne den Einfluss Ancelottis wäre er nie der Trainer geworden, der er nun ist.

Doch auch das ist alles Vergangenheit: Die sentimentalen Tränen und die Huldigungen, die der Abschied des Italieners am Samstag in Madrid hervorgerufen hatte, sind längst Geschichte, am Montag wurde in der Zeitung Marca wieder gnadenlos Klartext geredet: Alonso übernehme „einen verunfallten Ferrari“. Real war in der spanischen Liga, im Supercup und im Pokal nur Zweiter hinter dem FC Barcelona geworden – und in der Champions League am FC Arsenal gescheitert. Und das ist zu wenig, um am Tag nach dem „Adiós“ Belobigungen einzustreichen.

Die Analyse der vergangenen Saison hat Alonso längst vorgenommen, ein paar Einblicke gab er schon. Aus ihr folgt die Notwendigkeit einer Veränderung. Bislang hat Real Madrid – im Konsens mit Alonso – die Verpflichtungen von Innenverteidiger Dean Huijsen (Bournemouth) und Trent Alexander-Arnold (Liverpool) bestätigt, und vor allem den 39-jährigen Luka Modric am Samstag in seinem letzten Heimspiel im Bernabéu  verabschiedet, mit dem Alonso noch zusammengespielt hat. „In Bezug auf Luka bin ich nicht objektiv, aber es ist ein Privileg, ihn bei der Klub-WM zu betreuen“, sagte Alonso. Aber: Auch ohne den Kroaten, der sechs Champions-League-Titel geholt hat und dem sie in Madrid stark nachweinen, sei „der Kader qualitativ sehr gut“, von einer „hohen Wettbewerbsfähigkeit“ geprägt. Es gehe nun darum, „eine Mannschaft zu formen“ und dafür zu sorgen, dass alle an einem Strang ziehen. Und weil dem so ist, verteilte er auch an ein paar Schlüsselfiguren mit ausgeprägtem Bedürfnis für Ego-Massagen ein paar Blumen.

So erklärte Alonso, was für „ein Glück“ es sei, auf Stürmer wie Vinícius und Mbappé zählen zu können. Er habe schon ein paar Ideen, wie die beiden zusammen agieren sollen, er hoffe, dass die beiden ein Gefühl für seine Konzepte entwickeln. Der frühere Dortmunder Jude Bellingham könne „eine Epoche prägen“, der zuletzt abwanderungswillige Stürmer Rodrygo sei „ein spektakulärer Spieler, den wir brauchen werden“. Aber klar, ein paar Verstärkungen brauche es schon. Intern habe er seine Vorstellungen hinterlegt, „ohne Forderungen“ zu stellen. Denn: „Es ist unsere Pflicht, besser zu werden.“

Und das bedeutet eine Menge Arbeit. „Der heutige Fußball verlangt Flexibilität und Dynamik ab“; die Debatte über die Frage, ob Real Madrid künftig mit einer Dreierkette verteidigt, wie es Alonsos Bayer Leverkusen oft tat, oder aber doch mit einer Viererkette, sei müßig. Ebenso nachrangig: ob Real Madrid nun höher pressen werde. Es gehe darum, Spielsituationen richtig zu interpretieren und vor allem: „auf ambitionierte Art zu spielen“, auf dass man die Anhängerschaft „anzündet“. Das Gute sei, dass er gute Spieler habe. „Der Rest ist mein Problem“, erklärte Alonso und lachte, in dem Wissen darum, dass bei Real Ergebnisse noch wichtiger sind als anderswo auf dieser Welt.

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